Einwohnerrat Lenzburg
«Manchen fehlt der Mut, für die Partei hinzustehen»: SVP fand nur mit Mühe Kandidaten

Viele Leute scheuen den zeitlichen Aufwand und die Verantwortung, die ein Einwohnerratsmandat mit sich bringt, sagt SVP-Präsidentin Edith Zeller.

Janine Gloor
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Fast alle wollen wieder: Nur gerade drei Rücktritte gibt es im Einwohnerrat Lenzburg zu verzeichnen. (Archiv)

Fast alle wollen wieder: Nur gerade drei Rücktritte gibt es im Einwohnerrat Lenzburg zu verzeichnen. (Archiv)

Pascal Meier

«Hinstehen für Lenzburg» lautet der Slogan der SVP Lenzburg für die Einwohnerratswahlen vom 26. November. Doch genau damit haperte es. Momentan hat die Partei im Einwohnerrat zehn Sitze, zur Wahl stellen sich zwölf Kandidaten. Vor vier Jahren waren es noch 18. Zum Vergleich: Die FDP nominiert 19 Kandidaten zur Wahl, momentan sind die Freisinnigen im Einwohnerrat mit acht Sitzen vertreten.

«Wir hatten Mühe, Kandidaten zu finden», sagt die Präsidentin der SVP Lenzburg, Edith Zeller. Hauptargument gegen eine Kandidatur sei der Zeitfaktor. «Nur wenige Leute wollen sich verpflichten, viele scheuen den zeitlichen Aufwand und die Verantwortung, die ein Einwohnerratsmandat mit sich bringt.» Und zum Sitzen im Einwohnerrat gehört eben auch das Hinstehen. «Wir haben einen relativ grossen Wähleranteil in Lenzburg», sagt Zeller. «Doch wie sich gezeigt hat, gibt es auch solche, die nicht den Mut haben, öffentlich für die Partei hinzustehen.»

Einer, bei dem es am Mut nie gefehlt hat, ist Erich Renfer. Zwei Legislaturperioden hat er als Einwohnerrat der SVP seine Meinung kundgetan. Nun tritt er zurück. «Ich überlasse den Jüngeren den Vortritt», sagt der 65-Jährige. «Sie sollen Verantwortung übernehmen.» Das sei momentan der Zeitgeist bei den Wahlen. Diese Entwicklung ist durchaus in Renfers Sinn. «Ich will niemandem im Weg stehen.»

Der Präsident des Gewerbevereins verspürt ein Unbehagen, wenn er an die Politik denkt. «Die Linksrutsche in den Städten sind ein Zeichen dafür, dass es uns zu gut geht», sagt er. In schlechteren Zeiten werde sich das wieder ändern. Im Einwohnerrat wird Renfers Rücktritt spürbar sein. «Er hat sich im Einwohnerrat oft vehement für gewisse Dinge eingesetzt», sagt Edith Zeller. «Andere haben sich nicht so exponiert. Diese Wortmeldungen werden fehlen.» Erich Renfer versichert, nicht ganz ruhig zu werden. «Wortbeiträge zum Geschehen in Lenzburg darf man von mir auch in Zukunft erwarten.»

Mosimanns Tochter mit dabei

40 Sitze zählt der Lenzburger Einwohnerrat, 89 Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich zur Wahl. Mit wenigen Ausnahmen treten die Bisherigen fast alle wieder an. Neben Erich Renfer tritt bei der SVP Martin Bolliger zurück. Auch die Grünen haben mit Stefan Zantop einen Rücktritt zu verzeichnen. Andere treten nicht zurück, sondern wechseln im Einwohnerratsaal einfach das Pult: Andreas Schmid (FDP) darf sich nach seiner erfolgreichen Wahl zu den Stadträten setzen. Ob Dennys Mayer den Platz wechseln darf, werden die Stimmbürger entscheiden. Der bisherige BDP-Einwohnerrat ist zur FDP übergelaufen.

Ein Blick auf die Listen zeigt, dass Erich Renfers Appell an die Jungen durchaus Realität werden könnte. Der Polit-Nachwuchs hat sich auf die Startplätze begeben – darunter sind einige Namen, die bekannt klingen. Für die SP kandidiert Julia Mosimann (20), Tochter des Stadtammanns Daniel Mosimann. Auf der gleichen Liste befindet sich auch Silja Kleiner (24), jüngere Schwester von Einwohnerrätin Linda Kleiner.

Mit Aurel Gautschi (19) befindet sich auch einer der beiden jüngsten Kandidaten auf der Liste der Sozialdemokraten. Nico Krüger auf der EVP-Liste ist ebenfalls 19 Jahre alt.

Auf der FDP-Liste sticht ebenfalls ein bekannter Name heraus: Phoebe Cueni (20), Tochter des bisherigen Einwohnerrats und FDP-Fraktionspräsidenten Heiner Cueni, kandidiert erstmals für den Einwohnerrat. Auch bei der EVP gibt es Ambitionen für eine parteiinterne Dynastie: Lydia Spörri (22) ist die Tochter von Einwohnerrat Marcel Spörri.

Neben dem Familiennachzug zeigt ein Blick auf die Listen auch Namen, die auch ohne schon bekannte Familienmitglieder auffallen: Für die FDP kandidiert neu der «Art Cigar»-Chef Christoph Nyfeler. Nach dem neuen Kandidaten und Bundesratsweibel Emmanuel Schiess befindet sich auch der Geschäftsführer der FDP Aargau, Kaspar Schoch, auf der Liste der Freisinnigen. Ebenfalls zum ersten Mal dabei ist Corinne Horisberger-Buri, Präsidentin Verein Ehemaliger Lenzburger Bezirksschüler. Immer wieder auf der FDP-Liste anzutreffen ist Sandro Nicola Fracassi. Zur Wahl hat es bis jetzt noch nie gereicht. Kandidat Rolf Glückler ist als erfolgreicher Tempo-30-Petitionär bekannt geworden – jetzt will er für die SP Gas geben.