In lockerem Erzählfluss geschrieben, dürfte die in verschiedenen Zeitepochen spielende Geschichte zum Eintauchen in ein paar unterhaltsame und spannende Stunden sorgen.

Passende Kulisse im Schlosshof

Was hätte sich für die Lesung besser geeignet, als diese direkt in den lauschigen Schlosshof zu verlegen? Als Kulisse im wahrsten Sinne des Wortes boten sich die tribünenartig angelegten Plätze der aktuell gespielten Oper «Der Barbier von Sevilla» an.

Unter dem Blätterdach der grossen Linde liess man es sich auch bei flirrender Hitze, vielleicht mit einem nostalgischen Strohhut angetan, wohl sein. So war auch Margot S. Baumann in ein nostalgisches Kostüm gewandet, das den teilweise ins 18. Jahrhundert verlegten Erzählstrang aufs schönste unterstrich.

Autorin in Leutwil aufgewachsen

Liebe und Leidenschaft, Tragik und Tod – manchmal ist das Leben ja selber wie eine Oper oder eine Operette. In diesem Sinne verquickt die aus Leutwil stammende, im Bernischen wohnhafte Schriftstellerin, sachte auf den Spuren ihrer Jugend- und Bezirksschulzeit in Seengen wandelnd, eine auf traumatischen Ereignissen basierende Handlung der Gegenwart mit Einflüssen aus einem früheren Jahrhundert.

Lustvoll wechselt die Erzählerin von einer grossbürgerlichen Studierstube in Bern zu einer mit Humor beschriebenen Hochzeitsnacht auf Schloss Hallwyl. Wie von Zauberhand wird der Zuhörer von einer Begegnung im Intercity-Zug (oder einem Zusammentreffen im Regionalbus nach Seengen) in die Geschichte um die mysteriöse Frau in Rot hineingezogen und man spürt, dass sich alles Stein auf Stein zu einem farbigen Mosaik fügt.

Lyrik ein zu enges Korsett

Auf ihre schriftstellerische Tätigkeit angesprochen, erzählte Margot S. Baumann, dass sie sich früher mit dem akribischen Versmass von Lyrik beschäftigt habe. Mehr und mehr habe sie sich in ein enges Korsett hineingezwungen gefühlt. Nun biete ihr das Verfassen eines Romans deutlich mehr Spielraum, den sie bei ihrem Debüt auch ausnützt.

Auslöser des aktuellen Buches sei ein mit «Unbekannt» betiteltes Bild auf Schloss Hallwyl gewesen. Die porträtierte Frau habe sie nicht losgelassen und schliesslich zu der auf Fiktion und Wahrheit basierenden, zwischen Vergangenheit und Gegenwart spielenden, mysteriösen Geschichte geführt.

Wen wundert es, dass sich die erfreulich vielen Zuhörer nach der mit Humor vorgetragenen Lesung ins Schloss begaben, um zu sehen, ob das Bild der «sagenhaften» Unbekannten nach wie vor in einem der Räume zu finden ist. Ein Rundgang in kühler Umgebung war nämlich in der entspannten Lesung inbegriffen.

«Die Frau in Rot», von Margot S. Baumann, 480 Seiten, Knaur Taschenbuch-Verlag, im Buchhandel, etwa 15 Franken.