Möriken-Wildegg
Frisch gewählter Gemeinderat Stefan Säuberli: «Alle Solaranlagen sollen erlaubt sein»

In Möriken-Wildegg ist der «liberal denkende» Stefan Säuberli neuer Gemeinderat. Er vertritt unter anderem GLP-Werte und träumt von einer Trennung von Aufenthaltsräumen und Transportwegen.

Valérie Jost
Drucken
Teilen
Stefan Säuberli (parteilos), Ortsbürger von Möriken-Wildegg, mit seiner indirekten Wahlkampagne: einer Umfrage via QR-Code.

Stefan Säuberli (parteilos), Ortsbürger von Möriken-Wildegg, mit seiner indirekten Wahlkampagne: einer Umfrage via QR-Code.

zvg

Vorgestern kam es zu Kampfwahlen für den Gemeinderat: Vier Bisherige und zwei Neue traten für die fünf Sitze an. Die Bisherigen schafften es alle, bei den Neuen nur Stefan Säuberli (parteilos, von der GLP portiert): 908 Stimmen hatte er gemacht, Kreisschulpflege-Vizepräsident André Schärer (Die Mitte) nur 655. So erreichte Schärer zwar das absolute Mehr von 584 Stimmen ebenfalls, fiel aber als Überzähliger raus. Seine Partei konnte damit ihren bisherigen Sitz (Josef Niederberger kandidierte nicht mehr) nicht halten.

Der frischgewählte Säuberli sieht den Grund für das Ergebnis jedoch nicht in der Parteizugehörigkeit: «Ich denke, es ging eher um die Wirkung der Person auf die Bevölkerung als um die Partei.» Das Resultat genau zu analysieren, sei aber schwierig. Er freue sich nun über seine Wahl: «Ich bin froh, dass ich mich an der Entwicklung der Gemeinde beteiligen darf und bin gespannt auf die neuen Herausforderungen.»

Die Kandidatur des parteilosen 47-Jährigen wurde von der GLP portiert. Das kommt nicht von ungefähr: Im Bereich erneuerbare Energien führt er seine eigene Firma, die Kompressoranlagen für den internationalen Markt herstellt. Dazu war er in der Ortsbürger-Finanzkommission und ist er seit 2017 Aktuar der Forst- und Ortsbürgerkommission. Dort leitet er die letztes Jahr gestartete Kampagne gegen Neophyten und war an der Überarbeitung der Betriebspläne für den Forst beteiligt.

Mit seinem Hintergrund sähe sich Säuberli in Ressorts rund um Gewässer, Forst und Ortsbürger (bisher unter Beat Fehlmann, SVP) oder bei Raumplanung und Verkehr, öffentlicher Sicherheit und Abwasser. Doch wegen des Wahlvorrangs der Bisherigen würde er fast jedes Ressort übernehmen – nur mit den Finanzen wäre er nicht glücklich: «Das ist wirklich nicht so meins.»

Von sozialer Verantwortung und Diskussionskultur

Wie tickt der neue Gemeinderat? Eine seiner Handlungsmaximen ist die soziale Verantwortung. Säuberli zitiert den deutschen Politiker Gustav Heinemann: «Den Wert einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit den Schwächsten verfährt.» Er selbst kenne die Schwächsten der Gemeinde nicht genügend, fühle sich aber nun «in der Verantwortung, diese im Sinne Heinemanns kennen zu lernen». Zudem stehe für ihn als «liberal denkenden Menschen» die Freiheit des Individuums «quasi selbstverständlich» stets an erster Stelle. Diese ende aber «dort, wo die Freiheit anderer Individuen beginnt».

Wichtig ist dem neuen Gemeinderat auch eine aktive Diskussionskultur. So spalte etwa die Pandemie die Gesellschaft: «Das ist mir ein Dorn im Auge. Ich möchte mit allen reden und einen sinnvollen Kompromiss finden.» Dafür seien «Diskussionen und kritische Stimmen nötig, die verschiedene Plattformen brauchen». Eine davon sähe er in der «MöWi-Zytig», dem von der Gemeinde herausgegebenen Lokalblatt: Dies sähe er als einen Beitrag zur Förderung der «aktiven und offenen Zivilgesellschaft», wie es auf seinem Wahlflyer steht.

Doch auch konkrete Vorschläge bringt Säuberli, etwa in GLP-Manier: «Alle, die in der Gemeinde eine Solaranlage auf dem Dach bauen wollen, sollen diese bauen können», findet er. Hier kämen Hindernisse häufig vom Ortsbildschutz. «Heutige Solaranlagen können mit einem schönen Ortsbild in Einklang gebracht werden, es braucht aber eine gewisse Flexibilität auf allen Seiten.»

Als langfristiges Ziel habe er für die Gemeinde ausserdem die Vision einer Trennung von Aufenthaltsräumen und Transportwegen. «Vierzig-Tonnen-Lastwagen sollen nicht an Schulkindern oder Gartencafés vorbeifahren.» Und: «Begegnungszonen sollten nicht nur im Grünen, sondern auch im urbanen Dorfzentrum existieren. Da gibt es in der Gemeinde schon Ideen. Die Bevölkerung soll sich weiter einbringen können.»

Aktuelle Nachrichten