Vierfachmord
Mordprozess Rupperswil: So viele Leute wollten dabei sein – doch nur 13 Prozent dürfen

Nächste Woche beginnt die Gerichtsverhandlung zum Vierfachmord in Rupperswil. Aus Platzgründen wird der Prozess aber nicht im Bezirksgericht Lenzburg, sondern im Gebäude der Mobilen Polizei in Schafisheim durchgeführt. Jetzt ist bekannt, wie viele Leute live dabei sein wollten.

Merken
Drucken
Teilen
So sieht es im provisorischen Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus.
8 Bilder
So sieht es im Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus
Auf einem diesen drei Stühle wird der Angeklagte sitzen. Der Gerichtssaal zum Mordfall Rupperswil bei der Mobilen Einsatzpolizei der Kantonspolizei Aargau im Kommando in Schafisheim. Aufgenommen am 7. März 2018. Im Bild: Die Seite der Angeklagten. Auf einer diesen drei Stühlen wird der Angeklagte sitzen.
So sieht es im provisorischen Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus.
Auf einem diesen drei Stühle wird der Angeklagte sitzen.
So sieht es im provisorischen Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus.
So sieht es im provisorischen Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus.
So sieht es im provisorischen Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus. Der zum Mordfall Rupperswil bei der Mobilen Einsatzpolizei der Kantonspolizei Aargau im Kommando in Schafisheim. Aufgenommen am 7. März 2018.

So sieht es im provisorischen Gerichtssaal bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim aus.

Chris Iseli

Am Dienstag, 13. März 2018 beginnt die Gerichtsverhandlung zum Vierfachmord in Rupperswil. Weil das Bezirksgericht Lenzburg zu klein ist, wird der Prozess im Gebäude der Mobilen Polizei in Schafisheim durchgeführt. Zugelassen werden 65 Journalisten und 35 Zuschauer.

Nun wird bekannt, wie viele Privatpersonen sich angemeldet hatten: 270 Leute wollten die Verhandlung live verfolgen, wie Gerichtssprecherin Nicole Payllier sagt. Darunter waren viele Jus-Studenten.

Vierfachmord Rupperswil – die Bilder zum Fall:

