Vor fast 40 Jahren gründeten Beat und Theres Gehrig aus Seon ihr Geschäft «Teppich Gehrig». Schritt für Schritt haben sie ihren Betrieb vergrössert und ihr Angebot ausgebaut. Jetzt sind sie kürzergetreten und haben die Zügel an die nächste Generation übergeben – an ihren Sohn Beat Matthias Gehrig und dessen Frau Silvia.

Angefangen hat alles 1982 in einem ungeheizten Schopf in Egliswil. «Der Schopf diente damals als Lager, die Leimkübel standen im Gang unserer Wohnung», erinnert sich Vater Beat Gehrig (60). Er verlegte damals vor allem Teppiche. «Das war zu der Zeit Mode.» Seine Frau Theres (58) erledigte die Büroarbeiten. 1986 stellte «Teppich Gehrig» den ersten Mitarbeiter ein. Im selben Jahr zog das Geschäft an den heutigen Standort an der Unterdorfstrasse 65 in Seon. «Das war ein grosser Schritt», sagt er.

Mit Teppich gegen Feinstaub

Da Beat Gehrig seine Bodenleger-Lehre bei einer Schreinerei absolvierte, hatte er bereits Erfahrung mit Holz und konnte deshalb Ende der 80er-Jahre mit dem Parkett-Boom mithalten. Im Laufe der Zeit wechselten die Trends von Parkett zu Laminat. Seit acht Jahren ist Vinyl gefragt, eine pflegeleichte, bedruckte Kunststoffplatte. Vor sechs Jahren wurde das Angebot mit dem Massivholz-Parkett erweitert, das von Hand gehobelt wird und dessen Oberfläche und Farbe die Kunden wählen können. Aufgrund der Vielfalt an Belägen änderte der Familienbetrieb, der seit 2011 eine Aktiengesellschaft ist, seinen Namen auf Gehrig Bodenbeläge. «Wir gehören aber zu den wenigen, die noch immer regelmässig Teppiche verlegen», sagt Beat Gehrig. Der Teppich dämpfe den Schall in Büroräumen und sei auch effektiv gegen Feinstaub: «Glatte Böden wirbeln den Staub auf, während der Teppich ihn bindet.»

Der Betrieb vergrösserte sich kontinuierlich und zählt heute neun Mitarbeiter, die Gehrigs und der Lehrling eingeschlossen. Auch die Räumlichkeiten wurden laufend erweitert. Zuerst im Erdgeschoss, dann kam der erste Stock als Ausstellungsraum dazu und vor drei Jahren zog die Familie Gehrig aus der Wohnung im ersten Stock nebenan aus und funktionierte sie als Erweiterung des Büros um.

Brand verursacht grossen Schaden

In den 37 Jahren Geschäftstätigkeit blieb ein Ereignis der Familie besonders in Erinnerung: der Brand vom 8. Januar 2000. Die AZ titelte damals: «Elektroboiler verwüstete ein Geschäftshaus». Kurz nach Mitternacht sahen Nachbarn, dass aus der Wohnung Rauch entwich. Sie klingelten an der Türe, weckten die Familie aus dem Schlaf – und retteten so vermutlich ihr Leben. Sie kamen mit dem Schrecken davon, doch der Sachschaden wurde auf eine halbe Million Franken geschätzt. Durch das Löschwasser wurde auch das Teppichlager in Mitleidenschaft gezogen. Für die Gehrigs war das aber kein Grund zum Verzweifeln. «Wir haben einfach weiter funktioniert», sagt Theres Gehrig. Und Sohn Beat (31), der damals zwölf Jahre alt war, erinnert sich gar mit einem Schmunzeln: «Meine Lehrerin glaubte mir am nächsten Tag nicht, dass die ‹Ufzgi› verbrannte.»

Dass Beat Gehrig junior einmal das Geschäft übernehmen wird, war alles andere als klar – obwohl er schon als Dreijähriger vom Beruf «Tepperlepper» (Teppichleger) träumte und als Kind sein Taschengeld im elterlichen Betrieb aufbesserte. Er hatte zuerst eine Lehre als Detailhandelsangestellter absolviert. Nach einer Saisonstelle im Verkauf und einem Auslandaufenthalt begann er die Lehre als Bodenleger, die er 2010 abschloss. «Mir fehlte der handwerkliche Teil im Detailhandel», sagt er. Die verkürzte Lehre machte er im Betrieb der Eltern. Der Vater als Lehrmeister? «Kein Problem», sagt Gehrig junior. Auch seine Frau Silvia, die seit 2016 im Büro mithilft, arbeitet gerne mit ihren Schwiegereltern.

Beat und Theres Gehrig unterstützen ihren Sohn, der nach der Lehre das Handeldiplom erhielt und sich zum Bodenbelagsberater mit eidgenössischem Fachausweis weiterbildete, noch im Verkauf und im Büro. Sie freuen sich, dass er die Leitung des Betriebs übernahm. «Ganz freiwillig», betonen sie.