Lenzburg
Mittelaltermarkt lockt über 8000 Besucher auf Schloss Lenzburg

Handwerk, Gaukelei, Musik und Kulinarik haben für ein turbulentes Wochenende auf Schloss Lenzburg gesorgt.

Peter Weingartner
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Musik mit Schellmerÿ
30 Bilder
Hier wird zu Mittelaltermusik getanzt
Hier wird zu Mittelaltermusik getanzt
Wolfsnetz
Schreiben mit Schwester Judenta
Spreu vom Weizen weggeblasen
Moster mit Kundschaft.
Fein: Frittierter Spinat
Peter Stump wird geköpft.
Hier wird Papier geschöpft
Der Schmied hat Nachwuchs
Neues Fussband für den Uhu.
Mit der Armbrust wird auf den Wolf gezielt
Knopfwerkstatt.
Junge Schmiedin
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Mittelaltermarkt 2016 auf Schloss Lenzburg
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Fechternachwuchs
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Die Gaukler sorgen für viel Heiterkeit im Schlosshof
Applaus für die Gaukler
Fechten mit Freywild
Drehleier
Der Werwolf
Annelis mit der Wolfsverkleidung
Fechten für Anfänger
Fechten mit Freywild
Der Kürbisflaschenverkäufer

Musik mit Schellmerÿ

Peter Weingartner

«Am Montag um 6 Uhr kannst du bei mir anfangen!», sagt der Drescher. Ein Besucher des Mittelaltermarkts weiss den Dreschflegel zu führen und könnte gleich einsteigen. Mit Wucht knallt das Instrument auf das Getreide, auf dass die Spreu vom Weizen sich trenne.

Der Drescher gehört zum Zähringervolk. Die Gruppe aus 20 geschichts- und theaterinteressierten Frauen und Männern ist aufs Schloss Lenzburg gereist, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und sie in ihre mittelalterlichen Alltagsszenen miteinzubeziehen.

Das ist nach dem Gusto der leitenden Kuratorin Martina Huggel: «Das ist uns wichtig: den Besuchern ein Handwerk vermitteln, indem sie selber aktiv werden, etwas erleben können.»

Kriminalfall aus dem 16. Jahrhundert

Gleich neben dem Drescher kann man ein Wolfsnetz knüpfen. Damit habe man damals im Wald den Wolf gefangen, erzählt ein Zähringer. «Komm, hilf uns das Gemüse für die Suppe schneiden!», ruft derweil eine Frau. Die Armensuppe. Und auf einem Balken kommt es zwischen Kindern zu Duellen mit Degen: Wer zuerst vom Balken fällt, hat verloren.

Auch das Waffenhandwerk hat seinen Platz auf der Lenzburg. Die Gruppe Freywild inszeniert einen Kriminalfall aus dem 16. Jahrhundert. Peter Stump ist damals wegen Werwölferei zum Tod durch das Schwert verurteilt worden. Gezeigt wird mittelalterliche Fechtkunst, doch die brutale Folter des armen Stump, wie sie auf einem zeitgenössischen Bild gezeigt wird, erspart die Truppe den Zuschauern.

Geistliche und Geistliche

Der Dreschmeister Ruedi ist unterdessen Bruder Adrian geworden und versucht zusammen mit einer Nonne, Schwester Judenta, «lernwillige Kinder in Latein zu unterweisen». Römische Zahlen. Carpe Diem. Wobei neben der Scriptura, der Schrift, auch der Oratio, dem Gebet, ein Platz gebührt.

Ein echter Bruder dagegen ist Frater Samuel. Er steht am Stand des Klosters Engelberg, wo nicht nur Produkte aus der Innerschweiz wie Käse, sondern auch Holzgegenstände wie Pfeffermühlen aus der «Filiale» in Kamerun angeboten werden.

Falschmünzer treibt sich herum

Die 50 Stände mit Handwerk, mittelalterlichen Waren und Demonstrationen locken von Freitag bis Sonntag über 8000 Besucher auf die Lenzburg. Bahnt sich eine Zusammenrottung von Besuchern an, steht eine Demonstration oder Gaukelei bevor. Vater und Sohn Küpfer etwa, die Falkner, lassen ihre Greifvögel fliegen. Oder es gibt Musik auf dem Schlosshof.

Der Renner sind die beiden Gaukler von Forzarello: Sie bieten Artistik mit einem Augenzwinkern, gekonnte «Jonglage Blamage» mit Trommelmusik und Schalk. Das gefällt Gross und Klein. Und zur Mittelaltermusik lässt sich trefflich tanzen.

«Wollt ihr ein Glas Most?», fragt ein Zähringer mit zwei Fässern auf dem Räff. Da sagen die wenigsten nein. Eine Zähringerin lässt die Drehleier erklingen; der Kürbisflaschenhändler sucht Kundschaft, ein barfusser Bettler treibt sich herum, ebenso ein Falschmünzer.

Farbig ists auf dem Schloss, zumal die Stoffhändler ihrem Handwerk nachgehen. Nur das selbst geschöpfte Papier ist weiss. Aus der Mittelalterküche werden frittierte Spinathäppchen mit Datteln gereicht. Mittelaltermarkt – Mittelalterfest.