Rolf Schmid ist ein Mann der klaren Worte. «Das schüttelt uns durch, die Politik tut viel zu wenig für die Wirtschaft», sagte der CEO der Mammut Sports Group Ende August an einer Podiumsdiskussion in Lenzburg. Schmid kritisierte damit den umstrittenen Franken-Entscheid der Nationalbank vom Januar.

Rote Halbjahreszahlen beim Aargauer Outdoor-Sportartikelhersteller seien die direkte Folge, erklärte Schmid – und machte unmissverständlich klar, dass er hier die Anteilnahme der Behörden vermisst. «Niemand fragt uns, ob wir und unsere Mitarbeiter auch morgen noch Steuern zahlen.» Diese Aussagen erstaunte auf dem Podium im Lenzburger Gemeindesaal SP-Ständerätin Pascale Bruderer: «So deutlich habe ich das noch nie gehört.»

Tatsächlich steht es um Mammut nicht zum Besten. Am Montagnachmittag meldete das Unternehmen, dass die Seilproduktion am Hauptsitz in der Seetaler Gemeinde Seon im September 2016 eingestellt und ins Ausland verlagert wird. Die Seilerei wird vom österreichischen Seilhersteller Teufelberger (Umsatz 182 Millionen Euro) übernommen, der die ganze Produktionsanlage kauft und künftig für Mammut produzieren wird.

Grund für diesen einschneidenden Schritt: Die fetten Jahre in der Freizeitbekleidungsbranche sind längst vorbei. Das Wachstum in den Hauptmärkten schwächelt, auch wegen der Konkurrenz. Rund 1400 Outdoor-Marken buhlen derzeit um die Gunst der Sportler und Abenteurer.

Unter anderem deshalb konzentrierte Mammut vor drei Jahren sein europäisches Warenlager im deutschen Allgäu. Die Aargauer Firma investierte rund 30 Millionen Franken in das Lager mit angeschlossenen Büroräumen – die grösste Investition in der Firmengeschichte.

30 Prozent tiefere Marge

Hauptgrund für die Verlagerung der Seoner Seilproduktion nach Österreich ist laut Rolf Schmid jedoch der starke Franken. «Wir kaufen viel in Dollar ein, verkaufen die Mehrheit unserer Produkte in Euro und rechnen die Strukturkosten, darunter die Löhne, in Franken ab», erklärt Schmid. «Für ein Unternehmen gibt es fast keine schlechtere Konstellation.»

Nebst dem Euro-Raum seien auch die Währungen in den Märkten Japan und Skandinavien schwächer geworden. «Das bedeutet für uns eine tiefere Marge von bis zu 30 Prozent», sagt Schmid – und fasst zusammen: «Dort, wo wir unsere Hauptumsätze machen, schwächelt das Wachstum. Und dort, wo die Umsätze gut sind, ist die Währung zusammengebrochen. Wir müssen deshalb handeln.»

Neue Jobs angekündigt

Mammut versucht deshalb seit Jahren die Kosten in der Schweiz zu senken. Etappenweise wurden Produktionssparten ins Ausland verlegt. Die Schliessung der Seilerei am Hauptsitz in Seon kommt deshalb wenig überraschend, trifft jedoch die Seetaler Gemeinde hart: 24 Stellen werden abgebaut, einige dieser Arbeitsplätze verschwinden wegen Änderungen in der Führungsstruktur. Mammut will die betroffenen Mitarbeiter laut eigenen Angaben bei der Suche nach einer Anschlusslösung unterstützen.

Damit fallen 8 Prozent der heute 300 Stellen in Seon weg, etwa 300 weitere Jobs hat Mammut im Ausland. Nach der Schliessung der Seilerei verbleiben noch die Bereiche Entwicklung, das Seiltestlabor und die Marktbearbeitung der Mammut-Seile im Seetal. Der Hauptsitz steht laut Rolf Schmid nicht zur Debatte. «Wir bleiben.» Schmid ist überzeugt, dass die abgebauten Stellen in wenigen Jahren wieder kompensiert sein werden. «Wir stellen nach wie vor Leute ein, nur in anderen Funktionen.»

Bald wieder schwarze Zahlen?

Mit der Seilerei verlagert Mammut den allerletzten Produktionszweig ins Ausland – jenen, der am engsten mit der Firmengeschichte verbunden ist. Seile waren nämlich das erste Produkt des Unternehmens, das Kaspar Tanner im Jahr 1862 gegründet hatte.

Mammut-CEO Rolf Schmid bedauert den jüngsten Schritt zu mehr Wettbewerbsfähigkeit deshalb besonders. «Die Schliessung der Seilerei tut weh und war eine schwierige Entscheidung», sagt Schmid, der seit 20 Jahren für Mammut tätig ist. «Aber wir haben unsere Optionen sorgfältig geprüft und sind überzeugt, mit diesen Massnahmen langfristig im Wettbewerb bestehen zu können.»

Mammut-Seile wird es auch nach dem Verkauf der Seoner Seilerei gegen. Die österreichische Firma Teufelberger wird das heutige Sortiment in derselben Qualität weiterhin herstellen. Doch warum baut Mammut nicht selber eine Fabrik im Ausland und behält die Zügel in der Hand? «In der ganze Textilbranche ist es schon lange üblich, dass spezialisierte Firmen die Produkte fremdproduzieren», sagt Rolf Schmid. «Entwicklung und Tests bleiben jedoch in der Schweiz.»

Das sei bei allen Mammut-Produkten so. Schmid: «Auch wenn nun alle Produkte im Ausland produziert werden – rund die Hälfte davon in Europa, der Rest in Asien – bleibt Mammut eine Firma mit Schweizer Qualität.»

Ob Mammut mit diesen Massnahmen bald wieder schwarze Zahlen schreibt, ist unklar. Weil Mammut börsenkotiert ist, lässt sich CEO Schmid nicht in die Karten blicken. Laut dem Mischkonzern Conzzeta, zu dem Mammut gehört, fuhr das Unternehmen im ersten Halbjahr einen Verlust von 5,9 Millionen Franken (vor Steuern und Zinsen) ein.