Meisterschwanden

Liebesromane mit Mord und Totschlag: Bestseller-Autorin Silvia Götschi sucht nach dem nächsten Tatort

Zog von der Innerschweiz ins Seetal: Silvia Götschi in ihrem Heim in Meisterschwanden.

Zog von der Innerschweiz ins Seetal: Silvia Götschi in ihrem Heim in Meisterschwanden.

Vor einem Jahr zog die Schriftstellerin Silvia Götschi (62) nach Meisterschwanden. Pro Jahr veröffentlicht sie zwei Bücher.

Schriftstellerin zu werden, war nie ein Ziel von Silvia Götschi. «Der Gedanke, ein eigenes Buch in den Händen zu halten, hat mich zwar schon gereizt, aber ich habe das früher nicht gross weiterverfolgt», sagt sie. Geschrieben habe sie trotzdem immer, «eigentlich ab dem Zeitpunkt, ab dem ich schreiben gelernt habe», sagt Götschi. Mit ihrer ersten Geschichte füllte sie in der dritten Klasse ein Schulheft. «Die Handlung spielte in Amerika, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nie da war», sagt Götschi lachend.

Sie habe schon als Kind eine blühende Fantasie gehabt, «und die habe ich zum Glück heute noch», sagt sie. Nach der Schulzeit absolvierte die 62-Jährige eine Ausbildung als Mode­verkäuferin, «eine Verzweiflungstat, denn der Stellenmarkt war damals dermassen ausgetrocknet», sagt Götschi. «Rück­blickend gesehen, hätte ich eigentlich Germanistik studieren sollen.»

Das Problem mit dem Druckkostenvorschuss

Silvia Götschi arbeitete jedoch nur zwei Jahre im erlernten Beruf, «es lag mir einfach gar nicht», sagt sie. Später zog es Götschi nach Davos und ins Hotelgewerbe. Ein Job, der sie sehr glücklich gemacht habe, sagt sie. «Und wenn ich nicht am Arbeiten war, schrieb ich in meinem Kämmerchen.»

Richtig in Schwung kam das Projekt Buch jedoch erst viel später. «Mit 40 Jahren packte Götschi ihre Sachen, trennte sich von ihrem Mann und zog mit den fünf Kindern in die Innerschweiz. «Das Schreiben hat mich über all die Jahre nie losgelassen», erklärt sie. Silvia Götschi schrieb einige Verlage an und erhielt von einem einen positiven Bescheid, der jedoch einen Haken hatte. «Der Verlag, der mir zusagte, veröffentlichte die Bücher nur mit einem Druckkostenvorschuss. Das heisst: Die Autorin finanziert die Buchproduktion aus eigener Tasche.

Ein eigener Verlag brachte die Wendung

«Der Verlag sahnte so ab, sie erhielten das Geld und ich einige wenige Exemplare, das Buch verschwand in der Versenkung.» Das Problem dabei: Die Autorin wurde für andere Verlage weniger interessant, da Götschi ihr Debüt bereits veröffentlicht hatte. Sie ist jedoch keine Frau, die einfach aufgibt. Da sie keinen Verlag fand, gründete sie einen eigenen. Über die Literaturwerkstatt veröffentlichte sie nicht nur ihre eigenen Bücher, sondern unter anderem auch eines der ersten Werke von Philipp Gurt.

Götschis Bücher sind «schrecklich und schaurig», wie sie sagt. «Ich habe anfangs auch Liebesromane geschrieben, aber es gab immer plötzlich Mord und Totschlag.» Kriminalgeschichten reizen sie vor allem wegen der psychologischen Hintergründe, wie sie sagt.

Götschis Bücher verkauften sich gut, mit ihnen konnte sie den Verlag quersubventionieren. Sie verkauften sich sogar so gut, dass nach vielen Jahren das passierte, womit sie eigentlich nicht mehr gerechnet hatte. Ein Verlag meldete sich bei ihr. «Sie wollten meine Bücher veröffentlichen, ohne finanzielle Vorschüsse von mir, mit Honorar», sagt sie. Bisher veröffentlichte Götschi 28 Bücher, 14 davon beim Emons Verlag. Ihre Bücher «Einsiedeln», «Engelberg» und «Bürgenstock» landeten direkt auf Platz 1 der Bestsellerliste. Silvia Götschi veröffentlicht zwei Krimis pro Jahr, ihr neustes Werk handelt vom Lauerzersee.

Ein Buch, das am See spielt, ist denkbar

Zu Kopf gestiegen ist ihr der Erfolg nicht: «Ich schreibe vor allem für meine Leserinnen und Leser», sagt sie. Und man glaubt es ihr ohne Umschweifen. Viele von Silvia Götschis Romanen spielen in den Regionen, in denen sie gewohnt hat. Auch ihr aktueller Roman «Lauerzersee» handelt nahe ihrer vergangnen Heimat. Vor einem Jahr zog Silvia Götschi mit ihrem Mann nach Meisterschwanden. Sie könne es sich gut vorstellen, auch über das Seetal einen Krimi zu schreiben, sagt sie. «Wenn ich mit dem Velo oder zu Fuss unterwegs bin, überlege ich oft, wo ein Mordschauplatz sein könnte.»

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