Region Lenzburg

Mammut-Chef Rolf Schmid kritisiert die Politik

Podiumsdiskussion am Forum «Wirtschaft trifft Politik» mit (von links) Regierungsrat Stephan Attiger, Ständerätin Pascale Bruderer, Moderator Dani Nieth, Hypi-Chefin Marianne Wildi und Mammut-CEO Rolf Schmid.

Podiumsdiskussion am Forum «Wirtschaft trifft Politik» mit (von links) Regierungsrat Stephan Attiger, Ständerätin Pascale Bruderer, Moderator Dani Nieth, Hypi-Chefin Marianne Wildi und Mammut-CEO Rolf Schmid.

Am ersten Forum «Wirtschaft trifft Politik» des Gemeindeverbandes Lebensraum Lenzburg Seetal wurde von beiden Seiten mehr Dialog gefordert.

«Nein! Die Politik macht nicht genug für die Wirtschaft.» Mit diesem Satz lancierte Rolf Schmid, CEO der Mammut Sports Group AG in Seon, die Podiumsdiskussion am ersten Forum «Wirtschaft trifft Politik» des Gemeindeverbandes Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) im Lenzburger Gemeindesaal so richtig.

Schmids Betrieb spürt den Franken-Entscheid der Nationalbank vom Januar. «Das schüttelt uns durch», sagte er vor rund 120 Teilnehmern, je etwa hälftig aus Wirtschaft und Gewerbe, sowie aus Bundes-, Kantons-, Gemeinde- und Parteipolitik. Rote Halbjahreszahlen bei Mammut sind die Folge und Schmid vermisst die Anteilnahme von Behörden: «Niemand fragt uns, ob wir und unsere Mitarbeiter auch morgen noch Steuern zahlen.»

Kein Schmusekurs

Schmid, von den Organisatoren der LLS-Kerngruppe Wirtschaft zu klaren Worten fernab des sonst üblichen Schmusekurses angehalten, provozierte mit seinem Start-Statement die Gegenseite. «So deutlich habe ich dies noch nie gehört», zeigte sich Ständerätin Pascale Bruderer (SP, Nussbaumen) überrascht, aber auch erfreut: Sie plädierte in der Folge mehrmals für einen offenen Dialog: «Politik und Wirtschaft müssen Hand in Hand gehen.» Sie sei stets offen für Gespräche.

Gesamthaft tue man sicher genug für die Wirtschaft, verteidigte sich Regierungsrat Stephan Attiger (FDP, Baden), schränkte jedoch ein: «Man kann sich aber fragen, ob wir im richtigen Moment das Richtige tun.» Attiger verwies in diesem Zusammenhang auf die system-inhärente Schwerfälligkeit von politischen Entscheiden.

Kennenlernen bei Pinot noir

«Mein Anliegen an die Politik ist, dass man rechtzeitig den Dialog sucht.» Diese Forderung hatte Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg, in ihrem Eintrittsreferat formuliert. Neben der Vermeidung von unnötigen Auflagen sei es «wichtig, dass man miteinander redet».

In diesem Punkt waren sich alle Podiumsteilnehmer einig. LLS-Präsident Daniel Mosimann hatte schon in seiner Begrüssung als Ziel des Abends formuliert, die beiden Seiten in Kontakt zu bringen. Und der Netzwerkpflege wurde auch nach dem offiziellen Teil gefrönt: «Die vielen Apéro riches sind eben schon noch wichtig», hatte Attiger schon auf der Bühne gesagt. Bei Pinot noir und Häppchen lerne man sich besser kennen. Und wen man kennt, kontaktiert man eher. Und zu dem hat man eher Vertrauen.

Wiederholung folgt

Teilnehmer wie Organisatoren werteten die Forums-Premiere als Erfolg. Die Kerngruppe Wirtschaft fasst eine jährliche Wiederholung ins Auge; nächstes Mal vielleicht mit einem schärferen Fokus auf die «Lebensraum»-Region.

Und ja, mindestens ein konkretes Ergebnis gab’s: Rolf Schmid und der Seoner Gemeindeammann Heinz Bürki haben sich zu einem Dialog – bei einem Zmittag – verabredet.

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