Seetal
Mit dem Projekt «Herzschlaufe» betritt Seetaltourismus Neuland

Die Vorbereitungsarbeiten für die Lancierung einer Spezialstrecke für E-Bike-Touren laufen auf Hochtouren. Die Velowanderstrecke «Herzroute», die im Endausbau vom Genfer- zum Bodensee führen wird, soll einen Seitenarm erhalten.

Fritz Thut
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Wie hier bei einer früheren Auflage des slowUp Seetal sollen Wege rund um Hallwiler- und Baldeggersee für Velofahrer attraktiver gemacht werden.

Wie hier bei einer früheren Auflage des slowUp Seetal sollen Wege rund um Hallwiler- und Baldeggersee für Velofahrer attraktiver gemacht werden.

zvg/slowUp Seetal

Unabhängig vom Bemühen um einen separaten Radweg rund um den Hallwilersee (vgl. separaten Text) arbeitet der Verein Seetaltourismus an einem weiteren Angebot für Velotouristen: Die Velowanderstrecke «Herzroute», die im Endausbau vom Genfer- zum Bodensee führen wird, soll hier einen Seitenarm erhalten: Die «Herzschlaufe Seetal».

Dabei handelt es sich um eine Strecke von rund 120 Kilometern Länge, auf der Genussfahrer in der Regel mit dem E-Bike in zwei Tagesetappen neue Perspektiven erhalten. Die aktuell vorgesehene «Herzschlaufe» sprengt den engen Rahmen des eigentlichen Seetals.

Seetal: Die allermeisten Gemeinden wollen den See-Radweg prüfen

Das Ansinnen ist alt. Schon viele Anläufe wurden unternommen, um den Freizeitvelofahrern einen gefahrlosen Radweg rund um den Hallwilersee zu bieten. Jetzt startet ein neuer Versuch und weil die noch relativ junge Entwicklungsorganisation «Lebensraum Lenzburg Seetal» dahintersteckt, könnten die Erfolgsaussichten besser sein als auch schon.

Eine Umfrage bei den Seeanrainer-Gemeinden ergab, dass «eine grosse Mehrheit für die Prüfung» eines solchen Projekts sind, wie «Lebensraum»-Geschäftsführer Jörg Kyburz der az bestätigte. Die Grade bei der Zustimmung sind allerdings unterschiedlich und reichen von grosser Begeisterung, dass diese wichtige Anliegen endlich wieder konkret angepackt wird, bis zu grösster Reserviertheit.

Die grössten Bedenken kommen aus Boniswil, wo man momentan keine erfolgversprechenden Möglichkeiten für die Konzeption eines von der Hauptstrasse entflochtenen Radwegs sieht: Bisherige Bemühungen seien «auch aus Natur- und Landschaftsschutzgründen» gescheitert.

Podiumsdiskussion geplant

Beim «Lebensraum» will man sich von diesen Vorbehalten nicht entmutigen lassen. Diese Woche bespricht der Ausschuss das Projekt und an der Vorstandssitzung mit allen Gemeindevertretern im September soll dann über das weitere Vorgehen Beschluss gefasst werden. «Wir erwarten also noch vor den Herbstferien einen Entscheid», so Kyburz.

Zum möglichen Hallwilersee-Radweg will der «Lebensraum» die Bevölkerung direkt informieren und deren Meinung abholen. An der Seetaler Gewerbeausstellung Sega in Seengen vom 10. bis 12. Oktober hat die Organisation einen Infostand und veranstaltet am Samstag, 11. Oktober, eine Podiumsdiskussion zum Radweg. Vorgesehen sind Teilnehmer, die die separate Velostrecke begrüssen würden, aber auch Skeptiker. (tf)

Der Ostast verlässt in Eschenbach die «Herzroute» und führte via Hohenrain über den Lindenberg, zwischen Hilfikon und Seengen über den Rietenberg zurück ins Seetal und dem Aabach entlang zur Etappenstation Lenzburg. Auf dem Rückweg nach Eschenbach lässt man via Ruedertal und Beromünster das Seetal links liegen, erhält aber völlig neue Einblicke in einen Teil des Aargaus, der nicht nur auswärtigen Gästen völlig neu ist.

Neue Einblicke ermöglichen

«Den Aargau auf eine unbekannte Art entdecken», ist für Paul Hasler, den «Vater» der «Herzroute», ein wichtiges Argument für diese Routenwahl. Solche neuen Einblicke machen für ihn «den Charme des Velowanderns» aus.

Für die Verantwortlichen der «Herzroute» war, als sie erstmals mit dem Projekt «Herzschlaufe Seetal» konfrontiert wurden, die Wahrung der bisherigen hohen Qualitätsansprüche wichtig. «Zuerst war ich skeptisch», ist Hasler ehrlich, doch hätten ihn das Potenzial der Region schnell überzeugt.

Jetzt ist Paul Hasler integriert in die Vorbereitungsarbeiten. Mit seiner grossen Erfahrung aus dem Aufbau der «Herzroute» soll er nun mithelfen, die «Herzschlaufe» auf die Zielgerade zu führen. Das Vorprojekt, das die Machbarkeit abzuklären hatte, wurde von Hans Peter Stutz, dem ehemaligen Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation idee Seetal AG geleitet. Während den Vorbereitungsarbeiten hat er als Seetaler in der Region ganz neue Winkel entdeckt: «Die gewählte Strecke bietet ein Maximum an Routenerlebnissen». Als «Paradebeispiel eines Genussfahrers» ist er die Route abgefahren und hat «einmalig schöne Ausblicke» genossen.

Nun hat Stutz die Verantwortung für die Umsetzung an Seetaltourismus abgegeben. «Mit diesem Projekt betreten wir Neuland», hält Präsident René Bossard fest. Erstmals verlässt Seetaltourismus ihr angestammtes Wirkungsfeld als reine Vermittlerin und Vermarkterin und entert als direkter Anbieter «eine neue Dimension». Einfach fiel dieser Schritt auf ungewohntes Terrain nicht: «Im Vorstand haben wir lange darüber diskutiert», so Bossard.

Der Tourismus-Präsident ist überzeugt, dass zahlreiche Anbieter in der Region von diesem Angebot profitieren werden. Dazu werden nicht nur die üblichen Gastronomiebetriebe gehören, sondern auch agrarnahe Produkte wie Hofläden oder B&B-Übernachtungsmöglichkeiten.

Viel Knochenarbeit nötig

Positive Rückmeldungen von den Bauernverbänden der Kantone Aargau und Luzern sind eingetroffen. Unterstützung ist auch bei der Finanzierung nötig, denn gemäss dem Vorprojekt wird die Umsetzung rund 200 000 Franken kosten.

Bis zum Startschuss ist noch viel Knochenarbeit nötig. Auf der festgelegten Schlaufen-Route müssen alle Landbesitzer um Erlaubnis angefragt werden. «Die meisten sind sehr tolerant. Manchmal werden jedoch Bedenken geäussert; da muss man oft Überzeugungsarbeit leisten», weiss «Herzroute»-Pionier Paul Hasler, der nun auch im Seetal aktiv mithilft.

Während Bossard hofft, die «Herzschlaufe» im nächsten Jahr mit der gleichzeitigen Präsentation einer Info-Broschüre eröffnen zu können, mahnt Hasler mit seiner Erfahrung zu Zurückhaltung: «Die Behörden müssen noch die Bewilligungen für die Ausschilderung erteilen.»
Umso mehr wird mit Hochdruck an diesem Projekt, das am 22. Oktober auch an der 2. Seetalkonferenz in Hochdorf kurz präsentiert werden wird, gearbeitet.

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