Dürrenäsch

Mit Pickel und Schaufel hielt er die Naturstrasse 60 Jahre lang in Schuss

Nach 60 Jahren kann Heinz Hofmann die Strassenmeister-Gerätschaften nun zur Seite legen.

Nach 60 Jahren kann Heinz Hofmann die Strassenmeister-Gerätschaften nun zur Seite legen.

Rund sechs Jahrzehnte hat Heinz Hofmann dafür gesorgt, dass die Strasse zwischen Dürrenäsch und Unterkulm in einem guten Zustand ist. Das war seine Pflicht in seinem Amt als sogenannter Nebenstrassenwärter.

Heinz Hofmann erinnert sich noch gut an die Zeit, als Unterkulm und Dürrenäsch nur durch einen Fussweg verbunden waren. Als Bub lief der Bauer, der heuer 80 Jahre alt wird und auf dem Steinenberg aufgewachsen ist, oft durch den Wald nach Dürrenäsch. «Wir trugen alle Holzböden», erzählt er. «Die mussten wir beim Schuhmacher Engel, der unmittelbar hinter dem Wald wohnte, reparieren lassen.»

60 Jahre für die Naturstrasse

Eine fahrbare Strasse wurde erst im Zuge der Güterregulierung, die zwischen 1950 und 1955 stattfand, gebaut. «Ich half dem Geometer beim Vermessen», erzählt Hofmann. Danach wurde er vom Dürrenäscher Gemeinderat angefragt, ob er nicht für den Unterhalt der Strasse sorgen wolle.

Dieses Amt, Nebenstrassenwärter genannt, übte Heinz Hofmann anschliessend rund 60 Jahre lang aus. Zusätzlich zu seinem Bauernbetrieb auf dem Steinenberg hatte er weitere Ämter und Nebenjobs inne. Lange arbeitete Hofmann im Unterkulmer Wald und half beim Strassenunterhalt. Das Amt des Marktchefs gab er vor 10 Jahren auf, nun hat er auch als Dürrenäscher Nebenstrassenwärter demissioniert.

Viele Kubikmeter Kies hat Hofmann in den 60 Amtsjahren geschaufelt sowie etliche Schächte und Rinnen geputzt. Dies waren seine Hauptaufgaben. Das Wasser musste jederzeit ungehindert ablaufen können und die Löcher in den Strassen sollten regelmässig aufgefüllt werden. «Das Auto und das Wasser sind die grössten Feinde einer Naturstrasse», erklärt Hofmann.

Gewitter und Laub gaben zu tun

Am Küchentisch erzählt er von den Arbeiten. Seine kräftigen Hände zeigen den Aufbau einer idealen Naturstrasse, die in der Mitte höher sein soll als am Rand, und zeichnen die Kurven des Strassenverlaufs nach. Vor allem nach Gewittern musste Hofmann die Schächte kontrollieren und die Rinnen putzen. Auch im Herbst war der Arbeitsaufwand höher: Dann musste das Laub entfernt werden. Mit dem Winterdienst hingegen hatte der Nebenstrassenwärter nichts zu tun.

Gross geändert hat sich die Arbeit in den 60 Jahren nicht. «Die Querrinnen muss man immer noch mit Pickel und Schaufel durchstossen», erklärt Hofmann. Sechs Schächte und acht Rinnen galt es sauber zu halten. Rund zwei Stunden musste er für einen Kontrollgang einrechnen.

So kam er auf rund 25 Arbeitsstunden pro Jahr für sein Amt. Etwa alle fünf Jahre trug er zusätzlich die Strassenränder ab. Lange Zeit führte er diese Arbeit mit dem Pferd und einem Spezialpflug aus. «Das Abtragen der Grasstücke war ein Chrampf.» Erst in den letzten Jahren nahm er den Traktor mit der Frontschaufel zu Hilfe.

Nicht alle Landbesitzer waren mit den Pflichten, welche die Güterregulierung mit sich brachte, einverstanden. Einer weigerte sich eine Zeit lang, vom höher gelegenen Landstück das Wasser aufzunehmen, und verstopfte deshalb immer wieder die Abflussrinnen. Hier musste der Nebenstrassenwärter den Gemeinderat einschalten.

Ein grosses Ärgernis ist für Hofmann der Abfall, der im Wald deponiert wird. Einmal hat er in einem Schacht sogar eine ganze Beige Sexheftli gefunden.

Am liebsten bei den Tieren

Rund einen Franken und fünfzig Rappen betrug der Stundenlohn, als Hofmann sein Amt vor 60 Jahren antrat. Ausgeübt hat er es jedoch all die Jahre vor allem, weil ihm der gute Zustand der Strasse am Herzen lag.

Doch auch nach seiner Demission wird ihm nicht langweilig sein. Jeden Tag steht er um Viertel nach fünf auf und arbeitet auf dem Hof, den unterdessen sein Sohn Martin führt. «Am liebsten bin ich bei den Tieren», meint Heinz Hofmann. «Das mit den Maschinen überlasse ich den Jüngeren.»

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