Justizvollzug

Modernes Gefängnis: Das Lenzburger Drohnen-Abwehrsystem erkennt jetzt auch Wurfgegenstände

Nicht nur Drohnen: So wehrt die Justizvollzugsanstalt Lenzburg Wurfgegenstände ab

Nicht nur Drohnen: So wehrt die Justizvollzugsanstalt Lenzburg Wurfgegenstände ab.

Über der Strafanstalt Lenzburg thront seit neustem eine Art digitaler Schutzschirm: Das Überwachungssystem wurde für 200'000 Franken aufgerüstet. Es kann nicht nur Drohnen, sondern auch Objekte von der Grösse eines Tennisballs erkennen, die über die Mauer geschossen werden.

Christian Harder, Sicherheitsinstruktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, fliegt mit seiner privaten Drohne in den überwachten Bereich, sofort wird ein Alarm ausgelöst: Unbekanntes Objekt in Sektor 5. Das alles dient nur der Demonstration: «Es ist schön, jetzt mit der Drohne das System zu testen, aber der Weg bis dahin war weit», sagt Harder gegenüber «Tele M1». «Und es ist natürlich nicht meine Kernaufgabe, hier mit der Drohne rumzufliegen», fügt er schmunzelnd an. 

Seit Ende 2017 hat die JVA Lenzburg als erstes Gefängnis in der Schweiz eine Detektionsanlage zur Früherkennung von kleinen Flugobjekten. Damit geht die JVA innovative Wege und weckt weitherum Interesse: Als man 2015 die Pläne vorstellte, kamen 72 interessierte Personen, mehrheitlich Leiter von Strafanstalten, Angehörige des Bundesamts für Zivilluftfahrt und Sicherheitsexperten. 

Erfolgreicher Test: Die Drohne schwebt über dem Gefängnis Lenzburg, das Warnsystem piepst.

Erfolgreicher Test: Die Drohne schwebt über dem Gefängnis Lenzburg, das Warnsystem piepst.

(Mai 2015)

Jetzt ist man noch einen Schritt weiter. Das System kann nun auch Wurfgegenstände erkennen. Über die Mauern von Strafanstalten versuchen Komplizen, Drogen oder Handys für die Insassen in den Knast zu schmuggeln – das ist jetzt um einiges schwieriger geworden. Die Sensoren registrieren die kleinste Bewegung: «Die Firma, die das System entwickelt hat, war sehr gefordert. Wir sind jetzt aber soweit, dass Objekte von der Grösse eines Tennisballs erkennt werden», erklärt Harder. Etwa 90 Prozent der Einwürfe würden erkannt.

Wenn tatsächlich jemand etwas über die Mauern der Strafanstalt schiesst, muss der Wärter unverzüglich nachschauen, was da genau im Hof gelandet ist. Bei einer Drohne ist das Vorgehen rigoroser: Mit einer Netzpistole können die Beamten das Flugobjekt abschiessen – Totalschaden garantiert. Auch das hat Harder bereits getestet. «Es hat gleich beim ersten Mal funktioniert», erklärt er, und hält die zerstörte Drohne in die Kamera.

Ernstfälle gab es bisher aber kaum: «Wir haben ein oder zwei Mal einen aufgeschnittenen Tennisball im Innenbereich gefunden, wir wissen aber nicht, wann die reingeworfen wurden», sagt Marcel Ruf, Direktor der JVA Lenzburg. Das neue System hat noch nie Alarm geschlagen – ausser bei Demonstrationen. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass man in Lenzburg die neuste Errungenschaft gerne öffentlich präsentiert – das hat sicherlich auch eine abschreckende Wirkung.

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