Möriken-Wildegg
Zwei neue Kandidaten, zwei verschiedene Wahlkämpfe

André Schärer (Die Mitte) und Stefan Säuberli (parteilos) wollen neu in den Gemeinderat von Möriken-Wildegg. Obwohl sie gewisse Ähnlichkeiten haben, gestalten sie ihren Wahlkampf ganz unterschiedlich: Einmal klassisch, einmal kreativ.

Valérie Jost
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Stefan Säuberli (parteilos) will mit seinem QR-Code-Plakat indirekten Wahlkampf machen.

Stefan Säuberli (parteilos) will mit seinem QR-Code-Plakat indirekten Wahlkampf machen.

zvg

Sechs Kandidaturen für fünf Sitze: In Möriken-Wildegg gibt es bei den Gesamterneuerungswahlen vom 26. September Kampfwahlen. Josef Niederberger (Die Mitte) tritt nicht mehr an, die restlichen vier Bisherigen schon: Frau Ammann Jeanine Glarner (FDP), Vizeammann Markus Eichenberger (SP) sowie die Gemeinderäte Beat Fehlmann (SVP) und Brigitte Becker-Steimen (FDP). Ausserdem haben sich zwei Neue aufgestellt, André Schärer (Die Mitte) und Stefan Säuberli (parteilos).

Die beiden neuen Kandidaten sind sich in vielem sehr ähnlich. Beide sind Ortsbürger, dazu auch fast gleich alt (Säuberli ist 47, Schärer 45 Jahre alt). Und sie kommen beide aus der Energiebranche: Schärer, mit Hintergrund als Elektroingenieur und in mehreren Führungspositionen, hat nach einer Weiterbildung in Digitalisierung dieses Jahr in die IT-Branche gewechselt. Säuberli führt im Bereich erneuerbare Energien seine eigene Firma, die Kompressoranlagen für den internationalen Markt herstellt.

Parteilose Kandidatur, aber grünliberal portiert

Der parteilose Säuberli wird von der GLP portiert. Damit setze sie sich «für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde ein», so die Ortspartei. Im Gemeinderat wolle sich Säuberli unter anderem für gute Schulen, die Abkehr von fossilen Energieträgern, die Förderung der Biodiversität und eine Gesellschaft einsetzen, «in der das Übernehmen von Verantwortung selbstverständlich erscheint und Unterschiede nicht diskriminierend, sondern als Chancen wahrgenommen werden».

Säuberli war in der Ortsbürger-Finanzkommission und ist seit 2017 Aktuar der Forst- und Ortsbürgerkommission. Dort leitet er die letztes Jahr gestartete Kampagne gegen Neophyten und war an der Überarbeitung der Betriebspläne für den Forst beteiligt.

Kandidatur für «Die Mitte», aber bürgerlich eingestellt

Schulpfleger André Schärer (Die Mitte) möchte weiter politisieren.

Schulpfleger André Schärer (Die Mitte) möchte weiter politisieren.

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Schärer kandidiert für die Partei Die Mitte, würde sich aber «klar rechts von der politischen Mitte» positionieren: «Bürgerliche Werte und Traditionen sind mir wichtig.» Zudem wolle er den attraktiven Steuerfuss der Gemeinde (momentan 94 %) beibehalten.

Schärer ist Vizepräsident der Kreisschulpflege, die, wie im gesamten Kanton, Ende Jahr aufgelöst wird. Dies sei der Auslöser für seine Kandidatur: «Das Amt ist ein toller Ausgleich neben Beruf und Familie, und ich würde mich gern weiterhin für die Gemeinde engagieren.» Er sähe sich deshalb im Schulressort, wegen seiner Erfahrung aber auch im Bereich Bau oder Finanzen.

In den Wahlkampf mit QR-Codes

Trotz Ähnlichkeiten führen die beiden ihren Wahlkampf unterschiedlich: Schärer setzt klassisch auf Flyer für alle Haushalte und Plakate in der Gemeinde. Säuberli fährt zusätzlich zu Flyern eine ungewöhnliche Schiene: Er hängte QR-Codes auf, die auf eine Umfrageplattform führen. Erst in der dortigen Frage wird Säuberli als Urheber erkennbar: «Fänden Sie es gut, in der Gemeinde auch Wahlplakate von Stefan Säuberli zu sehen?»

Die Idee sei ihm in Gesprächen über die Schärers Plakatkampagne gekommen: «In unserer Gemeinde werden sonst keine Wahlplakate aufgehängt, auch von den Bisherigen nicht. Bevor ich selbst welche aufhänge, wollte ich deshalb eine Umfrage machen.» Bisher sei diese eher träge aufgenommen worden – «aber vielleicht wird in den Beizen darüber geredet, das weiss ich nicht.» Das wäre jedoch sein Ziel: Es solle ein Thema sein, ohne dass er sich verkaufen müsse; deshalb auch das namenlose Plakat, so Säuberli.

Säuberli hängt vielleicht doch noch Plakate auf

Momentan liegen in der Umfrage die Plakat-Befürwortenden mit gut 52 Prozent der Stimmen vorn, sagt er. «Das habe ich nicht erwartet.» Sollte das Ergebnis über die nächsten Tage stabil bleiben, werde er noch Plakate aufhängen.

Zu Säuberlis Kampagne sagt Schärer: «Wir wählten einfach einen anderen Ansatz, meiner ist eher konservativ, seiner kreativ.» Er habe sich für den klassischen Weg entschieden: «Wenn ich mich aufstelle, will ich es richtig machen. Auch für die Leute, die mich nicht kennen.» Ein Foto sei etwa für neu Zugezogene vielleicht ansprechender; ausserdem sei etwa die ältere Generation weniger im Digitalen bewandert.

In Säuberli sieht Schärer jedoch «einen fantastischen Kandidaten»: «Ich kenne ihn gut, er ist genauso fähig wie ich. Sollte er gewählt werden und ich nicht, würde das für mich auch stimmen.» Ausserdem finde er es schön, dass die Bevölkerung überhaupt die Auswahl habe.

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