Aargauer Schlösser
Museum Aargau: Immer ein volles Haus ist bei Events nicht oberstes Ziel

Das Museum Aargau will möglichst vielen Besuchern möglichst viel bieten. Nischenveranstaltungen sind dabei nicht immer gut besucht. Das nimmt man bewusst in Kauf: «Quantität und Qualität darf man nicht aufrechnen», sagt Direktor Jörn Wagenbach.

Andreas Fahrländer
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Wie vor hundert Jahren: Zeitreise in die Belle Époque auf Schloss Wildegg.

Wie vor hundert Jahren: Zeitreise in die Belle Époque auf Schloss Wildegg.

Jörn Wagenbach

Im Barockgarten gab es Champagner und Häppchen, das Kurorchester spielte auf, vornehme Kurgäste aus aller Welt wandelten durch das Schloss und den Garten. Das Museum Aargau schickte kürzlich auf Schloss Wildegg neugierige Besucher auf Zeitreise in die Belle Époque. Das Programm bot zahlreiche Vergnügungen – vom Kneippbaden über Benimmkurse bis zur Prämierung des besten Kostüms. Die Besucher konnten erleben, dass Wellness auch vor hundert Jahren schon ein wichtiges Thema war – allerdings nur für eine vermögende Oberschicht. Der grosse Besucheransturm blieb jedoch aus. Der aufwendig inszenierte Anlass war nicht besonders gut besucht. War die Veranstaltung zu abgehoben?

Edith von Arx, Marketingleiterin beim Museum Aargau, sieht verschiedene Ursachen für das mangelnde Interesse: «Wir haben uns Gedanken gemacht, was die Gründe waren. Es waren mit Sicherheit unterschiedliche Faktoren.» Einerseits sei das Thema nicht massentauglich, sondern spreche eine relativ kleine Zielgruppe an. «Andererseits spielt bei solchen Anlässen immer auch das Wetter eine Rolle», sagt von Arx. An besagtem Wochenende war der Samstag sehr schön, der Sonntag war völlig verregnet.

Für ein breites Publikum

Ein dritter Faktor seien Konkurrenzveranstaltungen. Gleichzeitig fand das Römerfest in Augusta Raurica statt, in Payerne wurde das Jubiläum der Luftwaffe gefeiert. Beide Anlässe zogen sehr viele Besucher an. Edith von Arx bedauert das geringe Interesse: «Es ist schade, aber erklärbar, dass nicht mehr Besucher auf die Wildegg gekommen sind.»

Jörn Wagenbach (48), Direktor Museum Aargau «Ich bin seit 18 Jahren in der Schweiz und spüre eine grosse Offenheit gegenüber den Deutschen. Von Ambivalenz keine Spur – ausser als Selbstironie oder Spassthema. In meiner Führungsaufgabe fühle ich mich bestärkt. Vielleicht auch, weil ich die Aargauer Kultur entsprechend würdige.»

Jörn Wagenbach (48), Direktor Museum Aargau «Ich bin seit 18 Jahren in der Schweiz und spüre eine grosse Offenheit gegenüber den Deutschen. Von Ambivalenz keine Spur – ausser als Selbstironie oder Spassthema. In meiner Führungsaufgabe fühle ich mich bestärkt. Vielleicht auch, weil ich die Aargauer Kultur entsprechend würdige.»

ZVG

Auch Jörn Wagenbach, Direktor des Museum Aargau, hätte sich über mehr Besucher gefreut. Für ihn war der Anlass trotzdem ein Erfolg: «Wir wollen möglichst vielen Besucherinnen und Besuchern möglichst viel bieten.» Da sei es wichtig, auch einmal ein Nischenthema zu wählen. «Unterschiedliche Veranstaltungen ziehen eine unterschiedliche Anzahl Besucher und unterschiedliche Kreise an», sagt Wagenbach. «Quantität und Qualität sollte man hier nicht aufrechnen. Wir haben Veranstaltungen, die sehr gut besucht sind – etwa den Setzlingsmarkt auf der Wildegg oder den Mittelaltermarkt auf der Lenzburg im September mit jeweils Tausenden Gästen. Daneben müssen auch kleinere Anlässe Platz haben.»

Eintauchen in die Geschichte

Das sogenannte Re-enactment, die Nachstellung von historischen Szenen mit authentischen Kostümen, ist für das Museum Aargau ein bewährtes Konzept. So können Besucher richtiggehend in eine andere Zeit eintauchen. «Mittelalterliche Ritter sind dabei eindeutig populärer, als Szenen, die noch gar nicht so lange her sind. Vielleicht ist uns die Zeit der Belle Époque noch zu nah», meint Jörn Wagenbach. «Wir erlauben uns aber, neue Dinge auszuprobieren, und schauen dann, was gut ankommt und was weniger.» Schloss Wildegg repräsentiert innerhalb des Museum Aargau die Barockzeit, hat aber eine lange Baugeschichte, die bis ins 20. Jahrhundert reicht. «Wir haben schon überlegt, einen jährlichen Thementag zur Belle Époque zu organisieren», sagt Edith von Arx. «Mit der Villa von Julie von Effinger haben wir auf Schloss Wildegg ein echtes Juwel aus dieser Zeit.»

Diejenigen Besucher, die die Zeitreise in die Belle Époque gewagt haben, waren jedenfalls begeistert. Und mit einer Viertelmillion Besucher pro Jahr muss sich das Museum Aargau ohnehin vor niemandem verstecken.