Möriken-Wildegg
Möriken-Wildegg räumt Kindern und Jugendlichen mehr Mitspracherecht ein

Die Gemeinde bewirbt sich für eine kinderfreundliche Auszeichnung der Unicef. Dadurch können Kinder und Jugendliche bei Projekten mehr mitreden können. Nach zwei Jahren soll das Dorf den Titel «Kinderfreundliche Gemeinde» tragen.

Barbara Vogt
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Kinder sollen sich in einer Gemeinde wohlfühlen und mitreden, dies ist das Ziel des Unicef-Labels. zvg

Kinder sollen sich in einer Gemeinde wohlfühlen und mitreden, dies ist das Ziel des Unicef-Labels. zvg

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«Unser Dorf ist bereits heute kinderfreundlich», sagt Gemeindeammann Hans-Jürg Reinhart. Durch die Zertifizierung werde das Dorf aber noch attraktiver und familienfreundlicher, meint Reinhart. «Heute verfügen wir über Schwimmbad, Kinderbetreuung, Freizeitwerkstatt.» Stolz ist er auf den Jugendtreff Choo und die preisgekrönte Bibliothek.

Im Legislaturprogramm 2010 bis 2013 des Gemeinderates ist die Überprüfung des Labels im Bereich der Gesellschaftlichen Zusammenarbeit aufgeführt. Der Kanton steht ebenfalls hinter dem Projekt: Er will die Kinderfreundlichkeit im Aargau verbessern und unterstützt Gemeinden, die sich für das Unicef-Label bewerben, finanziell (nebenstehender Text). Möriken-Wildegg erhält deshalb einen Beitrag an die Kosten des Zertifizierungsprozesses. Bildungsdirektor Alex Hürzeler habe das Projekt an einem Infoabend persönlich vorgestellt, sagt Reinhart.

Noch keine Auszeichnung im Aargau

2009 erhielt das luzernische Wauwil als erste Gemeinde in der Schweiz das Unicef-Label «kinderfreundliche Gemeinde». Inzwischen haben elf Gemeinden die Auszeichnung, jedoch keine aus dem Aargau. Laut Irène Richner, Kommunikationsleiterin des Departements Bildung, Kultur und Sport, bewerben sich im Kanton nun mehrere Orte für die Auszeichnung: Baden, Fislisbach, Möriken-Wildegg, Unterkulm, Wettingen und Zetzwil. Weitere Gemeinden wie Aarau haben ihr Interesse bekundet. Der Kanton fördert die Unicef-Aktion, Anfang Jahr fand in Aarau eine Kick-off-Veranstaltung mit 42 interessierten Gemeinden statt. Am 20. November lädt der Kanton zu einem weiteren Informationsabend in Windisch ein. «Kinderfreundliche Gemeinde» wird durch den Swisslos-Fonds des Kantons Aargau unterstützt: Entscheidet sich eine Gemeinde für eine Teilnahme, wird sie zwischen 2013 und 2016 zu 50 Prozent am Zertifizierungsprozess unterstützt. Der Labelerhalt beläuft sich insgesamt auf 10 000 Franken. (bA)

Es braucht mehr als ein Spielplatz

Reicht ein grosser Spielplatz, schöne Freizeitparks, damit die Gemeinde Möriken-Wildegg gelabelt wird? Nein, sagt Fleur Jaccard, Leiterin der Abteilung Kinderrechte von Unicef Schweiz. «Es handelt sich um ein Prozesslabel, bei dem Kinder aktiv miteinbezogen werden.» Es gehe nicht darum, dass sie bloss Wunschlisten erstellen, sondern ein Mitspracherecht bei der Realisierung von Projekten wie Spielplätzen oder Verkehrssicherheit haben.»

Gemeinden sollen die Sichtweisen von Kindern und Jugendlichen kennen, mit ihnen gemeinsame Lösungen diskutieren und verhandeln, sagt Fleur Jaccard. Dadurch würden Gemeindevertreter ihre Sichtweisen und Bedürfnisse besser verstehen. Auch der Gemeinderat Möriken-Wildegg fördert das Mitspracherecht der jungen Bewohner, «Unsere Kinder sollen künftig bei Projekten mehr mitreden können, sagt Reinhart.

Fragebogen bei der Unicef

Bis Möriken-Wildegg die Auszeichnung «kinderfreundlich» erhält, dauert es noch eine Weile. Laut Fleur Jaccard muss sie dafür mehrere Phasen durchlaufen. Die Gemeinde befindet sich in der ersten Phase, der Standortbestimmung.

Im Frühjahr setzte sie sich mittels Fragebogen intensiv mit der Kinderfreundlichkeit in der Gemeinde auseinander: Wie die Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche aussehen, wie Angebote koordiniert und evaluiert werden, wie es um das Freizeitangebot steht oder welche Präventionsprojekte es im Bereich Kinder- und Jugendschutz gibt. Der Fragebogen wird momentan von der Unicef ausgewertet.

Ideen und Projekte sind vorhanden

Später plant die Gemeinde eine Zukunftswerkstatt für Kinder und Jugendliche. Die daraus hervorgehenden Bedürfnisse und Befindlichkeiten fliessen in einen Aktionsplan für vier Jahre ein. Möriken-Wildegg hofft, bis spätestens 2017 mit dem Label «Kinderfreundliche Gemeinde» ausgezeichnet zu werden.» Im Schnitt benötige eine Gemeinde zwei Jahre für die Auszeichnung, sagt die Unicef-Verantwortliche.

Bedürfnisse sind in der Gemeinde Möriken-Wildegg bereits vorhanden: Die Kindertagesstätte Zauberburg etwa wünscht sich finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde. «Bis jetzt zahlen wir alles aus dem eigenen Geldbeutel», sagt Kita-Leiterin Susanne Pielli. Auch der Gemeindeammann sieht Verbesserungsbedarf für Kinder und Jugendliche, ein Beispiel: «Der Kinderbereich in unserer Badi soll attraktiver werden.»