Lenzburg

Nach 20 Jahren geht bei der letzten professionellen Galerie der Laden runter

Helene Emmenegger lädt heute zur letzten Vernissage in die Galerie Aquatinta. Annika Bütschi

Helene Emmenegger lädt heute zur letzten Vernissage in die Galerie Aquatinta. Annika Bütschi

Helene Emmenegger erfüllte sich mit der Galerie«Aquatinta» vor 20 Jahren einen Traum. Nicht fehlende Kundschaft ist der Grund, dass die Galerie nun zu macht. Sondern der Umzug des Ehepaars Emmenegger zurück in ihre alte Heimat.

Gelegenheit macht Galeristinnen. Als Helene und Gregor Emmenegger 1994 die Liegenschaft am Stadtgässli 2 bezogen, nahmen sie gern in Kauf, dass mit ihrem neuen Wohnsitz eine als Galerie geeignete Gebäudestruktur gekoppelt war. Hier konnte die Kunstliebhaberin ihren Traum erfüllen. Während 20 Jahren hat Helene Emmenegger «mit Begeisterung und Leidenschaft» die Galerie Aquatinta geführt.

Der Umzug des Ehepaars in seine alte Heimat Luzern ist der Grund, dass diese erfolgreiche Ära nun zu Ende ist. Kunstschaffende wie Kunstkonsumenten werden die letzte professionell geführte Galerie in Lenzburg schwer vermissen.

Helene Emmenegger führte das Werk ihrer Vorgänger weiter. Das Art Atelier Aquatinta, 1989 im sanierten und umgebauten «Hauserhaus», ein Anhängsel am Bezirksgebäude am Metzgplatz, das einst zusammen mit dem alten Gemeindesaal eigentlich dem Abbruch geweiht war, wurde von Iris und Jürg Hippele als Werkstatt für die alte hohe Handwerkskunst der Radierung und des Kupferdruckes sowie als Ausstellungsraum geführt. Hier konnten Künstler ihre Werke vervollständigen und fortgeschrittene Laien die Grundbegriffe des Kunst-Druckes erlernen und anwenden.

«Aquatinta» bedeutet «trübes Wasser» und bezeichnet eine Art von Drucktechnik. Weil Hippeles nach zehnjähriger kreativer Arbeit in Lenzburg nach Irland ausgewandert waren und die Druckpressen samt Know-how mitnahmen, beschränkte sich die neue Eigentümerin auf die Ausstellungstätigkeit.

In einer kunstfreundlichen Familie aufgewachsen, eignete sie sich ihr Fachwissen in engem Kontakt mit Kunstschaffenden und Kunstvermittlern autodidaktisch an. Rund zur Hälfte bestritt sie an den Vernissagen die Einführungen in die präsentierten Werke und deren Kreateuren selber, und dies mit klaren, fundierten und auch dem Laien verständlichen Ausführungen.

Schrittweise hat sich Helene Emmenegger ein Netz aufgebaut, welches weit über die Region hinaus reichte. So war es möglich, die Ausstellungskonzepte auf breiter Basis anzulegen.

Breit gefächerte Palette

Bewusst fokussierte sich die Galeristin mit ihrem Programm nicht auf spezielle Stilrichtungen, sondern präsentierte eine breit gefächerte Palette. Primäres Kriterium für die Auswahl war, dass die Bilder und Skulpturen sie selber ansprechen, erklärt Emmenegger: «Ich wollte zum Gezeigten stehen». Und in der «Provinz» muss man, um erfolgreich zu sein, vielen vieles bringen.

So hielten sich in den insgesamt 90 Ausstellungen von 62 Kunstschaffenden regional und landesweit bekannte renommierte Künstlerinnen und Künstler in etwa die Waage. Anfänglich waren es jährlich rund ein Dutzend Präsentationen, in der letzten Zeit etwas weniger.

Zu den meist im «Aquatinta» gastierenden Akteuren gehörten Michele Meynier, Hallwil, welcher als Tiefdruckspezialist schon bei Hippeles tätig war und deren Nachfolgerin bis heute bei der Ausstellungs-Gestaltung mit Rat und Tat behilflich war. Ferner Altmeister Alois Janak, Beinwil am See, Lokalmatador Fritz Huser, Lenzburg, Susi Kramer, Oberhof AG, und Claudia Meyer, Paris.

An der «Finissage» heute Samstag wird ungefähr die Hälfte aller am nachhaltigen Erfolg beteiligten Kunstschaffenden mit einigen ihrer Werke beteiligt sein, aus dem näheren Umkreis nebst den Genannten Annemarie Balmer, Lenzburg, Anneliese Dorer, Baden, John N. Myers, Wettingen, Hans Rudolf Roth (Rojo), Reinach, Jean-Robert Schaffter, Seengen, Thomas Schirmann, Effingen, Mariwish Sherkot, Birmensdorf, aber auch Basil und Brutus Luginbühl mit ihren Skulpturen sind vertreten.

Eine positive Bilanz

«Eine treue Kundschaft hat meinen Einsatz entsprechend honoriert», zieht Helene Emmenegger eine durchwegs positive Bilanz unter die zwei Jahrzehnte «Aquatinta». Ihr Dank gilt aber auch Lilo Siegrist und Christine Renold, die ihr seit 16 Jahren zur Seite steht, sowie natürlich Gatte Gregor und ihren Töchtern für die unermüdliche logistische Unterstützung.

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