Lenzburg
Mit dem «Supermarkt der Möglichkeiten»: Stapferhaus geht auf Europa-Tournee

Die bisher erfolgreichste Ausstellung «Entscheiden» verlässt das Zeughaus und geht auf internationale Tournee. Die Kulturvermittler sehen grosses Potenzial im interaktiven Ausstellungsformat.

Elia Diehl
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Nach anderthalb Jahren und 100 000 Besuchern wird «Entscheiden» bald im Ausland gezeigt.

Nach anderthalb Jahren und 100 000 Besuchern wird «Entscheiden» bald im Ausland gezeigt.

Chris Iseli

109 000 Menschen besuchten innert eineinhalb Jahren den «Supermarkt der Möglichkeiten» im Lenzburger Zeughaus. Die «Entscheiden»-Ausstellung des Stapferhauses, die sich mit dem Leben und den Hürden in der Multioptionsgesellschaft beschäftigte, lockte so viele Besucher an wie noch keine zuvor.

Seit letzter Woche ist sie Geschichte - in Lenzburg. Erstmals geht eine Ausstellung, die sich seit 22 Jahren um Gegenwartsfragen drehen und mittlerweile schweizweite Bekanntheit geniessen, auf grosse internationale Wanderschaft.

Demnächst soll «Entscheiden» ein Jahr lang in mehreren europäischen Städten zu erleben sein. Veranstalter ist die Basler Kulturagentur Art & Sciences AG (A&S), die bereits «Körperwelten» vermarktete. Der Start zur internationalen Tournee ist im November in Deutschland vorgesehen.

«Es ist ein Experiment», sagt Detlef Vögeli, Leiter Konzept und Inhalt des Stapferhauses, eigentlich sei es keine Wanderausstellung. «Wir konzipieren und bauen gezielt für das Zeughaus und ein schweizerisches Publikum.»

Doch A&S sehe grosses, internationales Potenzial im interaktiven Ausstellungsformat. Daher wird das Stapferhaus, das weiterhin für den Inhalt verantwortliche zeichnet, die Ausstellung adaptieren und transportierbar machen. «Unsere interaktiven Ausstellungen leben stark vom Lokalkolorit», sagt Vögeli, sodass ein Teil der Filme und die Statistiken für das neue Publikum angepasst werden müssen. Der Ab- und Umbau der Ausstellung beginnt nächste Woche.

Eintritte nicht allein entscheidend

Das Stapferhaus wird nicht erst jetzt über die Landesgrenzen hinaus bekannt, verschiedene Ausstellungen konnten bereits in deutschen Museen präsentiert werden. Eine Tournee in diesem Ausmass gab es aber noch nicht.

Hat der Publikumserfolg mit über 100 000 Besuchern für den internationalen Durchbruch gesorgt? Detlef Vögeli verneint. Zwar sei eine magische Grenze geknackt worden, was erfreulich sei, die Anzahl Eintritte sei aber nicht das einzige Qualitätsmerkmal für eine gute Ausstellung. Jede habe eine eigene Charakteristik, eigene Qualitäten und - eine gewisse Eigendynamik. «Das Thema Entscheiden hat auch den Nerv der Zeit getroffen.»

Auch für den Vorgänger «Nonstop - über die Geschwindigkeit des Lebens» (2009 bis 2010) war eine Wanderausstellung in dieser Form geplant. Die Verhandlungen scheiterten aber der Finanzkrise wegen.

Die kommende Tournee wird dem Stapferhaus Lenzburg aber nicht die Kassen füllen. Es ist ein Nullsummenspiel, da die Kulturagentur A&S das finanzielle Risiko trägt. «Für uns springt dabei nur Ruhm und Ehre heraus», sagt Vögeli lachend. Geld wird es kaum welches geben.

Alles dreht sich ums Geld

Dafür ist das Geld Thema der nächsten Ausstellung, die es ab 14. November 2014 im Zeughaus Lenzburg zu sehen gibt. «Jenseits von Gut und Böse» soll unser persönliches sowie gesellschaftliches Verhältnis zu Geld zur Diskussion stellen. Das Team um Detlef Vögeli hat schon klare Vorstellungen, die Grundkonzeption steht. «Die Leute werden auch mit ökonomischen Glaubensgrundsätzen, die wie Naturgesetze daherkommen, konfrontiert.»

Um Geld geht es auch bei einem grösseren Projekt des Stapferhauses: Für den Bau ihrer neuen Stätte, des «Hauses der Gegenwart», hofft die Stiftung auf 3,7 Millionen Franken vom Kanton. Kann der grosse Publikumserfolg dabei helfen? «Natürlich kommt uns das gelegen. Es zeigt, dass das was wir tun, ein Publikum findet», sagt Vögeli.

Allerdings scheine der Wert des Stapferhauses unbestritten. Letztlich sei es eine Frage des Geldes und der Finanzpolitik des Kantons, bei welchem die Zeichen derzeit auf Sparen stehen.