Am Samstagnachmittag war die Lenzburger Altstadt in tiefes Grau gehüllt. Doch im HächlerHaus dominierten Farbe und Energie: Die Roma Band Amaro Drom hatte zum Sing-Workshop aufgerufen und schon bald füllten die Klänge von Geige, Gitarre und Chor die Gassen. Die Musik war von weit her hörbar. Bilder, gemalt von Roma-Kindern einer Schule im ostslowakischen Dorf Jarovnice schmückten die Wände.

Vorbereitet hat den Workshop der Verein Miret Schweiz, eine Organisation, die sich für Roma in Tschechien und in der Slowakei einsetzt. Sie leistet in der Schweiz Aufklärungsarbeit. Die jungen Organisatoren aus der Region haben Singbegeisterte aus der ganzen Schweiz nach Lenzburg gelockt. Das freute Gavro Nikolic, den Sänger von Amaro Drom: «Wir geben sonst fast nur Konzerte, aber die Freude der Workshop-Teilnehmer an unserer Musik ist grossartig.»

Zuerst der Text, dann die Melodie

Vier Lieder brachte Amaro Drom den vielen Sängerinnen und wenigen Sängern innerhalb weniger Stunden bei – und dies ganz ohne Noten. Zuerst wurde die Aussprache der Texte geübt, sind doch die Lieder in Romanes geschrieben, der Sprache der Roma. Dann sang Nikolic vor und der Chor wiederholte. «Ohne Noten kann mal viel freier singen und seine Emotionen zeigen», sagte er. Die Sängerinnen und Sänger lernten schnell, die Begeisterung für die mitreissende Musik liess das HächlerHaus vibrieren. «Ihr könnt das schon so gut, dass ich gar nicht hätte kommen müssen», scherzte Nikolic.

Konsumieren und informieren

Nach einem Vortrag von Andreas Petrin über die Lage der Roma, durften die Sängerinnen und Sänger am Abend ihr Können unter Beweis stellen und am Konzert von Amaro Drom die gelernten Lieder mitsingen. «Uns ist es wichtig, dass die Konzertbesucher nicht nur kommen, sehen und hören, sondern die wichtigsten Hintergründe und Informationen über die Situation der Roma mitnehmen», sagt Präsidentin Corina Noetzli. Dieser Anlass sei eine gute Gelegenheit, die Menschen über die herrschenden Missstände aufzuklären.