Lenzburg
Mildes Urteil für angeklagte Traitafina-Mitarbeitende

Der Richterspruch ist gefällt: Zwei Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin der Traitafina AG sind vom Bezirksgericht Lenzburg schuldig gesprochen worden, die Feuersbrunst vom 13. November 2009 mitverursacht zu haben. Im Strafmass ging das Bezirksgericht jedoch deutlich unter die Anträge der Staatsanwaltschaft.

Toni Widmer
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Grossbrand in der Traitafina
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Grossbrand in der Traitafina

Aargauer Zeitung

Die Einzelrichterin des Bezirksgerichts Lenzburg, Danae Sonderegger, erachtet es als erwiesen, dass zwei Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin durch ihr fahrlässiges Verhalten den Grossbrand vom 13. November 2009 in der ehemaligen Traitafina-Produktionsstätte in Egliswil mitverursacht haben.

Die Verantwortung dafür hatten die drei Angeklagten - ein Produktionsleiter, eine Abteilungsleiterin und ein Linienführer - in der Verhandlung vom 3. April 2012 vehement abgestritten. Mit Ausnahme des Produktionsleiters, der sich für die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen als nicht zuständig erklärte, hatten zwar alle zugegeben, von einer sicherheitsrelevanten Manipulation an einer Fritteuse gewusst zu haben.

Mit einer Eisenstange war dort jeweils ein Schwimmer so blockiert worden, dass das Frittieröl abgepumpt werden konnte, bevor es sich abgekühlt hatte. Dieser Trick, in Verbindung mit einer Fehlmanipulation am Deckel der Fritteuse (weil er geöffnet worden war als das Öl brannte, wurde die Brandlöschanlage ausser Kraft gesetzt), hat nach Ansicht des Gerichts zur Katastrophe geführt.

Verteidiger hatten Freisprüche gefordert

Entgegen den Anträgen der Verteidiger, die alle auf Freispruch plädierten, vertrat das Gericht die Meinung, alle drei Angeklagten seien sich über die Gefährlichkeit der Manipulation im Klaren gewesen. Man habe um die Problematik gewusst, durch den Trick mit der Eisenstange aber Zeit sparen wollen, begründete Gerichtsschreiber Felix Widmer den Schuldspruch.

Die Verteidiger hatten vor Gericht insbesondere auch argumentiert, nicht die drei Angeklagten seien die wahren Schuldigen. Die Sicherheitsvorschriften seien in der Traitafina AG damals allgemein nicht richtig instruiert und überprüft worden. Dafür seien nicht die Mitarbeitenden, sondern die Führungsriege der Firma verantwortlich. Doch letzhtere sei leider nicht angeklagt.

Das Gericht ging auf diese Argumentation nicht ein und nahm in der Urteilsbegründung dazu auch keine Stellung. Aufgrund des Strafmasses, das gegenüber den Anträgen der Staatsanwaltschaft in allen drei Fällen stark reduziert wurde, ist jedoch davon auszugehen, dass die mangelhafte Organisation in der Traitafina in der Urteilsberatung wohl doch eine Rolle gespielt hat.

Bedingte Geldstrafen ausgesprochen

Die zwei Männer und die Frau wurden alle zu bedingten Geldstrafen mit zwei Jahren Bewährung verurteilt. Der Linienführer zu 90 Tagessätzen à 80 Franken (Forderung der Staatsanwaltschaft: 150 Tagessätze à 80 Franken) und einer Busse von 1000 Franken, die Abteilungsleiterin zu 120 Tagessätzen à 90 Franken (240 Tagessätze à 70 Franken) und einer Busse von 2000 Franken, der Produktionsleiter zu 90 Tagessätzen à 90 Franken (180 Tagessätze à 90 Franken).

Die Zivilforderung der geschädigten Parteien (die Aargauische Gebäudeversicherung und eine damals in der Traitafina AG eingemietete Drittfirma) wurden auf den Zivilweg verwiesen. Die Gerichtskosten haben die Verurteilten anteilsmässig zu übernehmen.

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