Brunegg

Mit den Waffen eines Wilderers

Karl Hochstrasser hat in Brunegg ein Wilderer-Museum eingerichtet. Die Wilderei fasziniert ihn. Er selber ist aber ein korrekter Jäger.

Die Wilderei faszinierte Karl Hochstrasser schon als Bub. Er las alle Bücher, die ihm zum Thema in die Hände fielen. Zum einen ist das heimliche Treiben der wilden Mannen im Wald Stoff für Sagen oder gar Heldengeschichten. Zum anderen entstand durch die unrechtmässige Jagd viel Leid. Trafen ein Jäger und ein Wilderer aufeinander, überlebte oft nur einer: Derjenige, der schneller schoss.

Karl Hochstrassers Faszination für die Wilderei ist aber kein Wunsch zur Nachahmung. «Ich bin ein korrekter Jäger», sagt er. Und das in der dritten Generation. Schon als Schulbub sei er mit seinem Vater auf die Jagd. «Das war das Grösste.» Die Jagdprüfung war vorprogrammiert. Der in Umiken aufgewachsene Hochstrasser hat für die BBC und ihre Nachfolgefirmen Turbinen verkauft. Er war auf der ganzen Welt tätig, gewohnt und gejagt hat er in den letzten 35 Jahren in Brunegg.

Lautlos und gut getarnt im Wald unterwegs

Karl Hochstrasser (68) ist schmal und wendig wie sein Dackel Nelson. In seinem privaten Wilderei-Museum, das er vor zwei Jahren eingerichtet hat, ist das von Vorteil. Es ist etwas eng unter der Dachschräge, dafür hat Hochstrasser all seine Artefakte sorgfältig kuratiert und ausgestellt. Die Tellereisen zeugen von einer Zeit, in der Mitleid mit Tieren kaum Priorität hatte. Für Wilderer waren sie ideal, lautlos schnappen sie zu und klemmen der unglücklichen Kreatur die Pfote ein, sie ist gefangen und stirbt qualvoll. «Grausam», sagt Hochstrasser.

Bis in die 60er-Jahre waren die Fallen in der Schweiz auch für die reguläre Jagd noch erlaubt. Jäger Karl Hochstrasser hat Mitleid mit Tieren. In seiner Funktion als Jagdaufseher muss er oft nachts raus, um mit Dackel Nelson angefahrene Tiere zu suchen und manchmal auch zu erlösen. «Da sieht man schon auch Trauriges», sagt er.

In seinem Mini-Museum hat Karl Hochstrasser auch diverse Schrotflinten ausgestellt. Ein Jäger trägt sein Gewehr über der Schulter, wenn er den Wald betritt. Wilderer hatten speziell an ihre Bedürfnisse angepasste Waffen. Hochstrasser nimmt eine Flinte von der Wand und schraubt sie auseinander. Den Lauf in zwei Teile und den Kolben ebenso. «Diese konnte man bequem im Kittel verstauen und als Spaziergänger getarnt in den Wald gehen», sagt er.

Im Aargau ist Wilderei kein grosses Thema mehr

Im Museum hat es auch eine ansehnliche Sammlung Pulverhörner. Von hübsch mit Metallornamenten verzierten bis zum simpel ausgehöhlten Kuhhorn. Die unterschiedliche Ausführung der Hörner repräsentiert die Standesunterschiede: Früher war das Jagen den Adligen, den Reichen und den Grundbesitzern vorbehalten. «Gerade nach den Kriegen florierte aber die Wilderei», sagt Hochstrasser. Das war die Möglichkeit des einfachen Mannes, Fleisch auf den Tisch zu bringen. So entstand auch das Bild des Wilderers als Aufständischer gegen die Obrigkeit.

Heute spielt die Wilderei im Aargau keine grosse Rolle mehr. Fleisch gibt es billig und bequem im Laden. Bei den wenigen Fällen von Wilderei, die noch vorkommen, gehe es vermutlich um Trophäen, sagt Hochstrasser. Er selber macht sich nicht viel aus Geweihen oder Tierköpfen an der Wand. «Ich würde auch nie in Afrika auf Grosswildjagd gehen», sagt er. Er jagt viel lieber im Internet. Auf Auktionsplattformen hat er schon viele «kurlige Sachen» für seine Sammlung gefunden. Und von der kantonalen Jagdverwaltung hat er Leihgaben erhalten.

Alles in allem ist Karl Hochstrassers Mini-Museum eine bisweilen etwas schaurige Sammlung Gerätschaften, säuberlich beschriftet und mit einem kundigen Kurator. Bis jetzt hat Karl Hochstrasser sein kleines Museum vor allem anderen Jägern gezeigt. Doch um den grossen Besucherandrang geht es ihm gar nicht. Er habe die Sammlung zunächst für sich selber angelegt. So sind all seine Schätze und die Faszination für das Verbotene an einem Ort sicher aufbewahrt.

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