Staufen

NAB-Award: Er wurde vom Geheimfavoriten zum tragischen Helden

Nick Alpiger hat ein bewegtes Jahr hinter sich und noch grosse Ziele.

Der Staufer Nick Alpiger verpasste am Eidgenössischen Schwingfest 2019 seinen grossen Traum vom Königstitel. Bald schon will er in die Schwinger-Arena zurückkehren.

Nick Alpiger aus Staufen feiert 2019 beim Innerschweizer Schwingfest seinen fünften Kranzfestsieg. Das macht ihn zum Mitfavoriten beim Eidgenössischen in Zug. Kurz vor dem Grossanlass zieht er sich eine Sehnenverletzung zu. Er kämpft sich zurück und legt in Zug den Topfavoriten auf den Rücken – dann macht ihn eine erneute Verletzung zum tragischen Helden.

2019 ist eine Achterbahnfahrt für Schwinger Nick Alpiger: Beim Innerschweizer Schwingfest legt er im Juli im Schlussgang nach nur 24 Sekunden Christian Schuler auf den Rücken. Mit seinem fünften Kranzfestsieg bestätigt Nick Alpiger, dass er einer der ganz «Bösen» ist – denn so nennt man die Besten beim Schwingen.

Mit dem Sieg steigt der Aargauer in den Favoritenkreis fürs Eidgenössische auf. Und das mit Recht, denn der junge Mann weiss, dass er an einem guten Tag alles schaffen kann.

NAB-Award: Nick Alpiger bewies einen unbändigen Willen, als er trotz Verletzung beim Eidgenössischen Schwingfest den Topfavoriten auf den Rücken legte

NAB-Award: Nick Alpiger bewies einen unbändigen Willen, als er trotz Verletzung beim Eidgenössischen Schwingfest den Topfavoriten auf den Rücken legte.

Auf und Ab für jungen Schwinger: Nach dem Glück das Leid

Weniger als einen Monat vor dem Grossanlass muss Alpiger, der in einem 80-Prozent-Pensum als Maurer arbeitet, einen Rückschlag verdauen: Beim Schwingfest auf dem Weissenstein erleidet der 43-fache Kranzgewinner eine Sehnenverletzung im Hüftbereich.

Die Chancen, dass er bis zum Eidgenössischen fit wird, sind minim – doch der Charakterkopf glaubt daran. Entschlossen folgt er den Anordnungen seiner Therapeutin und verlegt auch einmal das Training ins Wasser, wo er Schwünge simulieren kann, ohne den verletzten Körper zu sehr zu belasten. Ein Vorteil ist, dass er beidseitig schwingt – etwas, das nur wenige Konkurrenten beherrschen. Dies ermöglicht ihm, sein verletztes Bein besser zu entlasten.

Nick Alpiger legt im ersten Gang am Eidgenössischen sensationell Topfavorit Samuel Giger auf den Rücken – den Mann, der zuvor zwei Jahre lang nie mehr verloren hat. Doch schon im zweiten Gang zwickt es ihn wieder in der Hüfte. Er bringt keine Spannung mehr ins Bein, verliert den Kampf und humpelt aus dem Sägemehl

Doch Aufgeben ist für Nick Alpiger keine Option. Der Arzt gibt ihm grünes Licht. Im dritten Kampf schafft er trotz Schmerzen nochmals einen Sieg, doch im letzten Gang des Tages muss er sich geschlagen geben. Der Traum vom Schwingerkönig 2019 ist passé.

Im Dezember will Alpiger wieder schwingen

Mittlerweile ist die Operation gelungen und der Wiederaufbau läuft. «Im Dezember will ich wieder mit dem Bodenschwingen anfangen», sagt Nick Alpiger. Die Nominierung für den NAB Award kam für ihn zwar überraschend, «doch ich freue mich sehr darüber». Bleibt nur noch die Frage nach der toggenburgischen Tracht, die er jeweils bei Schwinganlässen trägt.

Denn aufgewachsen ist Alpiger in Staufen bei Lenzburg, wo er auch lebt. «Mein Heimatort und die Familienwurzeln liegen in Wildhaus-Alt St. Johann. Weil mir die Tradition wichtig ist, zeige ich diese Verbundenheit mit der Tracht.»

Alpiger wird wiederkommen. Er hat für den Erfolg immer mehr getan als andere Schwinger. Weil er als Jüngling nicht der Schwerste und Kräftigste war, zeigte er umso mehr Fleiss und verfeinerte Technik und Gespür, um seinen Traum als Schwinger zu leben.

Die Kraft für seine Rückkehr findet er auch beim Fischen: «Das holt mich wieder auf den Boden zurück.» Welchen Boden er damit meint, ist klar: das Sägemehl in der Schwingarena.

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