Lenzburg
Martin Walker: «Meine Krimis sind ein Liebesbrief ans Périgord»

Der Schotte Martin Walker, dessen fünfter Krimi mit Bruno, dem Chef de Police, schon nach wenigen Wochen die Bestsellerlisten hochkletterte, las im Müllerhaus. Dabei verriet er, weshalb es bei Lenzburg nicht ganz reicht für einen Krimi-Roman.

Fritz Thut
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Martin Walker beim Signieren nach der Lesung im Müllerhaus.tf

Martin Walker beim Signieren nach der Lesung im Müllerhaus.tf

Bruno, der Gemeindepolizist in einem fiktiven Städtchen der französischen Region Périgord, hat auch in der Umgebung von Lenzburg eine grosse Fan-Gemeinde. Entsprechend zahlreich pilgerten am Montag Krimi-Fans ins Müllerhaus zur ersten deutschsprachigen und wohl einzigen Autorenlesung in der Schweiz zu Martin Walkers neuestem Werk «Femme fatale».

Der «Vater» von Bruno zeigte sich in Lenzburg gut gelaunt und unterhielt der die Zuhörer aufs Beste. Er wurde dabei optimal unterstützt von Fernseh-Moderatorin Monika Schärer als Gesprächsleiterin und Schauspieler Thomas Sarbacher, der drei Kapitel auf Deutsch las. Die Veranstaltung gehörte zur Reihe der SWL-Krimi-Lesungen.

Zeitgeschehen verquickt mit Idylle

Die anfängliche Feststellung, dass sein eigenes Deutsch «ein wenig eingerostet» sei, erwies sich als völlig unnötige Schutzbehauptung. In blumigen Worten schilderte Walker, wie es ihm das östlich von Bordeaux gelegene Périgord und seine Bewohner sofort angetan hatten.

«Es handelt sich hier um das kulinarische und historische Zentrum von Frankreich», umschreibt der studierte Historiker seine zweite Heimat.

In Lenzburg («Ich bin hoffentlich nicht das letzte Mal hier.») verriet der Bestseller-Autor, dass ihm persönlich das beschauliche Leben in der landschaftlichen und ländlichen Idylle zwar wahnsinnig passt, dort aber für einen spannenden Roman zu wenig passiert.

So verquickt Walker die ruhige Périgord-Kulisse mit ausgedachten Fällen zu aktuellen Themen. Und so kommen in «Femme fatale» spekulative Immobilien-Tricksereien, undurchschaubare Rüstungsgeschäfte und Edel-Prostitution vor.

Doch in den Bruno-Büchern spielt die Spannung hinter feinen Schilderungen seiner Umgebung die zweite Rolle: «Meine Krimis sind immer auch ein bisschen ein Kochbuch und ein Liebesbrief an Frankreich und speziell das Périgord.»

Ein echtes Vorbild

Im Gegensatz zum Schauplatz Saint-Denis, den sich Walker aus verschiedenen Périgord-Städtchen zusammengeschustert hat, gibt es für Bruno ein echtes Vorbild: Pierrot ist nicht nur Dorfpolizist mit zahlreichen Eigenschaften, die auch Bruno auszeichnen, sondern Tennispartner des immigrierten Briten.

Pierrot wie Bruno sind zufrieden, wenn sie die kleinen und grösseren Fälle mit Menschlichkeit und nicht mit dem Anwenden der klassischen Werkzeuge der Staatsgewalt lösen können.

Martin Walker, der in Lenzburg auch als gestenreicher Vorleser von zwei Kapiteln auf Englisch brillierte, muss sich in seiner Wahlheimat seit kurzem vermehrt in Acht nehmen.

Erstmals wurde ein Bruno-Roman auf Französisch übersetzt und damit sehen sich Personen, die weiteren typischen Figuren wie dem Bürgermeister oder dem Baron zu Gevatter standen, in den Büchern wieder. Die Befürchtungen waren übertrieben: «In meinem Dorf wurden innert kurzer Frist 400 Bücher verkauft.»

Inzwischen ist Walker, der live viel vifer wirkt, als seine doch schon 66 Jahre vermuten liessen, in der französischen Provinz voll akzeptiert: «Ich bin heute so etwas wie der touristische Botschafter des Périgords.»

Zum Glück hat er noch Ideen für viele weitere Fälle. Und – wie er beim Signieren verriet – sind noch in diesem Monat mit der Fernsehstation ZDF Verhandlungen über die Verfilmung der bisherigen Bruno-Bücher anberaumt.

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