Sportlich unterwegs und zugleich tugendhaft geblieben: Marianne Wildi ist in den letzten Jahren auf dem nationalen Bankenparkett zur immer wichtigeren Playerin geworden: Vor zwei Jahren hat die IT-Spezialistin die «Hypi» zur digitalsten Bank der Schweiz geführt; im vergangenen Jahr wurde sie in den Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung gewählt und vor wenigen Tagen von den Lesern der «Finanz und Wirtschaft» zur CEO des Jahres 2018 erkoren.

Gleichzeitig hat Marianne Wildi ihre Hausaufgaben bei der «Hypi» nicht vernachlässigt. Die Hypothekarbank Lenzburg enttäuscht ihre Aktionäre auch im 151. Jahr ihres Bestehens nicht. Längst zur Routine geworden, hat die «Hypi» gestern als erste börsenkotierte Bank ihren Jahresabschluss 2018 vorgelegt. Dabei präsentierte sie ein solides, wenn auch nicht ganz so gutes Ergebnis wie im Vorjahr. Zwar konnte die «Hypi» ihren Geschäftsertrag gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent auf 80,2 Millionen Franken steigern. Der ausgewiesene Jahresgewinn hingegen sank leicht – von 22,1 Millionen auf 20,8 Millionen Franken. Zu Buche geschlagen haben nebst diversen Investitionen auch die zahlreichen Aktivitäten zum 150-Jahr-Jubiläum der Bank im Umfang von 1,8 Millionen Franken. Eine positive Auswirkung auf das Geschäftsergebnis hatte – wie bereits in den Vorjahren – die Auflösung nicht mehr notwendiger Wertberichtigungen in der Grössenordnung von 2,8 Millionen Franken. CEO Marianne Wildi wie auch Verwaltungsratspräsident Gerhard Hanhart betonten an der gestrigen Medienkonferenz, man setze bei der «Hypi» nicht um jeden Preis auf wachsendes Volumen, sondern strebe ein konstantes qualitatives Wachstum an. «Wir machen nicht jeden Preiskampf mit», sagte Wildi.

Drei Marken unter einem Dach

Die Bilanzsumme der Hypothekarbank Lenzburg konnte um 3,3 Prozent auf 5,2 Milliarden Franken gesteigert werden: Unter das Dach der «Hypi» gehören heute das traditionelle Retailbanking, das HBL Asset Management und das eigene Kernbankensystem Finstar. Die Bank ist gefordert: Sie hat den Spagat zwischen dem herkömmlichen Retailbanking und der digitalen Moderne zu meistern.

Mit 57,8 Millionen Franken Netto-Erfolg ist das traditionelle Zinsdifferenzgeschäft nach wie vor die Hauptertragsquelle der Bank. Dem weiter rückläufigen Zinsniveau (eine Trendwende ist nicht in Sicht) steht eine Ausweitung des Volumens gegenüber. Von den Ausleihungen im Umfang von 4,1 Milliarden Franken gehen rund 3,6 Milliarden Franken auf das Konto Wohnliegenschaften. Das entspricht einer Zunahme von 122 Millionen Franken. «Entgegen unseren Befürchtungen vor einem Jahr hat sich die Baukonjunktur in der Region nicht abgeflacht», erklärte VR-Präsident Hanhart. Die Hypotheken sind laut Wildi «zu 95 Prozent mit Kundengeldern refinanziert. Das ist aussergewöhnlich». – Nur leicht zugelegt hat die Bank bei der zweitgrössten Ertragsquelle. Die Kommissionserträge aus dem Dienstleistungsgeschäft stiegen auf 12,7 Millionen Franken an. VR-Präsident Hanhart sprach von «einem 2018, das in finanzwirtschaftlicher Hinsicht vielsprechend begonnen hat, im Verlaufe des Jahres jedoch zunehmend anspruchsvoller geworden ist». Unter diesen Gesichtspunkten sei das Resultat «ned eso schlächt usecho», sagte er.

Digitalstrategie forcieren

Das Kernbankensystem Finstar ist der dritte Ertragspfeiler der Bank. Der Ertrag aus Lizenzen und Serviceleistungen konnte um 21 Prozent auf 4,5 Millionen Franken gesteigert werden. Die Expansion im Informatikbereich und in die Digitalisierung erfordert zusätzliche Ressourcen: Die Personalkosten stiegen insgesamt um 5,3 Prozent, die Anzahl der Vollzeitstellen von 241 auf 263 (13 Lernende). In dieses Geschäft will die «Hypi» auch in Zukunft weiter investieren. «Wir wollen uns zu einem überregionalen Finanzdienstleister weiterentwickeln», macht Wildi die Absicht der «Hypi» deutlich. Dazu wurde Anfang Jahr eine «Finstar-Niederlassung» in Zürich eröffnet, die Entwicklungsabteilung in Lenzburg wurde aus dem Hauptsitz ins benachbarte «Schneeflöcklihaus» ausgelagert.

Für die Aktionäre ist nach dem Jubiläumsjahr wieder die Normalität eingekehrt: Es gibt die gewohnte ordentliche Dividende von 110 Franken. Die Generalversammlung findet wie üblich am 3. Samstag im März statt, das ist heuer am 16. März. Der gesamte Verwaltungsrat stellt sich zur Wiederwahl.