Niederlenz
Nach anhaltenden Regenfällen: Mini-Murgang in der Kiesgrube

Ein Teilstück des Schutzwalls entlang des Spazierweges in der Neumattgrube ist in die Tiefe gestürzt. Die Ursache dafür waren die vielen Regenfälle der vergangenen Wochen.

Ruth Steiner
Merken
Drucken
Teilen

Es rattert und knattert schon am frühen Morgen in der Kiesgrube Neumatt. Die gfräsige Schaufel des Pneuladers stösst in die Grubenwand, hebt eine grosse Ladung des Kies-Sand-Gemenges hoch und lässt sie auf die Ladefläche im bereitstehenden Dumpers, einem Spezialfahrzeug für Kiestransporte, fallen.

Im nahen Kieswerk der Kies Lenz AG wird das Rohmaterial weiter verarbeitet. Etwas weiter von diesem Abbauort entfernt, an der Ostwand der Grube, sieht es ebenfalls danach aus, als sei an dieser Stelle erst kürzlich gefuhrwerkt worden. Auf einer Länge von rund 25 Metern hat sich der aufgeschüttete Humuswall gelöst und ist in die Tiefe gestürzt.

An diesem Ort war jedoch kein Pneulader am Werk, hier hat die Natur Spuren gegraben. Die Orkane Burglind, Evi, Friederike und die damit verbundenen anhaltenden Regenfälle haben in den vergangenen Wochen nicht nur in den Wäldern der Region grossen Schaden angerichtet. Auch die Kiesgrube Neumatt wurde in Mitleidenschaft gezogen.

«Die Ostwand wurde durch den starken Regen der vergangenen Wochen regelrecht ausgewaschen.» Heinrich Haller, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Kies Lenz AG und Präsident der Kieswerkkommission der Ortsbürgergemeinde.

«Die Ostwand wurde durch den starken Regen der vergangenen Wochen regelrecht ausgewaschen.» Heinrich Haller, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Kies Lenz AG und Präsident der Kieswerkkommission der Ortsbürgergemeinde.

Ruth Steiner

Was ist passiert? «Der Boden war total gesättigt und durchnässt, was letztendlich die Erosion des Humuswalls an der Ostwand ausgelöst hat», erklärt Heinrich Haller, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Grubenbetreiberin Kies Lenz AG und Präsident der Kieswerkkommission der Ortsbürgergemeinde. Sie ist Eigentümerin der Kiesgrube.

Erosion nicht voraussehbar

Wie es zu diesem Mini-Murgang kommen konnte, erklärt Haller so: «Die Ostwand der Kiesgrube ist dem Klima stark ausgesetzt. Sie wurde durch den unaufhörlich starken Regen der vergangenen Wochen regelrecht ausgewaschen. Das ist vergleichbar mit einer Oberfläche, die von einem Sandstrahler behandelt wird.»

Die vielen Regenfälle haben das Terrain derart aufgeweicht, so dass dieses schliesslich teilweise nachgegeben hat. Weil die in Mitleidenschaft gezogene Stelle direkt an den von Spaziergängern und Bikern gerne benutzten Neumattenweg grenzt, wurde dieser mit einer Gitterwand teilweise abgesperrt.

An den Gittern ist das Hinweisschild «Absturzgefahr» angebracht. Haller betont jedoch, dass Spaziergänger und Velofahrer die Stelle problemlos passieren können. «Der Untergrund ist stabil. Aus aktueller Sicht besteht für Passanten keine Gefahr, solange sie sich an die Vorschriften halten.»

Hätte die Erosion des Erdwalls verhindert werden können? Heinrich Haller verneint. Man führe die Kiesgrube streng nach den Richtlinien des Kantons. Jährlich würden geostatische Kontrollen in Auftrag gegeben. Diese sind kurz vor dem Vorkommnis wieder durchgeführt worden und haben zu keinen Beanstandungen Anlass gegeben.

Aufgrund der veränderten Ausgangslage hat die Grubenbetreiberin nach dem Vorfall eine neue Sicherheitsexpertise in Auftrag gegeben. Das Gutachten liegt jetzt vor. Welche Schritte eingeleitet werden müssen, werden Eigentümerin und Betreiberin gemeinsam beschliessen. Es ist möglich, dass die Ostwand künftig mit einer Blache geschützt oder mit Bodennägeln gestärkt wird.

Zwei Monate lang bleiben die Absperrgitter auf dem Streckenstück entlang der Kiesgrube Neumatt stehen. In dieser Zeit werden die notwendigen geostatischen Massnahmen getroffen, damit die Ostwand in der Kiesgrube nicht weiter erodiert und so die Sicherheit der Passanten auf dem Spazierweg gefährden könnte.

Übrigens: Der Humuswall besteht aus Erde, die zu Beginn des Kiesabbaus in der Grube Neumatt beiseitegelegt wurde. Bei der Renaturierung nach Abbauende wird die Fläche wieder mit der ursprünglichen organischen Bodensubstanz abgedeckt.