Müllerhaus Lenzburg
Mit sechs Jahren bekam sie den ersten Webrahmen: Othmarsingerin stellt mit Verein Textil-Ausstellung auf die Beine

Im Müllerhaus Lenzburg präsentieren 13 Handweberinnen des Vereins «Weben im Aargau» ihre Werke. Dabei dreht sich alles um das Thema Transparenz. Mit an Bord ist auch die aus Othmarsingen stammende Simone Hunziker.

Larissa Gassmann
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Rot für das Leben, Grau für den Nebel: Simone Hunziker, Mitglied des Vereins «Weben im Aargau», präsentiert ihr Werk.

Rot für das Leben, Grau für den Nebel: Simone Hunziker, Mitglied des Vereins «Weben im Aargau», präsentiert ihr Werk.

Larissa Gassmann

Transparenz gilt als hohe Tugend, wird immer wieder eingefordert und von allen Seiten gerne gesehen. Doch wann ist sie angebracht? Wann ist es zu viel Transparenz, wann zu wenig? Und wie wird sie überhaupt erreicht? All diesen und weiteren Fragen haben sich 13 Handweberinnen des Vereins «Weben im Aargau» gestellt. In der Ausstellung «Transparenz – Textile Durchblicke» zeigen sie vom 20. bis 29. August ihre Interpretationen des Themas.

Transparent kann so eine gewebte Tasche sein, die über ein Sichtfenster verfügt. Ein Würfel ohne Wände, in dem Stoffstreifen hängen. Oder kleine und mit Lichtern gefüllte Dreiecke, die an Eisberge erinnern. So hat auch Simone Hunziker aus Othmarsingen eine ganz eigene Vorstellung davon. «Transparenz ist für mich eine Frage der Sichtweise», sagt sie. Je nachdem von welcher Seite man ihr aus Stoffbahnen bestehendes Werk anschaut, hat man mehr oder weniger Transparenz. Sobald sich das Kunstwerk dann auch noch dreht, sieht man von der grössten Stoffbahn je nachdem alles oder eben nichts.

«Ich habe schon immer gewusst, dass dies meine Art ist, mich auszudrücken»

Mitglied des Vereins ist die 54-Jährige seit etwa vier Jahren. «Mir ging es dabei um die Vernetzung. Zuvor hat mir der Austausch gefehlt, zu sehen, was andere machen und welche Ideen sie haben», sagt Hunziker. So werden durch den Verein regelmässig Workshops und gemeinsame kulturelle Ausflüge organisiert. Die Liebe zur Weberei wurde derweil bei Hunziker schon früh geweckt. «Meinen ersten Webrahmen habe ich mit sechs Jahren von meiner Grossmutter erhalten», so Hunziker. Viel am Handwerk verändert habe sich seither nicht. Dies sei zugleich das faszinierende, sei das Weben doch eines der ältesten Kulturhandwerke.

Für die Bäuerin und Projektleiterin im Bereich Landwirtschaft ist Ganze aber ein Hobby, alleine davon leben könne man kaum. Nur einige unter den Frauen hätten daher eine Lehre als Gewebegestalterin absolviert. Trotz ihrer Leidenschaft hat Hunziker ihre Webausbildung somit erst vor kurzem abgeschlossen. «Irgendwann wollte ich das Ganze ausleben», sagt sie. Denn: «Ich habe schon immer gewusst, dass dies meine Art ist, mich auszudrücken»

Von Islands Lichtern inspiriert: Ursula Vergés zeigt kleine Dreiecke, die an Eisberge erinnern sollen.
8 Bilder
Ein aussergewöhnliches Markenzeichen: Käthy Borer-Gut wagte sich an das Weben und Spinnen von Papier.
Elsa C. Real setzt auf bunte Baumwolle, Wolle und Acetatfolie.
Eine Gruppenarbeit: Von verschiedenen Teilnehmerinnen erstellte Würfel sollen die Räume im Müllerhaus zieren.
Mitglied des Vereins ist Hunziker seit etwa vier Jahren. «Mir ging es dabei um die Vernetzung.»
Susanna Weber-Marschall zeigt zwei ihrer Taschen.
Kunstwerke, die gebraucht werden dürfen: Waschlappen und Seifenschutz.
Simone Hunziker arbeitete über ein Jahr lang an ihrem Werk.

Von Islands Lichtern inspiriert: Ursula Vergés zeigt kleine Dreiecke, die an Eisberge erinnern sollen.

Larissa Gassmann

Investiert hat Hunziker in die Erstellung der drei Stoffbahnen einiges. Die Planung startete bereits vor einem Jahr. Seither wurden Versuche gestartet und Materialien ausgetestet. «Gelandet bin ich letztendlich wieder bei der guten alten Baumwolle», sagt Hunziker. Mit PET oder anderen synthetischen und ungewohnten Materialien zu arbeiten, wie es viele Vereinsmitglieder taten, das sei nicht so ihr Ding.

«Ich hantiere am liebsten mit Naturmaterialien und bin nicht so experimentierfreudig», sagt Hunziker. Das Planen der Arbeit sei so zwar der spannendere Teil, je nachdem aber sei die Umsetzung der eigenen Vorstellungen eine Herausforderung. Oftmals sähen die Dinge nicht so aus, wie man sie sich vorgestellt hat. Das Weben selbst ging ihr wiederum leicht von der Hand. Denn: «Es ist für mich wie ein Dessert.»

Rot steht für das Leben, Grau für den Nebel, der alles verdecken kann

Gleichzeitig hatte Hunziker eher zu viele als zu wenige Ideen. Auch bei der Farbwahl hat sie sich einiges überlegt. Das Rot der grössten Stoffbahn steht für Hunziker so für die Essenz des Lebens. Durch die immer heller werdenden Farbtöne soll das Licht dargestellt werden. Die grauen Streifen symbolisieren derweil den Nebel, der verdecken könne, was das Leben überhaupt ausmache.

Bereits schon vor ein paar Jahren durfte der Verein Arbeiten zum Thema Aare präsentieren. Nun sei das Verlangen nach einer erneuten Ausstellung gross gewesen. Was die Zuschauer nun erwartet? «Verschiedene Einblicke und Sichtweisen, was zum Nachdenken anregen kann. Dazu kommen die schönen Farben, Materialien und die grosse Vielfalt», sagt Hunziker.

Doch obwohl jeder seine ganz eigene Vorstellungen von Transparenz hat und kein Werk dem anderen gleicht, hätte man alles immer miteinander entschieden, es sei eine richtige Gruppenausstellung. «Gerade weil man am Webstuhl für sich ist, ist dies ein umso schöneres Gefühl», sagt Hunziker.

Hinweis

«Transparenz - Textile Durchblicke», 20. - 29. August im Müllerhaus Lenzburg. Arbeiten von: Käthy Borer-Gut, Irene Brühwiler, Maja Brunold, Simone Hunziker, Gaby Itin, Elsa Cornelia Real, Marlis Renold, Judith Stalder, Isabel Thoma, Gina Tonet, Ursula Vergés, Susanna Weber, Beatrix Wyser. Mithilfe: Silvano Bergamasco, Marianna Gostner. Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier

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