Lenzburg
Meitli sollen Freischaren im Manöver zum sicheren Sieg verhelfen

«Unser Sieg ist nur noch Formsache, er wird in aller Munde sein.» Vollmundig stellt der neue Freischarengeneral den Umsturz einer 160-jährigen Lenzburger Tradition in Aussicht – und das ausgerechnet am Freitag dem 13.

Heiner Halder
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Der neue Freischaren-General Stephano il Notaio ex Pralino in Gala-Uniform gibt sich siegessicher.

Der neue Freischaren-General Stephano il Notaio ex Pralino in Gala-Uniform gibt sich siegessicher.

HH.

Was all seinen Vorgängern trotz aller Kriegslist und Tücke nicht gelungen ist, will der neue Grosse Führer am diesjährigen Jugendfest-Manöver bewerkstelligen. Was ausser Grössenwahn bringt ihn zu dieser wahnwitzigen Vision?

Geschmack am leichten Sieg haben die Lenzburger Freischaren am Meitlisonntag vom 15. Januar 2012 in Fahrwangen-Meisterschwanden gewonnen. Als geladene Gäste am Jubiläumsumzug mimten sie die Truppe des Obersten Tscharner. Der alte Herr von Hallwyl war dem Berner Heerführer mit seinem gesammelten Weibervolk zu Hilfe geeilt und hatte die katholischen Urkantönler mit Getöse glauben lassen, ein ganzes Heer falle ihnen in den Rücken. Zum Dank verlieh Tscharner den wackeren Kämpferinnen das Recht auf drei Tage Weiberherrschaft über das Männervolch.

Mit Grasbogen Jagd auf Kadetten

Mit dieser Kriegslist also will Stephano il Notaio ex Pralino 300 Jahre später bei den Scharmützeln auf der Schützenmatte die Kadetten ins Bockshorn jagen. Eine lautstarke Weibertruppe wird aus dem Seetal anreisen und voll ausgerüstet mit Heugabeln, Rechen und Grasbogen auf die Jagd nach knackigen Kadetten gehen.

Der Pakt wurde an einem Gipfeltreffen mit konspirativem Gedankenaustausch in Seengen bei Kanonendonner von Stephano und seinem willfährigen Präsidenten Martino del Monte Bello geschlossen.

Rekordzahl an Söldnern

Zusätzlich ziehen 535 Freischaren, darunter auch furiose Flintenweiber, ins Feld. Diese Rekordzahl an Söldnern rekrutiert sich aus der bunt gelumpten Truppe von Janitscharen und mit kurzflorigen Pelzmützen und Kosaken-Knickerbockern gewandeten Bojaren, geschniegelten Spaniern und schamlosen Schotten in Miniröcken, grün-gelben Franzosen 1789 (Artillerie) und blütenweissen Beduinen (Kavallerie), gestylten Monegassen und urigen Indianern, verführerischen Zigeunerinnen (Marketenderinnen) und beleibten Köchen, Stadtgardisten (sie durften die unästhetischen Leggins mit weissen Pluderhosen tauschen) und blau-weissen Schlossgardisten (Tambouren) sowie Original-DDR-Marine-Matrosen (Freischarenmusik).

Generalissimus als Paradiesvogel

Der junge Generalissimus gefällt sich in der Gala von Wallenstein, prunkt in Samt und Seide und trägt auf dem stolz erhobenen Haupt einen Hut mit Federbusch – wahrlich ein Paradiesvogel.

Die französischen Regimentsoffiziere von Infanteriestab und Fourgon-Eskorte protzen mit Epauletten, der Fahnenzug als Schweizergarde französischer Könige mit Turmhüten. Das ganze grosse bunte Völkergemisch kann von der Freischaren-Gwandmeisterin heuer zum ersten Mal autark ausstaffiert und konfektioniert werden.

Dieses Jahr wird zudem mit der Freischarenpatrone 12 ein neuer Munitionstyp zum Einsatz gelangen. «Absolut mit dem Haager Abkommen, Unterabschnitt Freischarenwesen, konform», betont Commissions-Präsident Martin Steinmann.

Dass dieses Jahr nur noch ein Reiterzug rekrutiert wurde und die Beduinen auf ein Dutzend reduziert wurden, wiegt die Aufstockung der Fusstruppen und der Freischarenküche auf.

Die Schaffung der Abteilung Cortège Sécurité als Freund und Helfer der Polizei für die Sicherheit bei Umzug und Gefecht sowie die Konzentration des Schlachtfeldes hinter dem Gofi lassen das grosse Freilicht-Spektakel für die vielen erwarteten Zuschauer einmal mehr zum unvergesslichen Erlebnis werden.

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