Rupperswil
Möglicher Wegzug der Oberstufe wird kritisiert

Gemeinderat und Schulpflege informierten über die Perspektiven der Kreisschule Lotten. Durch die Verkürzung der Oberstufe, könnte die Kreisschule Lotten geschlossen werden.

Markus Christen
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Kritik

Kritik

Wie soll man handeln, wenn Änderungen angekündigt werden, von denen man nicht weiss, ob sie umgesetzt werden? Vor diesem Problem steht die Kreisschule Lotten. Abwarten und Tee trinken ist keine Option.

Denn sollten die Änderungen, im konkreten Fall der vom Regierungsrat 2009 gefällte Grundsatzentscheid «zur Stärkung der Volksschule Aargau» (die az Aargauer Zeitung berichtete), in zwei Jahren vom Volk befürwortet werden, muss die Kreisschule eigentlich schon reagiert haben.

Mit einem positiven Volksentscheid kommt es im Aargau zu einem Systemwechsel. Die Primarschule dauert dann sechs Jahre. Die Oberstufe besuchen die Schüler noch für drei Jahre. Momentan sind die Sekundarstufe und die Realstufe auf die drei Standort- und Kreisschulgemeinden Hunzenschwil, Rupperswil und Schafisheim verteilt.

Informationsveranstaltungen

In Schafisheim findet am Montag, 25. Oktober, um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle ein Informationsabend statt. In Hunzenschwil wird am Dienstag, 26. Oktober, ebenfalls um 19.30 Uhr in der alten Turnhalle informiert und diskutiert.

Da aber mit dem erwähnten Systemwechsel nur noch 15 Oberstufen-Abteilungen gebildet werden können, kommt der Status quo nicht infrage. Deshalb haben die Gemeinden die Firma Metron beauftragt, eine Perspektiven-Evaluierung durchzuführen.

Am Mittwoch wurde diese der Bevölkerung von Rupperswil vorgestellt. «Schulpolitik ist ein emotionales Thema», sagte Gemeindeammann Rudolf Hediger vor knapp 100 Zuhörern in der Sporthalle Rupperswil, «darum wollten wir eine nüchterne Analyse vorlegen.»

Die Firma Metron hat sich insbesondere mit zwei Varianten auseinandergesetzt: Die Kreisschule Lotten bleibt erhalten und das Oberstufenangebot wird auf einen oder zwei Standorte beschränkt oder die Oberstufe wird an externe Gemeinden ausgelagert.

Publikum stellte kritische Fragen

Für die Evaluation waren unter anderem der Raumbedarf und das Arealpotenzial in den einzelnen Gemeinden ausschlaggebende Faktoren. Ruedi Stauffer und Renate Haueter von der Firma Metron zogen am Mittwochabend die Bilanz, dass die Gemeinde Rupperswil kaum die Voraussetzungen erfüllt, um weiterhin als Standort für die Oberstufe infrage zu kommen, da schlicht zu wenig Bauland in der näheren Umgebung des Schulzentrums für neue Schulräume zur Verfügung steht.

Diese Analyse wurde während der Diskussionsrunde mit kritischen Wortmeldungen aus dem Publikum konfrontiert. Der Tenor war einstimmig und eindeutig. Es sei nicht einzusehen, warum gerade die Gemeinde Rupperswil, die von den drei Kreisschulgemeinden in den nächsten Jahren mit dem grössten Bevölkerungswachstum rechnen kann, alle Schulkinder in andere Gemeinden zur Schule schicken soll.

Darauf erwähnte Gemeindeammann Hediger, dass auch heute nur rund ein Viertel aller Rupperswiler Schüler auch in Rupperswil die Oberstufe besuchen würden.

Auf die Frage, wieso man nicht die Grünfläche beim Schützenhaus mit Schulräumen bebauen könnte, machte Hediger darauf aufmerksam, dass der Gemeinderat einhellig der Meinung sei, dass dieses Land in der Landwirtschaftszone liege und nicht eingezont werden sollte.

Die einzige freie Fläche, der Stapfenacker in der Nähe des Schulhauses, ist zudem als Mehrzweckfläche für Veranstaltungen, den Fussballclub und den Kinderspielplatz von grosser Bedeutung.

Ein grosser Entscheid steht bevor

Der Gemeinderat ist daran interessiert, die Stimmung der Bevölkerung auf- und die unterschiedlichen Meinungen ernst zu nehmen. Deshalb verschickt man nach dem Informationsabend einen Fragebogen an alle Haushalte in Rupperswil. Gleichzeitig werden mit der Gemeinde Möriken-Wildegg Gespräche über eine Eingliederung der Oberstufenschüler in die Schule Hellmatt geführt.

Auch ist nicht klar, wie sich die beiden anderen Kreisschulgemeinden Hunzenschwil und Schafisheim positionieren werden. Eine Oberstufe als Bestandteil der Kreisschule Lotten ist nur realisierbar, wenn alle drei Gemeinden mitmachen.

Sicher ist, auch wenn Ruedi Stauffer und Renate Haueter mit ihrer Vermutung recht behalten, dass bei einer positiven Abstimmung «zur Stärkung der Volksschule Aargau» eine Änderung der Oberstufendauer erst im Schuljahr 2014/15 realisiert werden kann, drängt die Zeit und Entscheidungen müssen vorbereitet werden. Gefällt werden sie voraussichtlich an der Gemeindeversammlung im Juni 2011.