Lenzburg

Mann wird drei Jahre nach Tod von Ehefrau für Ohrfeige verurteilt

Der Mann hatte seiner Frau eine Ohrfeige verpasst (Symbolbild)

Der Mann hatte seiner Frau eine Ohrfeige verpasst (Symbolbild)

2008 hatte ein damals 38-jähriger Schweizer seiner Frau eine Ohrfeige verpasst. Dafür wurde er nun vom Bezirksgericht Lenzburg verurteilt – obwohl seine Frau bereits vor drei Jahren verstorben ist.

Auf den ersten Blick geht es «nur» um eine Ohrfeige. Doch der Fall, über den das Bezirksgericht Lenzburg gestern zu urteilen hatte, war komplexer. Denn die Ohrfeige liegt sechs Jahre zurück und das Opfer ist in der Zwischenzeit verstorben. Der Täter muss sich dennoch dafür verantworten.

«Eine unschöne Situation, doch es geht um schwere Übergriffe», sagte der Anwalt der Kläger vor Gericht. Bei diesen handelt es sich um die Eltern des Opfers. Deren Tochter Monika (alle Namen geändert) soll 2008 von Ehemann Ahmed auf das linke Ohr geschlagen worden sein. Das Trommelfell riss. Monika hörte darauf schlecht und litt an Pfeifen im Ohr. Drei Jahre später, am 6. Juli 2011, verstarb sie dann überraschend eines natürlichen Todes.

Ahmed akzeptierte Strafbefehl nicht

Monika Eltern wollten dennoch späte Gerechtigkeit und erstatteten wegen der Ohrfeige Anzeige gegen ihren Schwiegersohn Ahmed – auch, weil hinter dem Vorfall wiederholte häusliche Gewalt stecke. Ahmed soll Monika immer wieder geschlagen haben, so Familie und Freunde.

Die Staatsanwaltschaft verurteilte darauf Ahmed im Februar 2013 per Strafbefehl wegen einfacher Körperverletzung zu einer Busse von 300 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 30 Franken. Zudem wurden Ahmed Verfahrenskosten von rund 800 Franken aufgebrummt. Das wollte der 44-jährige Schweizer mit arabischen Wurzeln nicht akzeptieren und erhob Einspruch. Weil er danach gegenüber der Staatsanwaltschaft die Aussage verweigerte, wurde der Fall direkt an das Bezirksgericht überwiesen.

Verteidiger weist Vorwürfe zurück

Der Gerichtsverhandlung blieb Ahmed gestern fern und liess sich von seinem Verteidiger vertreten. Dieser brandmarkte den Fall als Rachefeldzug von Monikas Familie, die Ahmed seit der Heirat gehasst habe. Als «Araber» sei er der Familie «nicht gut genug gewesen». Der Anwalt wies alle Vorwürfe von häuslicher Gewalt zurück. «Mein Mandant hat seine Frau nie geschlagen.» Die Verletzung am Ohr sei die Folge eines Sturzes. Dabei habe die Frau den Kopf am Tisch angeschlagen. Der Verteidiger zog auch in Zweifel, dass die Ehefrau tatsächlich nach dem Vorfall gegenüber ihrem Arzt den Ehemann der Ohrfeige beschuldigt hatte: «Die entsprechenden Aussagen des Arztes sind widersprüchlich», so der Verteidiger, und verwies auf neue Dokumente.

Der Anwalt der Kläger wiederum bezeichnete all dies als «Behauptungen» und nannte die Ohr-Verletzung «schwerwiegend». Er beantragte deshalb eine Verurteilung wegen schwerer statt einfacher Körperverletzung.

Mehrere Fälle von häuslicher Gewalt?

Die zwei Zeugen, der Neffe des Angeklagten sowie eine frühere Kollegin von Ahmed, konnten wenig zur Klärung beitragen. Beide waren nicht dabei, als Ahmed seiner Frau die Ohrfeige verpasst haben soll. Sie beschrieben den Mann aber als aufbrausend und gewalttätig. Die Zeugen sprachen von mehreren Vorfällen häuslicher Gewalt, die sie jedoch nur gehört und nicht gesehen hatten.

Das Bezirksgericht unter Präsident Daniel Aeschbach wertete dies dennoch als klares Zeichen dafür, dass es wiederholt zu Handgreiflichkeiten kam und die Beziehung des Paares nicht harmonisch war, wie von der Verteidigung geschildert. Die Aussagen von Monikas Arzt seien zudem glaubwürdig. Das Gericht folgte deshalb weitgehend dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft und verurteilte Ahmed wegen einfacher Körperverletzung zu einer Busse von 100 Franken sowie einer bedingten Strafe von 15 Tagessätzen à 30 Franken. Zudem muss der Mann alle Verfahrenskosten zahlen.

Ob Ahmed das Urteil weiterzieht, ist offen. Seine Anwalt liess jedoch durchblicken, dass sein Mandant damit kaum einverstanden sei.

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