Weder der leichte Nieselregen noch das starke Verkehrsaufkommen am frühen Morgen vermögen Adolf Egli etwas anzuhaben. Am Schluss seiner 17 Jahre dauernden Amtszeit als Schofiser Gemeindeammann will er sich beim Schoren-Kreisel ablichten lassen. Im Hintergrund das neue Verteilzentrum mit der Grossbäckerei von Coop. Eröffnet im Juni 2016. Auch die Kleidung hat Egli sorgfältig gewählt. Leger. Die zwei obersten Knöpfe des gestreiften Hemdes stehen offen.

Die zu den grössten Detailhändlern der Schweiz gehörende Coop Genossenschaft hat zwischen Hunzenschwil und Lenzburg in der Schofiser Arbeitszone rund 600 Millionen Franken investiert. Es war die grösste private Baustelle der Schweiz. Sie habe nicht nur Coop, sondern auch den Gemeinderat Schafisheim und seinen Ammann zeitweise stark beschäftigt, sagt Egli. Und die Gemeinde musste tief in den Geldbeutel greifen. Rund zehn Millionen Franken kostete der Ausbau Wasser-, Abwasser- und Elektrizitätswerke. «Deren Kapazitäten mussten praktisch verdoppelt werden», erklärt Egli. Doch auch ohne Coop hätte man die Werke ausbauen müssen. Schofise habe auf Jahrzehnte hinaus die Rahmenbedingungen geschaffen für den weiteren Ausbau der Industrie – von heute rund 4500 Arbeitsstellen auf 6000. Egli bezeichnet es «als das bedeutendste Projekt meiner Amtszeit».

Problem Verkehr

Doch war Coop nicht die einzige Baustelle ausserhalb des Dorfes in der Industrie Schoren: Die grossen Verkehrsprobleme auf den Zufahrtsstrassen zur Autobahn A1 und der Verbindungsstrasse T5 Wildegg – Aarau mussten endlich gelöst werden. «Die Strassen, insbesondere der Knoten Schoren waren schon lange überlastet», erklärt Egli. Stolz schwingt in Eglis Stimme mit, wenn er von den miteinander verflochtenen Mega-Projekten spricht. Im Rückblick sei es eine äusserst fruchtbare Zusammenarbeit mit Coop, dem Bundesamt für Strassen (Astra), Kanton und den Nachbargemeinden gewesen. Wirklich? Oder verblendet die Zeit Eglis Blick auf die Geschichte ein wenig? Egli lacht. Nein, er beschönige rein gar nichts. Natürlich sei unter den Parteien hart um Entscheidungen gerungen worden – am extra ins Leben gerufenen runden Tisch und in weiteren unzähligen Sitzungen. «Wir haben es jedoch stets fertiggebracht, auf dem Verhandlungsweg zu Lösungen zu kommen.»

Seit Januar 2001 ist Dölf Egli in Schofise Ammann. Ende Jahr ist Schluss. «Laut unserer Dorfchronik bin ich seit der Kantonsgründung derjenige, den die Schofiser am zweitlängsten ertragen mussten», sagt er und schmunzelt. Er sitzt in seinem Büro im ersten Stock des Gemeindehauses und blickt zurück auf seine politische Arbeit und die Entwicklung der Gemeinde Schafisheim. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er in einem Interview mit der Aargauer Zeitung erklärt, es sei nicht sein Ziel, es allen recht zu machen. Und: «Mit Vetternwirtschaft habe ich nichts am Hut.» Mit diesem Aussagen konfrontiert, muss Egli lachen. «Das würde ich heute noch unterschreiben», sagt er und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Hart in der Sache, schmiegsam in der Art.» Genau so wie es der damalige Kommandant der Kantonspolizei Aargau, Oberst Dr. Felix Simmen, dem jungen Polizisten Dölf Egli eingebläut hatte.

Problem Schulhausbau

Beruflich ist Kantonspolizist Adolf Egli die Leiter hoch gestiegen bis zum Chef der Betäubungsmittelgruppe der Kripo Aargau und damit zum obersten Drogenfahnder im Kanton. Seit vier Jahren ist er pensioniert, seine drei Söhne haben Egli längst zum zweifachen Grossvater gemacht.

Etwas jedoch ist seit dem Amtsantritt gleich geblieben: Noch immer bläst er den Bass im Spiel der Kantonspolizei. Wie oft hat er den Schofisern in dieser Zeit den Marsch geblasen? Nie. Das hätten sich die Leute wohl kaum gefallen lassen, meint er schmunzelnd. Umgekehrt hat er hingegen einen rechten Tiefschlag einstecken müssen. Die Wintergmeind 2014 hat Spuren hinterlassen. Hässig sei er gewesen und beelendet habe es ihn, als die Stimmbevölkerung den Projektierungskredit für das aufgegleiste neue Schulhausprojekt Lena unschön «beerdigte» und eine günstigere Variante forderte. «34 Gemeindeversammlungen habe ich präsidiert, eine davon ist unanständig ausgeartet», zieht er Bilanz. Noch heute ist Dölf Egli überzeugt, dass man das gelbe Schulhaus mit einer zusätzlichen guten Million hätte sanieren und darin modernen Schulraum schaffen sollen. Es kam anders. Eine halbe Million Franken hat der Abbruch des Projekts gekostet.

Dass in seiner Amtszeit der Steuerfuss in der Gemeinde von 114 auf 98 Prozent gesunken ist, sei nicht sein Verdienst, erklärt Egli. «Schofise profitiert von seiner Lage im Speckgürtel des Kantons.» Die Steuern seien dank der juristischen Personen geflossen. Bei den natürlichen Personen bewege sich die Gemeinde «im unteren Mittelfeld».

Heute Abend präsidiert Adolf Egli zum letzten Mal die Schofiser Gemeindeversammlung. Auch wenn er jetzt abtrete, sei Schafisheim noch lange nicht fertig gebaut, sagt er und zählt die grossen Projekte auf, die auf seinen Nachfolger Roland Huggler warten: Die neuen Alterswohnungen, die Ostumfahrung Suhr und die Ostumfahrung von Schafisheim sowie der Kiesabbau zwischen Schafisheim und Staufen gehören dazu.