Möriken-Wildegg

Nach 30 Jahren und 25 Lehrlingen: Der Letzte seiner Art hört auf

Noch stehen Fritz Roth und sein Verkaufsteam im Laden vor vollen Regalen.

Noch stehen Fritz Roth und sein Verkaufsteam im Laden vor vollen Regalen.

Seit 1987 hat Fritz Roth das Haushaltgeschäft «Gebhard Eisenwaren» geführt. Mit seiner Pensionierung geht in der Region eine Detailhandels-Ära zu Ende.

Fritz Roth wird in diesen Tagen oft angesprochen auf die jüngste Beschriftung, die an der Schaufensterfront seines Ladens prangt: Ein Totalausverkauf wird da verkündet, 20 Prozent Rabatt gibt es auf alle Produkte.

Die Erklärung für den Ausverkauf liest sich denkbar einfach: Nach 30 Jahren, in denen Fritz Roth (64) zusammen mit seiner Frau Kathrin das Geschäft «Gebhard Eisenwaren und Haushalt» in Wildegg geführt hat, geht der Geschäftsinhaber in Pension. Mit der Schliessung des Haushalt- und Eisenwarengeschäftes an der Aarauerstrasse Ende Dezember geht für die Region auch eine Ära des Detailhandels zu Ende. Der Laden in Wildegg ist in einem weiten Umkreis das letzte Haushaltgeschäft seiner Sorte.

Bereits die Lehre hat Fritz Roth in Gebhards Eisenwarenladen absolviert. Danach arbeitete er einige Jahre bei der e+h Services AG in Däniken. «Mit der Zeit hat sich das Gefühl eingestellt, dass ich es mit einer selbstständigen Tätigkeit versuchen könnte» , sagt Fritz Roth rückblickend. «Allerdings habe ich mir damals nicht vorstellen können, dass diese 30 Jahre andauert.»

Entdeckung einer Marktlücke

Bei der Übernahme 1987 sei das Eisenwarengeschäft in Wildegg noch ziemlich traditionell ausgestattet gewesen, erinnert sich Fritz Roth. Auf der Grundlage seiner Erfahrung im Detailhandel begann er nun schrittweise das Angebot zu erweitern und gleichzeitig zu vereinheitlichen.

Dann entdeckte er eine Marktlücke. Das Grillieren wurde zu einem Erlebnis und die Kundschaft verlangte nach hochwertigen Grillgeräten und dem entsprechenden Zubehör. 36 verschiedene Grill-Modelle zählte das Angebot im Eisenwarenladen zuletzt, wobei auch der zusätzliche Service aus Lieferung und Inbetriebnahme gerne in Anspruch genommen wurde.

Das Grillgeschäft entwickelte sich zu einem wichtigen Standbein des Ladens. «Der Grill ist das Produkt, das mir am meisten Freude bereitet hat», sagt Fritz Roth.

Das Niveau halten

In 30 Jahren wurden an der Aarauerstrasse 7 auch 25 Lehrlinge ausgebildet. Die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten habe ihm immer grosse Freude bereitet, sagt Roth, der den Auszubildenden immer möglichst viel Verantwortung übertrug. Während 15 Jahren arbeitete der diplomierte Kaufmann zudem als Lehrer an der Berufsschule und 20 Jahre als Prüfungsexperte. Als Präsident des Eisenwarenverbandes AG/SO hat er Einfluss in der Branche genommen.

Die wirtschaftliche Situation des Detailhandels beurteilt Fritz Roth als grosse Herausforderung. «Über lange Jahre konnte sich der Detailhandel auf ein kontinuierliches Wachstum einstellen. Zurzeit aber geht es darum, überhaupt das Niveau halten zu können.»

Trotzdem ist er überzeugt, dass mit einem Geschäft, wie er es in Wildegg geführt hat, gewinnbringend gewirtschaftet werden kann. «Ein bestimmtes Kundensegment verlangt immer noch nach dem Angebot und dem Service, den wir bieten.» Voraussetzung sei allerdings, dass man die Bedürfnisse der Kundschaft früh erkenne. Seiner Kundschaft ist Fritz Roth für deren Treue dankbar.

Auf das Ende seiner Tätigkeit in Wildegg blickt er gleichzeitig mit Wehmut aber auch mit Vorfreude. Denn Fritz Roth hat für die Zeit nach der Pensionierung bereits viele Pläne im Kopf: Eine neue Sprache lernen oder einen Einsatz für ein Hilfswerk zu leisten, gehören dazu.

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