Lenzburg

Mit dem Hundeschlitten: Aargauerin fährt 170 Kilometer Schnee weit durch den eisigen Norden

Martina Schweizer absolvierte eine fünftägige Huskytour in Finnisch-Lappland, bei der sie für ein Hundegespann verantwortlich war.

Martina Schweizer absolvierte eine fünftägige Huskytour in Finnisch-Lappland, bei der sie für ein Hundegespann verantwortlich war.

Die Bruneggerin Martina Schweizer war noch nie im Norden, bevor sie sich auf dieses Abenteuer einliess. «Es war eine irrsinnig lässige Erfahrung», schwärmt sie.

Nachts bei minus 20 Grad im Zelt übernachten und tagsüber Dutzende von Kilometern auf einem Hundeschlitten durch die vereiste Landschaft preschen. Das klingt nach einem Programm für die abgehärteten Extremsportler mit einer grossen Portion Risikofreude, wo bei anderen Leuten das Schmerzempfinden sitzt.

Doch Martina Schweizer (27) aus Brunegg hat genau dies hinter sich. Eine fünftägige Huskytour in Finnisch-Lappland, bei der sie für ein Gespann von fünf Hunden verantwortlich war. Dabei wurde sie vom SRF begleitet, welches die Tour am 29. Dezember als dreiteilige «Dok»-Serie ausstrahlt. Mittlerweile ist Martina Schweizer zurück in der Schweiz und spürt schon fast alle Zehen wieder.

«Es war eine irrsinnig lässige Erfahrung», schwärmt sie. Angemeldet hatte sie sich unter anderem ihrer grossen Liebe für Hunde wegen. Und wurde nicht enttäuscht. «Man lernt die Hunde anders kennen», sagt sie. Eine Mischung zwischen Wolf und Schosshündli seien das gewesen.

Leistungstiere, die Schweizer meistens bremsen musste, weil sie so schnell liefen. «Aber sie waren sehr lieb und liessen sich auch knuddeln.»

Gegenseitiges Vertrauen ist essenziell

Neben Martina Schweizer wagten noch vier andere das «Abenteuer Lappland», insgesamt ein Mann und vier Frauen. «Es hat extrem gut gepasst», sagt Schweizer. So gut, dass es auch nicht komisch war, mit wildfremden Menschen im Zelt zu übernachten. Bei den harten klimatischen Bedingungen, die nördlich des Polarkreises herrschen, ist eine gute Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen essenziell.

«Wir haben aufeinander geschaut», sagt Schweizer. Aber zuerst kamen immer die Hunde. Zum Beispiel am Morgen um 6.30 Uhr, wenn die Abenteurer für ihre Hunde zum Zmorge aus gefrorenem Fleisch und geschmolzenem Schnee eine Suppe kochen mussten. Dazu gab es Proteinpellets und zwischendurch immer wieder Snacks, damit die Tiere den ganzen Tag Energie hatten. Aber auch für die Menschen war gesorgt. «Wir haben das gemeinschaftliche Material auf den Schlitten verteilt», sagt Schweizer.

Wenn die Hunde abends versorgt waren, bauten die Abenteurer ihr Zelt auf und kochten auf dem Campingkocher. Der finnische Hundeführer, der sie begleitete, ist auch Jäger, da gab es neben Pasta auch Rentier- oder Elchfleisch. «Das Gute bei diesen Temperaturen ist, dass man keinen Kühlschrank braucht», sagt Martina Schweizer.

Frieren musste sie dank den guten Kleidern, mit denen sie ausgerüstet wurden, Gottseidank nicht. Auf jeden Fall nicht ständig. Am Morgen aus dem warmen Schlafsack in die kalten Kleider zu steigen, war sicher nicht angenehm. Dank Filzschuhen und dicken Überschuhen seien die Füsse auch während der langen Fahrten warm geblieben und bei Aktivitäten wie dem Zeltaufbau sei einem sowieso warm geworden.

Im Dezember hat die Sonne für Lappland nicht viel Tageslicht übrig. «Etwa 4,5 bis 5 Stunden hatten wir», sagt Martina Schweizer. Doch es wird nicht schlagartig dunkel oder hell. Lange Dämmerungsphasen begleiteten die fünf Hundeschlittengespanne auf ihrer 170 Kilometer langen Tour durch den Schnee. «Die Landschaft war atemberaubend schön», sagt Martina Schweizer.

«Diese Weite. So eindrücklich.» Als die Tour um war, fiel es der Hundeliebhaberin schwer, ihre Zugtiere wieder zurückzugeben. «Eine Hündin hätte ich am liebsten mit in die Schweiz genommen», sagt sie. Doch der finnische Besitzer lehnte ab. Und auch Martina Schweizer weiss, dass ihr Liebling besser in die finnische Tundra als nach Brunegg passt.

Martina Schweizer ist gespannt auf die Ausstrahlung ihres Abenteuers. «Während der Tour war ich jeweils sehr beschäftigt mit meinem Gespann», sagt sie. Nun freut sie sich darauf, das Abenteuer mit warmen Zehen nochmals Revue passieren zu lassen.

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