KV-Ausbildung
Müssen Lenzburger KV-Schüler bald nach Aarau?

Der drittgrössten KV-Schule im Kanton Aargau droht das Aus: Man will Berufsfachschulen besser auslasten und baut dafür auf Kompetenzzentren. Kommt nicht infrage, heisst es in Lenzburg.

Ruth Steiner
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Das Hünerwadelhaus, in dem die KV-Schule untergebracht ist, wurde erst kürzlich für rund 4,4 Mio. Franken saniert und den Bedürfnissen des Schulbetriebs angepasst.

Das Hünerwadelhaus, in dem die KV-Schule untergebracht ist, wurde erst kürzlich für rund 4,4 Mio. Franken saniert und den Bedürfnissen des Schulbetriebs angepasst.

zvg

Sie sei aus allen Wolken gefallen, als der Regierungsrat vergangene Woche eröffnete, dass der KV-Standort Lenzburg Reinach geschlossen werden soll, sagt Kathrin Scholl.

Mit diesem radikalen Schritt hatte die Präsidentin des Schulvorstands des KV Lenzburg Reinach nicht gerechnet. Verstehen tut sie das Verdikt auch heute noch nicht. Akzeptieren will sie den Entscheid aus Aarau ebenso wenig.

Was genau steckt hinter der regierungsrätlichen Absicht? Man will Berufsfachschulen besser auslasten und baut dafür auf Kompetenzzentren. Beim Prozess sollen dabei die Interessen der Region berücksichtigt werden, schreibt der Regierungsrat in seiner Mitteilung.

Hier hakt Kathrin Scholl ein. «Genau in diesen drei wichtigen Punkten werden die Vorgaben beziehungsweise Grundvoraussetzungen des Kantons vom KV Lenzburg erfüllt.»

Konkret geht es um folgende Kriterien:

  • 1. Verlangte Auslastung von mindestens 400 Schülerinnen und Schülern am Standort. Dazu Scholl: «In der Grundausbildung und der Erwachsenen-Berufsmatura haben wir 470 Personen an der Schule. Die Räume sind zu 90 Prozent ausgelastet.»
  • 2. Förderung von Kompetenzzentren. Scholl widerlegt die regierungsrätliche Auslegung und sagt: «Lenzburg ist die drittgrösste KV-Schule und das einzige Kompetenzzentrum im Kanton, welches die Berufsmatura für Erwachsene anbietet.»
  • 3. Berücksichtigung der Interessen der Region. Auch in diesem Punkt entkräftet Scholl die Ansicht des Regierungsrates. «Im Grossraum Lenzburg wird in vielen Betrieben die kaufmännische Ausbildung angeboten.» Hier, nahe zu einer vielfältigen KMU-Landschaft, seien kaufmännische und auch gewerblich-industrielle Berufsschulen entstanden und gewachsen. In den Schulvorständen sitzen Vertreter aus den KMU-Betrieben, welche die Bedürfnisse aus der Praxis laufend in die theoretische Arbeit einbringen. Werde nun dieses gut funktionierende System aufgegeben und die Schüler auf entferntere Schulstandorte verteilt, gehe der wichtige Bezug zum regionalen Gewerbe verloren, befürchtet Kathrin Scholl.

Entscheid wird bekämpft

Der Kanton schickt drei Varianten für sein neues Standortkonzept, das auf das Schuljahr 2017/18 umgesetzt werden soll, in die Vernehmlassung. Bei zwei dieser Vorschläge ist das KV Lenzburg gekappt. Gesetzt sind einzig Aarau und Baden. Und wie steht es mit Reinach, welches zum Kompetenzzentrum Lenzburg Reinach gehört? Dazu sagt Scholl «Die Standortfrage Reinach wird im Schulvorstand bereits seit einiger Zeit diskutiert.»

Bis Ende September haben die Parteien Zeit, um auf die Vorschläge aus Aarau zu reagieren. Der Schulvorstand wird sich noch in dieser Woche treffen. Klar ist, dass der Entscheid nicht einfach so hingenommen wird. Man will sich mit den andern betroffenen Standorten austauschen. Auch das Gewerbe will die Schulvorstandspräsidentin ins Boot holen. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», sagt Scholl.

«Der Schulstandort Lenzburg ist gut aufgestellt und hat beim letzten Qualitätscheck Topresultate erzielt. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb Lenzburg nun das Opfer bringen soll.»

Man habe den Bericht in Lenzburg mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis genommen, sagt Stadtammann Daniel Mosimann. «Die Kompetenzen, die man aufgebaut hat, werden so aufs Spiel gesetzt.»