«Es sind genug ‹Zeiten› repariert und verkauft worden, meine Frau und ich möchten mehr Zeit für uns und unsere Freunde haben», begründet der Inhaber der Manufaktuhr Hauri den bevorstehenden Ladenschluss. Das aktuelle Warenlager wird zu reduzierten Preisen ausverkauft. Damit endet eine Erfolgsstory in der wechselhaften Wirtschaftsgeschichte der Altstadt, mustergültig dank Können, Qualität und Kulanz.

1996 gab der eidg. dipl. Uhrmacher eine Top-Anstellung in Bern auf und eröffnete an der Rathausgasse 7 sein eigenes Geschäft. Das «Lädeli» von 20 Quadratmetern hat der vielseitig begabte Handwerker selber umgebaut. «Hätte ich damals gewusst, welch ein Kampf mich hier erwartet, hätte ich diesen Schritt wohl nie gemacht», blickt Hauri auf die Anfänge in Lenzburg zurück. Jahrelang hatte er gegen die Krebskrankheit gekämpft, aber nie aufgegeben.

«Durchhalten ist gefragt, ehrlich sein und nicht geizig zu den Kunden», lautete die Devise. Der geschäftliche Erfolg sei erst nach zehn Jahren so langsam gekommen und definitiv mit dem Umzug in das neue Geschäft. Hauri nutzte die Gelegenheit, als 1999 weiter oben in der Gasse im Neubau Nr. 29 ein grosszügiges, modernes Lokal mit Chic zur Vermietung stand. Endlich hatte die «Manufaktuhr» nicht nur genug Platz, sondern auch das ihr zustehende exklusive Cachet. Selbstverständlich legte er bei der Möblierung und den eleganten Vitrinen wiederum selber Hand an oder liess sie nach eigenen Plänen anfertigen: «Was mir Spass gemacht hat, war anders zu sein als alle anderen Uhrengeschäfte.»

So erreichte Hauri mit den selber gestalteten Schaufenstern in der Lenzburger Rathausgasse geradezu «Bahnhofstrasse-Zürich-Qualität». Entsprechend war auch das Angebot vor allem an mechanischen Armbanduhren exquisiter Marken vorzüglich aus traditionellen kleineren schweizerischen Familienbetrieben.

Mit berechtigtem Stolz weist Josef Hauri auch auf seine eigene erfolgreiche Produktion unter dem Label «Manufaktuhr» hin – Unikate in kleinen Serien; aktuell stehen noch vier Modelle zu je fünf Stück zur Verfügung: für Motorrad-Fans, Pferde-Liebhaber oder Ford-Mustang-Fahrer. Dass der Perfektionist mit seiner reichen Erfahrung in Zusammenarbeit mit Gattin Margrith Hauri auch die Kundenpflege nicht vernachlässigte – «es sind wirklich alle willkommen» – versteht sich von selbst.

Junger Uhrmacher in Altstadt

Hat Lenzburg eine Zukunft? Über die Situation im Einkaufszentrum Altstadt hat sich Josef Hauri schon so seine Gedanken gemacht. Ja, sagt er. Es sollten noch mehr Geschäfte für junges Publikum und normale Portefeuilles mit neuen Produkten und Ideen entstehen. Als grösstes Potenzial sieht er die Gastronomie. In eigener Sache wünscht sich Josef Hauri einen jungen Uhrmacher; er würde ihm mit günstigen Konditionen entgegenkommen.