Urteil

Mörderische Stimmen im Kopf – Aargauer (47) wird verwahrt, weil die Therapie nichts bringt

Laut Gutachter haben die Therapien in den letzten Jahren keinen Fortschritt gebracht

Laut Gutachter haben die Therapien in den letzten Jahren keinen Fortschritt gebracht

Ein heute 47-jähriger Mann versuchte in den Neunzigerjahren zweimal, jemanden zu töten. Seither war er wegen akustischer Halluzinationen in stationärer Therapie, diese brachte aber keine Fortschritte. Nun wird der Mann verwahrt.

«Die Therapien helfen mir, mich von den Stimmen abzulenken», sagt Roland W. (Name geändert) zu Gerichtspräsident Daniel Aeschbach. Verhandelt wird vor Bezirksgericht Lenzburg, ob er weiterhin Therapien bekommen oder endgültig verwahrt werden soll. Roland W. leidet an chronischer paranoider Schizophrenie und an einer leichten Intelligenzminderung. Bei der Befragung ist er sichtlich verwirrt. Der 47-Jährige spricht von sich selbst in der dritten Person und fragt, ob er vom Zentralgefängnis in Lenzburg nach Pöschwies verlegt werden könne – er wolle dort ein neues Leben beginnen.

1998 war Roland W. vom Bezirksgericht Laufenburg der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen worden. Mit einem Messer hatte er im Jahr 1997 versucht, seinen Mitbewohner in einem Wohnheim für erwachsene Menschen mit einer Behinderung umzubringen. Vor Gericht sagte er aus, die Stimmen in seinem Kopf hätten ihm das befohlen.

Die zweieinhalb Jahre Zuchthaus wurden damals zugunsten einer ambulanten Therapie in einer geeigneten Pflegeanstalt aufgeschoben. Jahre zuvor war er in der psychiatrischen Klinik Königsfelden wegen akustischer Halluzinationen behandelt worden. Roland W. erhielt Medikamente und besuchte Gesprächstherapien.

Nur kurze Zeit nach dem Urteil von 1998 attackierte er im Männerwohnheim Satis Seon einen Mitbewohner im Schlaf mit einer Hantel. Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte ihn im März 1999 wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme an.

«Stimmen haben mir gesagt ...»

Bei der Befragung vor Bezirksgericht Lenzburg spricht er einen Vorfall an, der sich bei einem Freigang ereignet hat. «Ich will das nicht, aber die Stimmen sagten mir, ich solle zu einem Kind sagen, dass es mitkommen soll.» Er gebe sich Mühe, müsse aber gegen seinen Kopf kämpfen. Der zweifach verurteilte Mann bekommt sogenannte Depot-Spritzen (Antipsychotika), die gegen Halluzinationen helfen sollen.

Laut Gutachter haben die Therapien in den letzten Jahren keinen Fortschritt gebracht. Staatsanwältin Barbara Loppacher hält in ihrem kurzen Plädoyer fest, dass die Bedingungen für eine Verwahrung erfüllt seien: «Es besteht ein grosses Risiko, dass er bei einer Freilassung wieder versuchen würde, einen Menschen zu töten.»

Das Gericht folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verwahrt Roland W. Man habe versucht, mit Therapien voranzukommen, aber es sei kein Erfolg zu verzeichnen. Und es sei keine Verbesserung der Legalprognose zu erwarten. Die Therapien werden abgesetzt. Der verwahrte Roland W. soll aber weiterhin Spritzen bekommen und beschäftigt werden.

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