Der mutmassliche Täter Thomas N. und das Mordhaus in Rupperswil (Fotomontage)
34 Bilder
Thomas N. wurde im Gefängnis Pöschwies in Regensdorf ZH inhaftiert. Hier wartet er seither auf den Prozess.
21. Dezember 2015: An diesem Tag kommt es in diesem Haus zum Vierfachmord.
Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in diesem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.
Beim Einsatz finden Feuerwehrleute vier verkohlte Leichen im Haus.
Schnell ist klar: Es handelt sich um ein Verbrechen. Die Opfer waren gefesselt und wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf.
Eine Forensikerin auf dem Weg zum Tatort im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier.
Die Ermittler sichern Spuren im und um das Haus.
Kapo-Medienchef Roland Pfister informiert die Medien über die vier gefundenen Leichen im Wohnhaus.
23. Dezember 2015: Zwei Tage nach der Bluttat sind die Opfer identifiziert: Es handelt sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona (†21).
Mit Flugblättern sucht die Polizei bald in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit den vier Personen machen können.
Auf dem Flugblatt ist auch dieses Bild von Carla Schauer (†48) zu sehen, aufgenommen von einer Überwachungskamera: Sie hebt Geld an einem Bankschalter in Wildegg ab. Es sind zirka 9000 Franken.
Später veröffentlicht die Polizei auch dieses Bild: Carla Schauer hebt knapp 20 Minuten nach dem ersten Geldbezug in Wildegg an einem Geldautomaten in Rupperswil 1000 Euro ab.
Trauerbekundungen beim Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, wo die vier getöteten Personen gefunden wurden.
Die Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil reissen auch über die Feiertage nicht ab.
Für die Ermittler bedeutet der Fall Knochenarbeit: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt.
Rund 500 Personen wohnten dem Trauer-Gottesdienst bei. Wegen des grossen Andrangs mussten rund 200 Gäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen.
Der Schock über die schreckliche Tat sitzt tief: Trauernde geben sich Halt
21. Januar 2016: Die Aargauer Staatsanwaltschaft gelangt an die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst". Im April wird der Mordfall von Rupperswil in München aufgezeichnet.
18. Februar 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.
An dieser Pressekonferenz setzen die Behörden eine Belohnung von bis zu 100'000 Franken für Hinweise auf die Täterschaft aus.
Aus der Bevölkerung gehen hunderte Hinweise ein – keiner führt die Polizei auf die richtige Spur. Um den Vierfachmord von Rupperswil aufzuklären, haben die Aargauer Untersuchungsbehörden einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor.
13. Mai 2016: Fast fünf Monate nach dem Tötungsdelikt laden Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig zu einer zweiten grossen Pressekonferenz ein.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht enthüllt: Der Täter ist gefasst! Es handelt sich um einen 33-Jährigen aus Rupperswil, der nicht vorbestraft ist.
Der mutmassliche Mörder von Rupperswil: Thomas N. war jahrelang Fussball-Trainer und betreute C-Junioren.
Seine Fussballkollegen beschreiben ihn als Einzelgänger und guten Trainer.
In diesem Haus in Rupperswil – nur wenige Meter vom Haus der Familie Schauer entfernt – wohnte Thomas N.
Diesen Rucksack mit Tatutensilien für den nächsten Mord hat die Polizei im Haus von Thomas N. sichergestellt.
Die Haustür des Gebäudes wurde von der Polizei – nach einer Hausdurchsuchung – amtlich versiegelt.
Wenige Tage nach der Ergreifung des Täters wird bekannt: Die Rechtsanwältin Renate Senn wird den Mörder von Rupperswil vor Gericht vertreten.
21. Dezember 2016: Ein Jahr nach der Tat gab es in Rupperswil keine Gedenkfeier. Ammann Ruedi Hediger: «Die Wunden «sind am Verheilen.»
7. September 2017: Staatsanwältin Barbara Loppacher von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhebt Anklage.
13. März 2018: In diesem Saal in Schafisheim soll die Verhandlung stattfinden.

Der mutmassliche Täter Thomas N. und das Mordhaus in Rupperswil (Fotomontage)

Fotos: HO und Sandra Ardizzone / Montage: az

Bei der Wahl der 13 Prozent, die zugelassen werden, habe das Gericht auf die Reihenfolge der Anmeldungen sowie auf eine gesellschaftliche Durchmischung geachtet. Alle Personalien wurden zudem polizeilich überprüft, zum Beispiel auf Einträge im Strafregister.

Das Gericht erwog, die Verhandlung per Video in einen Saal zu übertragen. Die Idee wurde aber verworfen, weil gemäss Payllier der Sicherheitsaufwand zu gross gewesen wäre. Es hätten zusätzliche Polizisten aufgeboten werden müssen, die kontrollieren, dass niemand Bild- oder Tonaufnahmen macht. Die Sicherheitsvorkehrungen sind bereits jetzt hoch. Eine Gefahr ist, dass sich Leute am Täter persönlich rächen könnten.

Protagonisten im Prozess Vierfachmord Rupperswil
6 Bilder
Thomas N.
Barbara Loppacher.
Renate Senn.
Opferanwalt: Markus Leimbacher.
Gutachter: Josef Sachs.

Protagonisten im Prozess Vierfachmord Rupperswil

HO

Nun ist zur öffentlichen Verhandlung nur ein kleiner Teil der interessierten Öffentlichkeit zugelassen. Von den abgewiesenen Interessierten legte aber niemand Beschwerde ein, dass der Öffentlichkeitsgrundsatz nicht eingehalten werde.

Die Öffentlichkeit wird vor allem durch die Medien hergestellt. Mehrere Fernsehstationen werden mit Übertragungswagen vor Ort sein. Sogar ein Team von RTL wird am Dienstag nach Schafisheim reisen. (mau)