Beinwil am See
Mitreissende Aufführung von «Der Vogelhändler» in Beinwil am See

Nach vier Jahren spielt die Theatergesellschaft Beinwil am See auf der neuen Bühne des Löwensaals wieder eine Operette. Carl Zellers «Der Vogelhändler» war mitreissend und ein Genuss.

Rosmarie Mehlin
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Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
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Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Der Vogelhändler
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
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Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
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Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
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Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil
Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil

Operette «Der Vogelhändler» in Beinwil

Peter Siegrist

Sie waren Österreicher und Zeitgenossen: Franz von Suppé, Johann Strauss Sohn, Karl Millöcker und Carl Zeller. Sie starben zwischen 1895 und 1899 und hinterliessen der Welt unvergängliche musikalische Werke: Suppé als Ältester unter ihnen gilt als Begründer der klassischen Wiener Operette, Strauss als deren fleissigster und bedeutendster Vertreter. Carl Zeller reihte sich mit den beiden Werken «Der Vogelhändler» (1891) und «Der Obersteiger» (1894) in die Reihe der Grossmeister ein.

«Gelungene Premiere»

Was das Publikum über die Premiere sagte, lesen Sie hier.

Zeller, im Hauptberuf Staatsbeamter, der nur nebenbei aus Liebhaberei komponierte, ist auch heute noch ein sicherer Wert. Zahlreiche Melodien aus seinem «Vogelhändler» sind weltberühmt, wie etwa «Grüass enk Gott, alle miteinander», «Schenkt man sich Rosen im Tirol» oder «Wie mein Ahn’l zwanzig Jahr». Dennoch hatte nur die Fricktaler Bühne Rheinfelden den «Vogelhändler» erst vor wenigen Jahren – 2008 – aufgeführt. In Bremgarten wurde er 1976 letztmals gespielt, in Beinwil 1992 und in Möriken 1997.

Bodenständig und humorvoll

Doch jetzt ist es wieder so weit. In dem vor allem im Bühnenbereich frisch renovierten Löwensaal in Beinwil zwitschern Lerchen und Nachtigallen mit Adam aus Tirol und der Briefchristel um die Wette. Und das just zum 150-Jahr-Jubiläum der Theatergesellschaft. Was für eine Ehre und was für eine gute Wahl! «Der Vogelhändler» nämlich ist eine besonders liebenswerte Operette, die ebenso durch die Natürlichkeit und volkstümliche Frische der Zellerschen Musik, wie durch Klangpracht der vokalen Ensembles besticht. Und – nicht zu unterschätzen – durch witzige Dialoge.

Nicht in Österreich, nicht in Ungarn, nein, in der Rheinpfalz angesiedelt, führt auch hier der Weg zum Happy End über Verwechslungen und Liebesirrungen. Grundpfeiler sind als Volkstypen der bodenständige Adam mit seinem Tiroler Idiom und die frische, zupackende (neudeutsch toughe) Christel. Aber auch die Vertreter der kurfürstlichen Etage sind nicht elitär, vielmehr zu einem grossen Teil liebenswert gezeichnete Karikaturen.

Auf der Bühne vom Beinwiler Löwensaal wird diesen Vorgaben von allen Beteiligten mit Begeisterung Rechnung getragen. Das beginnt beim – im besten Sinne des Wortes – zweckmässigen Bühnenbild, führt über eine Fülle von wunderbaren Kostümen zu einer Inszenierung, wie sie einfallsreicher nicht sein könnte: Regisseurin Monika Wild schenkt dem Publikum einen «Vogelhändler», wie er selten so spritzig und witzig, so temperament- und fantasievoll zu sehen ist.

Wunderbare Stimmen

Das alles wäre nicht möglich, würden die Akteure auf der Bühne und im Graben den Intentionen von Wild nicht ganz klar Folge leisten. Das Orchester unter Leitung von Konrad Jenny zeigt sich in ebenso ausgezeichneter Form wie der Chor. Die Solisten legen eine Spielfreude auf den Bühnenboden, dass einem als Zuschauer das Herz im Leibe hüpft. Dazu gesellen sich wunderbare Stimmen, wie der volle, schmeichelnde Tenor von Raimund Wiederkehr als Adam, der vor wenigen Wochen bereits in «Die Herzogin von Chicago» in Möriken entzückt hatte. Eine Neuentdeckung in der Aargauer Operettenlandschaft, eine wahre Trouvaille ist die gebürtige Norwegerin Ulla Westvik als Briefchristel: Ach, wie so reizend zu schauen und zu hören . . . Mitreissend und überzeugend auch Andreas Dick als Weps, Jeanne Pascale als Kurfürstin, Barbara Schroeder als Adelaide, Thomas Leu als Dorfschulze und Süffle sowie Christian Jenny als Würmchen. Einzig Benjamin Berweger als Stanislaus enttäuscht: Sowohl figürlich wie auch stimmlich bescheiden, ist er leider eine Fehlbesetzung.

Was allerdings nur ein ganz kleiner «Tolggen» im Reinheft der grossartigen Aufführung ist. Dieser «Vogelhändler» ist kein Tummelfeld für Querdenker und Liebhaber von Experimenten, sondern ein Hochgenuss für Puristen, für Fans der klassischen Operette. Und die sitzen nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch oben auf der Bühne. Dort geben sie mit spürbarem Enthusiasmus ihr Bestes. Ganz nach dem Motto «Man schenkt sich (Operetten-)Rosen nicht allein, man gibt sich selber mit auch drein . . .»