Die rätselhafte, mittels Beschwerde beim Obergericht angefochtene Konkurseröffnung der Bäckerei-Konditorei Studler AG, die grosse Wut von Peter Studler auf das Bezirksgericht Lenzburg («Da ist dem Gericht ein grosser Fehler passiert; ein Versagen von allen Beteiligten», sagte er in der AZ von gestern) – das alles hat einen Hintergrund. Es zeigt sich: Studler ist, als Privatperson oder mit seinen Firmen, in mehreren Angelegenheiten in Rechtsfälle verwickelt.

Einer betrifft die Local Group AG mit Gastrobetrieben in Lenzburg, Wohlen und Suhr. Sie ist nicht von der Konkurs-Sache betroffen. Aber Gegen die Local Group, in der Studler als Geschäftsführer und Vizepräsident des Verwaltungsrats amtet (seine Partnerin ist Präsidentin), hat die Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg einen Strafbefehl ausgestellt.

Das zeigen Recherchen der Aargauer Zeitung. Die AG wurde zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt – «Wegen mehrfacher Nichtabgabe der Arbeitgeberbescheinigung», sagt Staatsanwaltschafts-Sprecherin Fiona Strebel auf Anfrage. Arbeitgeberbescheinigungen sind notwendig, um Höhe und Umfang von Taggeldleistungen an versicherte Personen zu ermitteln.

Doch Studler erhob gegen den Strafbefehl Einsprache, worauf die Sache am Bezirksgericht Lenzburg landete. Just am Montag – am Tag also, an dem der Konkurs gegen seine Bäckerei-Konditorei Studler AG publiziert wurde, deren Läden übrigens weiterhin offen sind – errang er am Bezirksgericht Lenzburg einen Freispruch von Schuld und Strafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ist trotz der Konkurseröffnung weiterhin in Betrieb: Das Hauptgeschäft der Bäckerei-Konditorei Studler AG. sga

Ist trotz der Konkurseröffnung weiterhin in Betrieb: Das Hauptgeschäft der Bäckerei-Konditorei Studler AG. sga

Streit mit Richter

Noch völlig unklar ist, wie das Gericht in einer anderen Sache entscheiden wird. Dieses Mal geht es um einen Streit, den Studler mit einem Lenzburger Bezirksrichter hatte. Aus Befangenheitsgründen wurde dieser Streit denn auch nicht vor dem Bezirksgericht Lenzburg, sondern vor dem Bezirksgericht Brugg ausgetragen. Die Verhandlung, an der die AZ dabei war, fand bereits am 27. Februar statt.

Angeklagt war auch Studlers Partnerin, die die Bäckerei Studler in Seengen führt. Ein Urteil liegt noch nicht vor, weil gemäss der zuständigen Gerichtsschreiberin noch zusätzliche Unterlagen beantragt werden mussten – ein recht ungewöhnlicher Vorgang bei Strafrechtsfällen, wo das Urteil üblicherweise noch am selben Tag verkündet wird.

Streitpunkt Baustelle

Der Streit eskalierte an der Lenzburger Bahnhofstrasse, wo Peter Studler den Gastrobetrieb Local führt. Das Selbstbedienungsrestaurant ist in der untersten Etage eines Hauses eingemietet, das vom Eigentümer um mehrere Geschosse aufgestockt wurde.

Gleich zu Beginn der Bauarbeiten kam es zur Eskalation. Ein junger Handwerker wurde vom Gericht als Zeuge vorgeladen und berichtete, was vorgefallen war, als er nach einem Arbeitstag Anfang Januar 2017 nach Hause wollte. Die Partnerin von Peter Studler sei zugefahren habe mit ihrem Auto seines blockiert. Was als Nächstes passierte, konsternierte den jungen Mann.

«Sie stieg aus und fing an rumzuschreien», sagte er. «Sie hat ein Parkverbotsschild umgeschmissen, Kanthölzer auf das benachbarte Grundstück geschmissen, an Absperrungen gezerrt und rumgeschrien.» Nach diesem Ausbruch sei die Frau wieder ins Auto gestiegen und weggefahren. So hat auch der Besitzer und Vermieter der Liegenschaft die Szene in Erinnerung. Er wurde zum Ort des Geschehens hinzugerufen. Die Frau habe getan wie wild.

Der Liegenschaftsbesitzer und Lenzburger Bezirksrichter trat als Strafkläger auf. Die Staatsanwaltschaft war Hauptklägerin, erschien jedoch nicht an der Verhandlung. Mehrfache versuchte Nötigung, Hausfriedensbruch und geringfügige Sachbeschädigung waren die Tatbestände in den Strafbefehlen, die Studler und seine Partnerin erhielten, aber anfochten. Es geht um bedingte Geldstrafen von 21'000 Franken respektive 11'500 Franken und Bussen von 5200 respektive 3000 Franken.

Widerstand gegen den Bau

Studler und seine Partnerin hatten schon vor Beginn der Bauarbeiten versucht, diese zu verhindern. Trotz der erteilten Baubewilligung verfassten sie Briefe an den Liegenschaftsbesitzer und die Bauunternehmen, in dem sie mit Strafanzeige drohten, wenn diese die Baustelle betreten würden. Arbeiter und Bauherr hielten sich nicht an diese Forderung.

Der Besitzer der Liegenschaft zeigte sich erstaunt ob des vehementen Widerstands gegen die Baustelle. Sie sei schon beim Abschluss des Mietvertrages Thema gewesen, inklusive Zinserlass. Der Vertrag laufe 2029 ab. «Wir mussten unser Eigentum verteidigen», sagte Peter Studler vor Gericht. «Die Einschränkungen waren grösser als abgemacht.» Es gehe um einen Millionenschaden, sein Geschäft mache Verlust.

Studler und seine Partnerin waren überzeugt, im Recht zu sein. Die ausgestellte Baubewilligung sei nicht rechtens, weil zu Beginn der Bauarbeiten eine Brandschutzbewilligung gefehlt habe. Zudem habe der Bauherr keine Ersatzparkplätze für die von den Bauinstallationen versperrten Parkplätze zu Verfügung gestellt.

Der Stadtrat hatte den Bauherrn noch verpflichtet, Parkplätze für das «Local» zu mieten. Zwei weitere Instanzen hätten diesen Entscheid jedoch verworfen und das Local musste dem Bauherrn eine Genugtuung bezahlen.

Für Studler ist klar, dass es sich bei der Verhandlung um das Resultat eines persönlich motivierten Rachefeldzugs seines Vermieters handelt. Als Reaktion darauf, dass «wir uns rechtmässig gegen die Bauarbeiten gewehrt haben». Der Bauherr nutze seine Rechtskenntnisse und seine Kontakte zur Staatsanwaltschaft.