Bücher werden auf dem E-Reader gelesen, Zeitungen online. Das Papier-Telefonbuch ist längst im Museum gelandet, für das Zugbillett gibts eine Mobil-App. Das Druckgewerbe steht unter Druck.

Andy Amrein ist Geschäftsleiter und Delegierter des Verwaltungsrates der Kromer Print AG. Entgegen allen Unkrufen ist er überzeugt: «Print ist kein Auslaufmodell. Man muss es nur richtig machen.»

Im nächsten Monat zieht Amrein mit der Firma vom Unteren Haldenweg an den neuen Produktionsstandort im Gexi (hinter der Hero). Dort wird jetzt eine «Heidelberg»-Druckmaschine der neusten Generation für mehrere Millionen Franken eingerichtet. Dort erklärt Andy Amrein seine Leidenschaft zum Gewerbe und weshalb eine Zukunft ohne Printprodukte aus seiner Sicht unwahrscheinlich ist.

Herr Amrein, wir stehen vor der neuen Druckmaschine. Sie dürfen ganz kurz die Werbetrommel schlagen.

Andy Amrein: Sie sehen hier eine hochproduktive Maschine mit einer sehr hohen Geschwindigkeit. Damit wollen wir unsere Produktivität um 30 Prozent steigern. Am 19. Juni wird sie in Betrieb genommen. Auf diesen Zeitpunkt hin werden auch die gut 100 Mitarbeitenden der Kromer Print AG vom heutigen Sitz am Unteren Haldenweg in den Neubau hier im Gexi ziehen.

Sie betonen immer wieder, dass hier keine Druckerei entsteht, sondern ein Produktionsgebäude. Was heisst das?

Richtig. Hier wird alles, was mit Drucksachen und Karton zu tun hat, industriell gefertigt. Von der Datenaufbereitung bis zum fixfertigen Produkt. Hier werden Printprodukte im Mehrschichtbetrieb produziert.

Eine nigelnagelneue Druckmaschine in einem nigelnagelneuen Haus. Bereitet Ihnen dieser Investitionsschub schlaflose Nächte?

Am meisten Respekt habe ich vor 110 Löhnen, die jedes Monatsende bezahlt werden müssen. Ich schlafe gut, wir haben uns den Schritt gut überlegt. Auch wenn der Markt schrumpft, so bieten sich viele Chancen. Das Gebäude gehört übrigens der Kromer Services AG. Wir sind hier eingemietet.

An welche Chancen denken Sie?

Vor 15 Jahren haben die Druckereien noch viel Geld verdient. Wir wurden mit unserem Konzept vom Markt belächelt, als diejenigen, die rund um die Uhr arbeiten müssen. Wir haben von Anfang an das Kundenbedürfnis und den Markt im Fokus gehabt. Mit der Einführung der Printlogistik konnten wir ein zusätzliches Wunsch in der Branche abdecken.

Was muss man sich unter «Printlogistik» vorstellen?

Das ist ein ganz einfaches und erweiterbares Dienstleistungsmodell, welches alles rund um die Drucksachenverwaltung beinhaltet. Produktion, Lagerung und Auslieferung auf Abruf. Wir bewirtschaften und organisieren für Kunden Drucksachen und artverwandte Produkte auf Abruf.

Sie sind der erste Nicht-Kromer in einer Spitzenfunktion in der Familien-AG, die jetzt in der 4. Generation geführt wird. Hat man da als Aussenstehender einen schweren Stand?

(Lacht). Wir haben uns darauf gut vorbereitet. Es war der Wille und das Interesse der Familie Kromer und mir, die Firma erfolgreich weiterzubringen. Diese Beziehung ist in den 20 Jahren, in denen ich hier arbeite, gewachsen. Seit 6 Jahren bin ich Mitinhaber der Kromer-Print AG.

Wollten Sie schon als Bub ein Unternehmen besitzen?

Nein, dafür komme ich aus zu einfachen Verhältnissen. Die Karriere war so nicht absehbar, sie hat sich entwickelt. (Lacht). Ich durfte zehn Jahre lang Management-Erfahrung sammeln, ohne die finanziellen Konsequenzen tragen zu müssen.

Wenn man Sie erlebt, so spürt man rasch: Da hat sich einer mit Haut und Haar dem Druckereibusiness verschrieben. Wie kommt das?

(Lacht). Ich sage meinen Leuten immer: Ich kann nichts anderes als das, also mache es richtig. Spass beiseite: Ich bin mit viel Herzblut an der Arbeit, habe das Business auch von der Pike auf gelernt und alles ausser dem Drucken einmal selber gemacht. Mit dem Papier kann man alle Sinne ansprechen. Dass man dies mit einem hochindustriellen Prozess verbinden kann, finde ich sehr spannend.

Wann hat es Ihnen den Ärmel so richtig reingenommen?

Meine Mutter hat in einer Druckerei gearbeitet. Schon als kleiner Bub durfte ich dort aushelfen. Rasch war mir klar: Das ist es. Ich hatte einzig noch keine Ahnung, welchen Beruf in der Druckbranche ich lernen wollte. Ich habe mich dann für eine Schriftsetzerlehre entschieden.

Andy Amrein in seiner neuen Druckerei in Lenzburg.

«Darf eine SBB im Ausland produzieren lassen? Ich bin der Meinung nein»

Andy Amrein in seiner neuen Druckerei in Lenzburg.

Stets wird von papierloser Kommunikation geredet. Und Sie kaufen eine millionenteure neue Druckmaschine.

Ich bin überzeugt, dass eine Kommunikation ohne Papier nicht möglich ist. Basis einer jeden guten Kommunikation ist nicht zuletzt Papier. Papier ist ein verbindendes Element zu den Online-Kanälen. Kein Firmen-Brand kommt ohne Papier aus. Ich frage Sie: Weshalb verschicken Online-Versandhäuser heute noch gedruckte Kataloge?

Wohin entwickelt sich die Branche?

43 Prozent der Betriebe sind in den letzten Jahren vom Markt verschwunden. Es wird künftig ein paar wenige mit einer gewissen Grösse geben. Daneben wird es Nischenanbieter geben, die als Spezialisten mit einer grösseren Marge erfolgreich arbeiten können. Diesen Strukturwandel erleben andere Branchen übrigens auch. Die Kromer Print AG ist gesamtschweizerisch tätig und möchte zu den Top-10-Kundendruckereien gehören.

Das ist schön und gut: Aber die Schweiz ist eine Hochpreisinsel. Selbst ein Bundesbetrieb wie die SBB lässt seine Kundenzeitschrift «Via» im Ausland drucken.

Für diese Frage gibt es verschiedene Betrachtungsweisen. Es gibt die politische Seite. Darf eine SBB im Ausland produzieren lassen? Ich bin der Meinung nein. Jedoch rein vom Druckauftrag her gesehen muss man eingestehen, dass wir in der Schweiz zumindest beim Rollendruck begrenzte Kapazitäten haben. Beim Bogendruck hingegen sind wir gegenüber dem Ausland absolut konkurrenzfähig. Ebenso beim Sortenmix, bei der Logistik und der Zuverlässigkeit.

Was macht Sie so zuversichtlich für die Zukunft der Kromer Print AG?

Auch wenn sich die Branche redimensioniert, so dürfen wir nicht vergessen, dass der Drucksachenmarkt in der Schweiz immer noch gut 3 Milliarden Franken schwer ist. Die Kromer Print AG hat ihren Umsatz seit der Jahrtausendwende verdreifacht und ist aktuell bei 22 Millionen Franken im Jahr.