Am Dienstag stand ein Büezer vor dem Gericht, wie es ihn überall gibt in der Schweiz: Zu Hause, in Portugal, hat der 52-Jährige eine Frau und drei Kinder, der Kleinste drei Jahre alt. Die Frau arbeitet, genau wie er. Sie in Portugal, er hier in der Schweiz. Auf dem Bau, als ungelernter Eisenleger, mit wechselndem Stundenlohn, mal bringt er es auf 4500 Franken im Monat, mal auf 4000 Franken. Mit dem Einkommen unterstützt er die Familie zu Hause.

Vor einem Jahr dann wurde sein Leben auf den Kopf gestellt: Nach Feierabend brach auf einer Baustelle, auf der er eben noch gearbeitet hatte, ein Brand aus. Gegen 20 Uhr entdeckte ein Nachbar Rauch im Gebäude, die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Was blieb, waren verkohlte Holzbalken und starke Rauchentwicklung in der angrenzenden Wohnung. Der Sachschaden beläuft sich auf 24'000 Franken. Der Verdacht fiel schnell auf den Portugiesen: Er war es, der auf der Baustelle bis um 16 Uhr mit einer Winkelschleifmaschine Armierungseisen geschnitten hatte.

Die Staatsanwaltschaft kam deshalb zum Schluss, dass der Funkenflug der Maschine den Brand in dem Altbau ausgelöst haben musste. Sie verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 90 Franken (7200 Franken) mit einer Probezeit von zwei Jahren. Dazu kommen eine Busse von 1800 Franken und Gebühren über 1250 Franken. Und eine Forderung der Aargauischen Gebäudeversicherung über 4140 Franken wurde zudem auf den Zivilweg verwiesen.

Mit dem Urteil war der Beschuldigte nicht einverstanden. Er zog den Fall vor das Bezirksgericht, wo es gestern zur Verhandlung kam. Dort sagten er und zwei Zeugen aus, dass an dem verhängnisvollen Tag zahlreiche Handwerker unterschiedlichste Arbeiten ausgeführt hatten, darunter auch elektrische. Und in der Nähe des späteren Brandherds hätten verschiedene Personen Zigaretten geraucht.

Zweifel bleiben

Nach dem Ende seiner Arbeiten gegen 16 Uhr hatte der Eisenleger seinen Arbeitsplatz aufgeräumt und kontrolliert. Weil er dabei nichts Aussergewöhnliches festgestellt habe, gehe er auch nicht davon aus, dass er den Brand ausgelöst habe. Entstanden ist dieser in einem Holzbalken im Boden, der während den Umbauarbeiten mit Schalenbrettern ausgelegt war. Eine wichtige Rolle im Prozess spielte der Funkenflug der Winkelschleifmaschine. Die Aussagen weisen darauf hin, dass sich dieser nicht in Richtung Brandherd bewegte.

Weil es keine Beweise für die Schuld des Angeklagten gab, forderte die Verteidigung einen Freispruch. «Es lag einfach am nächsten, dass derjenige, der Funken produziert, auch den Brand verursacht hat. Beweisen lässt sich das nicht», begründete der Anwalt. Das Gericht kam zur selben Schlussforderung: «Unklarheiten haben zu Zweifeln geführt. Es wäre denkbar, dass eine weggeworfene Zigarette Schuld ist», sagte die Gerichtspräsidentin. Deshalb sei das ein klassischer Freispruch nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Die Prozesskosten übernimmt der Staat.