Es ist eine harmonische Erinnerung: Die beiden Brüder Gian und Mats Rohr sitzen als Clowns verkleidet auf ihren Dreirädern und verzücken die Erwachsenen mit ihrem lausbübischen Charme.

Inzwischen jedoch hat die stürmische Pubertät den Blick zurück verblassen lassen. Die Brüder streiten unaufhörlich, die Eltern sind hilflos. Mit halbherziger Überzeugung schicken sie den älteren Sohn Gian nach Disentis in ein Internat. Dort soll der elterliche Sonnenschein auf den rechten Weg zurückfinden. Mats dagegen nutzt die Abwesenheit des Erstgeborenen, um sich die Gunst der Eltern zurückzuerobern, die ihm seiner Meinung nach so lange versagt geblieben ist.

Die Grundkonstellation dieses Bruderzwistes brachte Friedrich Schiller 1781 mit seinem ersten Theaterstück «Die Räuber» auf die Bühne. Das Drama aus der Epoche des Sturm und Drang diente den Theaterleitern Markus Gisin und Markus Furrer als Inspirationsquelle. Für das diesjährige Schultheater der Oberstufe Hellmatt in Wildegg verlegten sie die dramatische Konfliktzone in die Gegenwart.

Die Räuberbande ist jetzt eine Internatsgang. Gestritten wird nicht mehr um die Erbfolge, sondern um Computerspiele. Anstatt versiegelter Briefe werden Whatsapp-Nachrichten verschickt. Und das Ende der Handlung, das bei Schiller so blutig und tragisch geschildert wird, bleibt offen und der Reflexion der Zuschauer überantwortet.

Selbstvertrauen dank Theater

Während der letzten Woche haben die 23 Schüler aus der 2. bis zur 4. Oberstufe intensiv für die Premiere von Montagabend im alten Munitionsdepot in Lenzburg geprobt. Zum Freifach Theater haben sie aus unterschiedlichen Gründen gefunden. Oliver Wittwer, der die 4. Bezirksschule besucht und den Gian spielt, war Zuschauer bei der letzten Aufführung des Schultheaters vor zwei Jahren. «Das hat mir gut gefallen und mich auf die Idee gebracht, das Theaterspiel selber auszuprobieren.»

Sehr viel Spass habe sie beim Proben, sagt Ifeoma Nebo. Sie besucht die 3. Bezirksschule und spielt in der Aufführung die Meret, ein Mitglied aus der Internatsgang. «Die intensive Probewoche war anstrengend, aber das Theaterspielen vermittelt Selbstvertrauen und Selbstbeherrschung.»

Die Theaterleiter Markus Gisin und Markus Furrer glauben, dass die klassische Literatur viele Motive und Konflikte bereithält, die auch in der heutigen Zeit aktuell sind. Deshalb auch der Rückgriff auf Schiller. Zudem wurde mit der Schulleitung abgesprochen, dass die verschiedenen Klassen der Schule das Theaterstück besuchen werden. «Für viele Kinder wird es die erste Berührung mit Theater sein», so Furrer. Der wichtigste künstlerische Anspruch für ihn sei es, dass die Schüler der Theatergruppe vor ihren Kolleginnen und Kollegen bestehen könnten.

Premiere heute um 20 Uhr im alten Munitionsdepot am Buchenweg in Lenzburg. Weitere Aufführungen: Morgen Dienstag um 14 Uhr, am Mittwoch um 10.30 Uhr, am Donnerstag um 14 Uhr sowie am Freitag um 14 Uhr und um 20 Uhr.