Schafisheim

Maschinenbauer aus Namibia: «Die Zeit in der Schweiz hat mich sehr verändert»

Dario Di Domenico erklärt Tomas Shikongo (rechts) die Montage.

Dario Di Domenico erklärt Tomas Shikongo (rechts) die Montage.

Der Namibier Tomas Shikongo macht als erster ausländischer Maschinenbaustudent ein Praktikum bei der Ferrum AG und macht dabei lebensverändernde Erfahrungen.

«Ich hätte nicht gedacht, dass ich einfach so neben weissen Menschen stehen und mit ihnen reden kann», sagt Tomas Shikongo. Der junge Namibier lächelt. Er ist der erste Maschinenbau-Student, der im Rahmen des Vereins «B360» ein dreimonatiges Praktikum in der Firma Ferrum AG in Schafisheim absolviert.

Anders als an der Uni könne er bei der Arbeit praktische Erfahrungen sammeln, so der 22-Jährige, der seit 2012 am «Polytechnic of Namibia» studiert. Das gefalle ihm sehr. Auch für die Ferrum AG ist der Austausch ein Erfolg. Es ist das erste Mal, dass die Firma, die unter anderem Dosen-Verschliessmaschinen herstellt, einen Praktikanten der Non-Profit-Organisation «B360» betreut. «Tomas war vom ersten Tag an Teil des Teams. «Er lernt schnell und versteht sich mit allen gut», sagt sein Vorgesetzter Daniel Voss.

Schauen Sie Tomas Shikongo bei der Arbeit in der Ferrum AG über die Schulter.

Schauen Sie Tomas Shikongo bei der Arbeit in der Ferrum AG über die Schulter.

Kein Kulturschock

Am Anfang habe man Shikongo noch nicht an die teuren Maschinen gelassen. Schnell habe man bei der Ferrum AG aber gemerkt, dass der Student mehr kann. «Man könnte meinen, er sei einer der 3.-Jahr-Lehrlinge, die hier jeweils ein Praktikum machen», sagt Daniel Voss. Vor dem Austausch war man bei der Ferrum AG noch ein wenig skeptisch. «Ich dachte, er würde einen totalen Kulturschock erleben.» Doch der 22-Jährige habe sich sofort mit allen verstanden, auch privat. «Einmal in der Woche nehme ich ihn mit zum Fussballtraining. Er hat sich von Anfang an im Team integriert», erzählt sein Betreuer Dario Di Domenico. Auch zu seiner Gastfamilie, Familie Schmid aus Küttigen, hat der Namibier sofort einen Draht gefunden. «Wir waren vom ersten Moment an eine richtige Familie», sagt Tomas Shikongo.

Doch der Aufenthalt war nicht immer leicht. «Am Anfang war es sehr hart für mich». Vor allem die Sprache machte ihm zu schaffen. Inzwischen hat er sogar ein wenig Schweizerdeutsch gelernt. «Es esch alles guet», sagt der Namibier strahlend.

Bald wird Tomas wieder in seiner Heimat zurück sein. «Es war so eine kurze Zeit. Ich habe das Gefühl, etwas zurück zu lassen», sagt der 22-Jährige mit traurigem Blick. Er sei von Europa positiv überrascht. «Es ist unglaublich, hier fährt man mit dem CEO im gleichen Bus und kann mit Politikern reden. Alle sind gleichviel Wert», sagt er. In Namibia würden Schwarze und Weisse getrennt leben, die Chefs seien isoliert, mit ihnen sprechen könne man nicht. «Ich habe gedacht, das wäre auch hier so.» Nicht nur deshalb werde er die Schweiz vermissen. «Die Fahrradtouren», so Shikongo, «die gefallen mir sehr.» Bereits am zweiten Tag ist er mit dem von Ferrum AG zur Verfügung gestellten Bike nach Hause nach Küttigen gefahren. «Wir machten uns Sorgen, ob er den Weg findet», sagt Dario Di Domenico. Doch der Student kam ohne Probleme an. «Es gibt hier ja Schilder für die Fahrradwege», sagt Tomas Shikongo und zuckt mit den Achseln. «In Namibia sind solche Touren zu gefährlich. Man würde wahrscheinlich von einem Auto überfahren werden.»

Die Zeit in der Schweiz habe ihn sehr verändert, sagt der 22-Jährige. Er habe neue Interessen, sehe die Arbeit jetzt auf eine andere Art und Weise. «Es ist schwierig, meiner Familie in Namibia von meinen Erfahrungen zu erzählen. Wenn sie dieselben Vorstellungen von Europa haben, wie ich sie hatte, werden sie es nicht verstehen.»

Konkrete Pläne für die Zukunft habe Shikongo noch nicht. Jetzt heisst es erst einmal, die letzten Tage in der Schweiz zu geniessen. Ende Woche reist der 22-Jährige wieder in seine Heimat zurück. Dort wird er erst einmal sein Studium abschliessen. Bis 2017 dauert seine Ausbildung am «Polytechnic of Namibia» noch. «Wir werden ihn alle vermissen», sagt Dario Di Domenico. Daniel Voss und Mitarbeiter Simon Hirt nicken. Sie haben sich bereits ein Abschiedsgeschenk für ihren Praktikanten ausgedacht. «Ein Sackmesser mit seinem Namen und ein Trikot seines Lieblings-Fussballvereins FC Chelsea», verrät Di Domenico. Dank dieser Geschenke soll sich Tomas immer an die Zeit bei der Ferrum AG erinnern.

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