Möriken-Wildegg

Mitten in der Stosszeit will die SBB fünf Stops streichen – Pendler laufen Sturm

Bahnhof Wildegg, kurz nach 7 Uhr: Viele Pendler warten auf den Regioexpress.

Bahnhof Wildegg, kurz nach 7 Uhr: Viele Pendler warten auf den Regioexpress.

Die SBB wollen zur Stosszeit den Halt des Regioexpresses streichen. Gegen diese Pläne wurden nun rund 3500 Unterschriften gesammelt.

Geht es nach dem Willen der SBB, so werden zu den Stosszeiten morgens und abends in Wildegg fünf Halte des Regioexpress Wettingen–Aarau–Olten gestrichen. Ab Wildegg in Richtung Aarau/Bern um 7.07 Uhr und 8.07 Uhr sowie in Richtung Baden/Wettingen um 7.52 Uhr, 16.52 Uhr und 18.52 Uhr.

Dumm nur: Zu diesen Zeiten ist das Perron jeweils voll besetzt von Pendlern, die auf den Zug Richtung Aarau oder Baden warten. «Morgens um 7.07 Uhr warten sehr viele Menschen auf den Zug, um nach Aarau, Olten, Bern oder Biel zu gelangen», sagt Heinz Würgler. Würgler kennt die Situation persönlich. Der 60-jährige KV-Angestellte fährt täglich mit dem Zug zur Arbeit und hat sich verschiedentlich vor Ort einen Eindruck verschafft. Umso weniger kann Heinz Würgler verstehen, weshalb die SBB gerade den stark nachgefragten Zugshalt um 7.07 Uhr ab 2018 streichen will.

Der jeweils zehn Minuten nach dem Regioexpress fahrende Regionalzug ist für Heinz Würgler keine Alternative. Auch dieser sei schon jetzt stets «pumpenvoll und die Pendler stehen so dicht zusammengepresst wie in einer Sardinenbüchse.» Wenn nun alle diesen Zug nehmen müssten, seien die Folgen nicht auszudenken. «Es ist ein richtiger Frust.»

Heinz Würgler hat deshalb auf eigene Faust eine Unterschriftensammlung lanciert. Innerhalb von nur vier Wochen seien 3458 Unterschriften zusammengekommen, freut er sich. «Mit grossem Elan» habe er sich für die Sache eingesetzt und dabei festgestellt, dass Leute aus der ganzen Region in Wildegg in den Zug steigen. «Von den geplanten Massnahmen der SBB sind nicht nur die Menschen von Möriken-Wildegg betroffen. Aus den umliegenden Gemeinden bis nach Thalheim, sogar aus Lenzburg kommen Reisende nach Wildegg, um einen guten Zug nach Baden oder Aarau zu erwischen.»

Sammlung geht online weiter

Schützenhilfe erhält Heinz Würgler von Daniel Stoeri aus Möriken. Mitte August hat er eine Petition gegen die Pläne der SBB auf der Plattform openPetition Schweiz aufgeschaltet. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 16. Oktober.

Daniel Stoeri pendelt täglich nach Baden. Die Massnahme der SBB sei für Reisende in den Ostaargau eine grobe Qualitätseinbusse. Und er kritisiert: «Wer nach Baden will, hat ab Wildegg zu den Hauptverkehrszeiten in Zukunft keine direkte Verbindung mehr und muss in Brugg umsteigen.» Den Wegfall mit einem zusätzlichen S-Bahn-Halt zu kompensieren, sei kaum eine Alternative. «Dieses Angebot ist nicht gleichwertig, denn viele Reisende nutzen die Regionalexpress-Verbindung heute als schnellen Anschlusszug in Richtung Olten, wo Verbindungen nach Bern, Biel oder Basel zur Verfügung stehen.»

Der Regioexpress Wettingen–Aarau–Olten gehört seit den 1990er-Jahren zu den wichtigen Bahnverbindungen innerhalb des Kantons Aargau. Diese einzige direkte Verbindung ab Wildegg Richtung Bern sowie in den Ostaargau gelte es zu erhalten, fordert Stoeri. «Das Angebot des öffentlichen Verkehrs darf sich nicht ausschliesslich auf die Bedürfnisse der grossen Zentren ausrichten.»

Erfolg überrascht wenig

Sind Heinz Würgler und Daniel Stoeri erstaunt über den raschen Erfolg der Unterschriftenaktion: «Nein, es ist ein wichtiges Thema, das viele Familien irgendwo betrifft, ob Arbeitnehmer, Schüler, Wanderer oder Reisender», sagt Würgler. Und Stoeri ergänzt: «Die vielen gesammelten Unterschriften zeigen auf, dass der Bahnhof Wildegg die Funktion eines regionalen Zentrums erfüllt. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist ein wichtiger Standortvorteil eines Wohnortes. Ausserdem profitiert auch das lokale Gewerbe in Wildegg, beispielsweise die Bäckerei oder der Kiosk beim Bahnhof, von den Pendlern.»

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