Fein säuberlich aneinandergereiht stehen gegen 20 bunt verzierte Holzfiguren neben der Reithalle in Egliswil. Stolz zeigt Robin Aeppli, Klient der Stiftung Satis, an welchen «Holztöggeln» er mitgearbeitet hat. Am besten gefällt ihm der dritte von links – ein majestätischer Pharao.

Die Figurensammlung ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts der Oberstufe Seon und der Stiftung Satis. Im Rahmen einer Projektwoche haben Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Klasse zusammen mit Satis-Klienten in den vergangenen Tagen aus Altpaletten Kunstfiguren gestaltet. Das Ziel der Projektwoche war es, die Schüler mit den psychisch beeinträchtigten Klienten in Kontakt zu bringen, um allfällige Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.

Hemmungen schnell überwunden

Sven Baltensperger leitet das Projekt für die Stiftung Satis. Er zieht am zweiten von drei Projekttagen in der Reithalle Egliswil eine positive Zwischenbilanz: «Wir haben unsere Klienten und die Schüler zu Beginn bewusst an einen Tisch gesetzt und sie einfach loslegen lassen.» Anfängliche Hemmschwellen seien so schnell überwunden gewesen und es hätten sich sofort eine entspannte Atmosphäre und lockere Gespräche entwickelt. «Es wurden auch bewusst keine fixen Arbeitsgruppen gebildet, sodass alle untereinander Kontakt haben und miteinander arbeiten können. So entstanden wunderbare Gemeinschaftswerke», sagt Baltensperger.

Für die Schule Seon ist Projektwochenleiterin und Lehrerin Claudia Kokontis vor Ort. Auch sie erlebt das gemeinsame Arbeiten ihrer Schüler mit den Klienten durchwegs positiv. «Die Zusammenarbeit mit den Klienten läuft super. Klar war anfänglich eine gewisse Zurückhaltung auf beiden Seiten zu spüren. Die Schüler scheinen aber keine Berührungsängste zu haben und gehen sehr offen und herzlich mit den Klienten um.» Natürlich hänge es auch vom individuellen Charakter jedes Einzelnen ab, wie viel Anlaufzeit man zur Kontaktaufnahme brauche. «Gewisse Schüler sind sofort auf die Klienten zugegangen und haben das Gespräch gesucht, andere brauchten etwas länger», sagt Kokontis.

Besonders aufgefallen ist der Projektwochen-Leiterin, dass der Kontakt zwischen Schülern und Klienten intensiver ist, als in der Projektwoche vor einem Jahr. Damals haben die Schüler zum ersten Mal mit Satis-Klienten zusammengearbeitet und verschiedenen Osterprodukte hergestellt. «Die Leute kennen mich seither und grüssen mich auch immer freundlich, wenn wir uns im Dorf begegnen», freut sich die Oberstufenlehrerin.

Figuren beim Schulhaus ausgestellt

Am Tisch neben der Reithalle sitzen die Satis-Klienten Leonard Kaufmann und Willi Müller. Sie verzieren gemeinsam mit den Schülerinnen Anita Palushi und Atharsha Kamalendran die letzten Figuren. Während Willi Müller seinen «Töggel» in bunten farben bemalt, dekorieren die Mädchen ihren mit rosa Federn und Wattekügelchen. Willi Müller geniesst die gemeinsame Arbeit draussen an der frischen Luft. «Das ist eine schöne Abwechslung und wir arbeiten gut zusammen», sagt er. Ein wenig abseits beschäftigen sich drei Schüler mit einem Fussball. Sie sind bereits fertig mit ihren Figuren. Auch für sie war das gemeinsame Schaffen mit den Klienten eine gute Erfahrung. «Wir mussten uns zuerst etwas kennenlernen, danach war die Stimmung locker und wir haben uns gut verstanden», sagt einer.

Projektwochen-Leiterin Claudia Kokontis blickt auf ihre Uhr. «Wir müssen bald weiter nach Seon zum Schulhaus», sagt sie. Dort werden die Figuren ausgestellt.