Regionalpolizei
Mehr Menschen ergo mehr Rechtsmissbräuche: Häusliche Gewalt fordert Polizei

24 Polizisten für 58'700 Menschen und keine Trendwende in Sicht: Die Regionalpolizei hat ein arbeitsintensives Jahr 2018 hinter sich. Mit dem Bevölkerungswachstum nehmen auch Rechtsmissbräuche zu.

Ruth Steiner
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Bisheriger Ressortvorsteher Stadtrat Martin Steinmann, Gefreite Sonja Schweizer, die neu zuständige Frau Vizeammann Franziska Möhl und Chef Repol Ferdinand Bürgi (von links).

Bisheriger Ressortvorsteher Stadtrat Martin Steinmann, Gefreite Sonja Schweizer, die neu zuständige Frau Vizeammann Franziska Möhl und Chef Repol Ferdinand Bürgi (von links).

zvg

Ferdinand Bürgi und seine Mitarbeitenden haben ein arbeitsintensives Jahr 2018 hinter sich, wie der Repol-Chef kürzlich beim Jahresrapport erklärte. Das Einsatzgebiet der Regionalpolizei Lenzburg umfasst seit dem Zusammenschluss mit der Regionalpolizei Seengen vor vier Jahren 22 Gemeinden. Die Wohnbevölkerung im Einsatzgebiet steigt von Jahr zu Jahr. «Wir haben ein Korps von 24 Polizisten, welche für die Sicherheit von 58'700 Menschen sorgen», sagt der Chef der Regionalpolizei, Ferdinand Bürgi. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Die Bilanz des Einsatzjahres 2018 der Repol präsentiert sich grossenteils als Spiegel der Bevölkerungsentwicklung: Die Zahlen zeigen in eine Richtung – nach oben. In den Augen von Bürgi ist das grundsätzlich nichts Aussergewöhnliches. «Immer mehr Leute auf zunehmend enger werdendem Raum führen zu einer sinkenden Toleranz und zu mehr Friktionspunkten im täglichen Zusammenleben.»

Das sei kein regionalspezifisches Phänomen, sondern eine ganz normale Erscheinung, die sich in der täglichen Polizeiarbeit «ungeschminkt» zeige, hält der Repol-Chef fest. Das führe auch dazu, dass Polizisten längst nicht mehr nur reine Ordnungshüter seien. Vielmehr agierten sie heute als Vermittler oder Mediator in Situationen, die zu eskalieren drohten. Bürgi folgert: «Diese Phänomene erfordern ein immer grösser werdendes Anforderungsprofil an die Sozial- und Fachkompetenz unserer Polizistinnen und Polizisten.» So haben beispielsweise die Fälle, in denen die Polizei wegen häuslicher Gewalt ausrücken und anschliessend der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Bericht erstatten musste, um über 20 Prozent zugenommen.

Bürgi spricht von einer 24-Stunden-Gesellschaft. Deren Auswüchse bereiten dem Repol-Chef Sorgen. «Mobilität, Stress, Erfolgsdruck, aber auch Macht und Gier machen ein harmonisches Zusammenleben der Gesellschaft zunehmend zu einer Herausforderung.» Persönliche Bedürfnisse und Ansprüche würden vom Bürger durchgesetzt – wenn nötig auch mit juristischen Mitteln. Als Beispiel nennt Bürgi die Situation im Strassenverkehr. «Wurden ausgestellte Bussenzettel vor Jahren noch akzeptiert, so ist heute eine Einsprache schon fast an der Tagesordnung, vor allem dann, wenn es sich um höhere Bussen handelt.»

Das sind die wichtigsten statistischen Zahlen der Repol Lenzburg des vergangenen Jahres:

  • Rund 20 000 Stunden waren uniformierte Polizeikräfte 2018 im Einsatz (gegenüber dem Vorjahr + 6 Prozent).
  • 2661 Anzeigen ergingen an die Staats- oder an die Jugendanwaltschaft (+ 296).
  • 118 Mal erfolgte ein Bericht wegen häuslicher Gewalt an die Kesb (+ 22).
  • 1020 Stunden wurden Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Das sind pro Mitgliedsgemeinde vier Stunden monatlich (+ 93 oder 0,5 Stunden/Monat).
  • 4162 Kindern wurden insgesamt 935 Stunden Verkehrsunterricht erteilt (– 152 Kinder).
  • 534 Veranstaltungen, davon 13 Grossanlässe mit mehr als 5000 Gästen, fanden im Einsatzgebiet der Repol statt. (– 16).

Weniger Einbrüche

Mit positiven Meldungen aufwarten kann die Repol Lenzburg, was die Einbrüche anbelangt, vor allem im Wohnbereich. Ob es Zufall ist oder ob mögliche Tätergruppen ausblieben, kann Ferdinand Bürgi nicht sagen. Er ist jedoch überzeugt, dass die Zusammenarbeit von Regional- und Kantonspolizei im Präventionsbereich spielt. «Als bürgernahe Polizei versuchen wir in den Quartieren, Einkaufsläden und Hotspots Präsenz zu zeigen», sagt er. Zu den Hotspots gehören in Lenzburg das Pfadiheim, aber auch der Bahnhof und die Schulareale. Das sind aktuell die bevorzugten «Hängerorte» der Jugendlichen. Dieses Problem hat sich jedoch leicht entschärft, seit die Freizeitanlage Hammerpark vor fünf Jahren in Betrieb genommen wurde.

Mit der Reorganisation der Stadtverwaltung erhält die Repol eine neue Führung. Stadtrat Martin Steinmann übergab den Stab an Vizeammann Franziska Möhl. Zudem wurde Polizistin Sonja Schweizer zur Gefreiten befördert.

Die Regionalpolizei Lenzburg wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Auf den 1. Januar 2022 stossen Hunzenschwil und Rupperswil dazu. Die Gemeindeversammlungen haben im letzten Jahr den Austritt aus dem Verbund der Repol Suret und den Beitritt zur Repol Lenzburg beschlossen.

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