Fahrwangen

Meitli an die Macht: Für Cordula Frey und Tochter Melissa Frey beginnt die schönste Zeit im Jahr

Spitzenklasse: Cordula (l.) und Melissa Frey sind bereit für den Meitlisonntag.

Spitzenklasse: Cordula (l.) und Melissa Frey sind bereit für den Meitlisonntag.

Als Cordula Frey noch in Wohlen wohnte, wo sie aufgewachsen ist, kannte Cordula Frey den Meitlisonntag noch nicht. Erst durch ihren Mann, einen Fahrwanger, kam sie mit dem Brauch in Kontakt. «Es war ein Treffen für Jung und Alt.»

Weiss fallen die Flocken in Fahrwangen. Und ganz in Schwarz trippeln elegant gekleidete Frauen durch den Schnee. Es ist Donnerstagabend, die Frauen sind unterwegs zur Generalversammlung der Meitli-Sonntag-Vereinigung. Sie ist der Auftakt zu den Meitlitagen, einem alten Brauch, bei dem die Damen bis zum Sonntagabend das Dorf regieren. Das Gleiche geschieht in der Nachbargemeinde Meisterschwanden. Unter den Frauen sind Cordula Frey und ihre Tochter Melissa. Wie alle Frauen, die im Primarschulhaus zur GV eingetroffen sind, haben sie sich sorgfältig geschminkt und in Spitze gehüllt. Beide tragen ein Hütchen, Melissa hat sich von einer Freundin noch dazu eine kunstvolle Frisur machen lassen.

Auch als sie noch nicht verheiratet war, kam Cordula Frey (53) regelmässig für die Meitlitage nach Fahrwangen. «Es war ein Treffen für Jung und Alt», sagt sie. Cordula Frey mochte die Geselligkeit, das Tanzen. Und die Kleider! Die schwarzen, spitzenbesetzten Roben, in denen sich die Damen grazil, aber bestimmt durchs Dorf bewegen und in verschiedene Restaurants einfallen. «Die Frauen in diesen Kleidern fand ich schon immer faszinierend, das ist so ein schönes Bild», sagt Frey. 1994 zog sie nach Fahrwangen und zögerte keine Sekunde, um auch Teil des Brauchs zu werden. Um bei der Meitli-Sonntag-Vereinigung mitzumachen, müsse man an der Generalversammlung teilnehmen, und schon sei man dabei.

Vorfreude auf die Damenwahl

Grössere Anstrengung dagegen bereitete Frey die Beschaffung eines geeigneten Gewands. «Am Anfang bin ich von Brocki zu Brocki gerannt», sagt Cordula Frey. Als sie für ihre ersten Meitlitage nichts Geeignetes fand, durfte sie einen Rock der Mutter übernehmen. Für das erste Hütchen wurde sie in der Hutfabrik Hägglingen fündig. «Den Rock der Mutter trage ich immer noch», sagt Frey.

Doch mittlerweile hat sie eine ganze Meitligarderobe. Denn sie hat stets die Augen offen, nach eleganten schwarzen Kleidungsstücken. «Man sieht immer wieder etwas Neues oder noch Besseres.» Die Meitli zeigen sich an ihren Tagen schliesslich gern in verschiedenen Outfits. Und das nicht nur aus Gründen der Eitelkeit, denn beim Tanzen wird mächtig geschwitzt.

Cordula Frey liebt das Tanzen. «Ich freue mich am meisten auf die Damenwahl», sagt sie und lacht. Das sei ja sonst nirgends so. «Da können sich die Männer nicht drücken.» Welches ist denn ihr Lieblingstanz? «Das spielt keine Rolle, ich kann alles», sagt sie und lacht wieder. «Ich tanze so gern!» Und sie mag nicht nur das Tanzen, sondern auch die Gespräche, die man dabei führen kann. «Es gibt so viele schöne Begegnungen.» Und an ihren verschiedenen Tanzpartnern merke sie auch, wie beliebt der Brauch heute noch ist. «Es gibt viele, die wohnen schon lange nicht mehr in Fahrwangen, aber kommen extra nach Hause.» Sogar aus dem fernen Ausland. «Ich habe einmal mit einem getanzt, der in Kanada wohnt.»

Cordula Frey ist stolz auf den Brauch, den sie mitpflegt. Und auf ihre 23-jährige Tochter, die selbstverständlich mit dem Brauch aufgewachsen ist und die, als sie ihre Lehre als Coiffeuse abschloss, ihre Vertiefungsarbeit über den Meitlisonntag geschrieben und dabei viel Neues erfahren hat. «Zum Beispiel, dass der Meitlisonntag früher in einer wärmeren Jahreszeit stattfand», sagt Melissa Frey. Seit sie 18 Jahre alt ist, ist sie auch dabei. Als Mädchen hat sie ihrer Mutter bei den Vorbereitungen geholfen und darauf geplangt, auch endlich mitmachen zu können. Heute wohnt sie nicht mehr in Fahrwangen, kehrt aber wie viele für den Brauch in die Heimat zurück.

Am Sonntagabend, bevor die Frauen ihre Vormachtstellung wieder abgeben müssen, wird noch Schabernack getrieben und das Dorfgeschehen auf die Schippe genommen. «Doch am Sonntagabend ist es das Problem, dass viele Leute schon früh heimgehen», sagt Frey. Deshalb haben die Fahrwanger Meitli auch schon am Samstag etwas Lustiges vorbereitet. Letztes Jahr haben sie sich passend zum Verkehrsstau im Dorf – verursacht durch die Rügel-Baustelle – als Baustellenarbeiter verkleidet. Und auch dieses Jahr widmen sie sich einem Thema aus dem Dorf, das aber noch geheim bleiben soll.

Der Meitlisonntag 2019 findet im kleineren Rahmen statt, alle vier Jahre kommt zum Programm noch ein Umzug dazu. Trotzdem, wie kaputt sind die Frauen nach diesen anstrengenden Tagen voller Tanz und Trubel? «Kommt darauf an, wie fest man es übertreibt», sagt Cordula Frey. Beide Damen beteuern, jeweils nicht allzu lange zu bleiben.

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