Familie von Hallwyl
Luxus pur im Stadtpalast Stockholm

Der Palast in Stockholm ist eng mit dem Stammschloss in Seengen verbunden. Schon das Eingangsportal ist gewaltig.

Andreas Fahrländer, Stockholm
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Der Palast in Stockholm

Der Palast in Stockholm

allwylska museet

Wie eine uneinnehmbare Trutzburg steht der Hallwylsche Palast im Nobelviertel Norrmalm, in nächster Nähe zum Königlichen Dramatischen Theater. Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1892 und 1897 von Walther und Wilhelmina von Hallwyl.

Der verarmte Graf aus der Aargauer Adelsfamilie heiratete 1865 die schwedische Industriellentochter Wilhelmina Kempe. In den Sommerferien im deutschen Bad Homburg vor der Höhe hatte sich das junge Paar kennen gelernt. Durch Holz-, Eisen- und Eisenbahnindustrie war die Familie Kempe zu immensem Reichtum gekommen. Die Familie von Hallwyl gehörte nach dieser Verbindung zu den wohlhabendsten Geschlechtern in Schweden. Beim Bau des Palastes kombinierte der Architekt Isak Gustaf Clason spanische und venezianische Stilelemente mit der Schlichtheit eines schwedischen Stadtpalais. Was von aussen altehrwürdig daher kommt, war im Innern von Anfang hochmodern ausgerüstet.

Der Anschluss an das erste Elektrizitätswerk in Stockholm machte das möglich. Allein in der Küche gab es zwei Telefone, einen elektrischen Warenlift und einen Personenlift für das Küchenpersonal. Warmwasserdusche, Zentralheizung, Staubsauger und Toaster waren 1892 kaum erfunden – bei der Familie von Hallwyl waren sie eine Selbstverständlichkeit. Da das Ehepaar keine männlichen Nachfahren hatte, übertrug Wilhelmina 1920 den Stadtpalast dem schwedischen Staat mit der Bedingung, alles im Originalzustand zu erhalten. 1938 wurde das «Hallwylska museet» eröffnet. Der Sammlungsbestand des Museums überschlägt sich schier vor lauter Superlativen: Eine einmalige Porzellansammlung, elegante Kronleuchter, eine riesige Kunstsammlung, Möbel aus drei Jahrhunderten und kostbare Wandteppiche sind nur einige der Schätze. Die Familie von Hallwyl hatte vier Kutschpferde im Stall. Sie wurden pensioniert, als das erste Automobil gekauft wurde.

Als Gräfin Wilhelmina an Pfingsten 1915 einen Ausflug nach Schloss Gripsholm unternahm, kam der Wagen von der Strasse ab und überschlug sich. Die Folge war ein gebrochener Arm der Gräfin und ein neues Auto. Der Gipsverband ist ebenso erhalten wie der neu angeschaffte Mercedes mit der goldenen Kühlerhaubenfigur des Königlichen Automobilklubs.

Den Austausch verstärken

Stefan Lindström, Mitarbeiter der Sammlung, präsentiert stolz auch versteckte Schätze im Museum. Über den Stallungen gibt es einen ganzen Raum mit Objekten aus dem Aargau. Lindström zeigt die Modelle des Stammschlosses in Seengen. Keramikgefässe und Ofenkacheln aus dem zugeschütteten Burggraben am Aabach sind in Vitrinen ausgestellt. «Wir möchten den Austausch zwischen unseren beiden Museen verstärken. Wir haben hier so vieles aus dem Aargau», sagt er.

Thomas Frei, langjähriger Kurator von Schloss Hallwyl, sagt: «Wir haben einen fest etablierten Austausch zwischen Stockholm und dem Aargau. Es gibt gegenseitige Besuche der Kuratoren. Den Schriftenaustausch könnte man noch intensivieren.»

Wilhelmina ist es zu verdanken, dass das Schloss Hallwyl heute in einem so guten Zustand ist. Sie liess das Familienarchiv ordnen, das Schloss am Hallwilersee archäologisch untersuchen und aufwendig restaurieren. 1925 rief sie die Hallwil-Stiftung ins Leben, die es 1994 dem Kanton Aargau schenkte.