Überaltert

Leutwil braucht dringend mehr Kinder – grosse Einzonung soll dem Dorf einen Kick geben

Wird eingezont: Hessematt.Bild: asu

Wird eingezont: Hessematt.Bild: asu

Die aktuell aufliegende neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) soll dazu beitragen, dass mehr Familien mit Kindern ins überalterte Dorf ziehen.

Die Bau- und Nutzungsordnung in Leutwil ist ein heisses Eisen. Vor über fünf Jahren, im November 2013, wurde der Beschluss für einen Planungskredit gefasst. Zu dieser Zeit noch mit der Absicht, das Gebiet «Chilchmatt» einzuzonen und zu überbauen.

Da jedoch einige Eigentürmer gegen die Bebauung des Gebietes waren und eine Enteignung nötig geworden wäre, beschloss der Gemeinderat 2017, den «Chilchmatt»-Plan fallen zu lassen.

Leutwil muss auf Druck des Kantons massiv auszonen

Auch der zweite Anlauf für die BNO-Revision stösst in Leutwil auf sehr grosses Interesse, wie ein sehr gut besuchter Informationsanlass letzte Woche zeigte. Organisiert war er vom Einwohnerverein «Lüpu Plus», nicht vom Gemeinderat. Es gab nicht die konventionellen Vorträge, sondern eine Art Postenlauf. An den Posten informierten Experten über die einzelnen Aspekte der BNO.

Das Gebiet «Chilematt» wird nun ausgezont. Dafür soll die «Hessematt» eingezont werden. Mit der Auszonung der «Chilematt» wird die Einzonung kompensiert, wie das der Kanton ganz generell fordert. Obwohl die «Chilematt» ungefähr einen Hektar grösser ist als die «Hessematt», mussten noch zusätzliche Auszonungen vorgenommen werden.

Doch was ist das Hauptziel der Bau- und Nutzungsplanung? Die Gemeinde Leutwil will ihren Dorfkern stärken und verdichten. Eine Verdichtung geschieht automatisch dadurch, dass die «Hessematt» nach der Einzonung als Bauland gilt. Die Parzelle liegt sehr zentral im Kern des Dorfes und grenzt an das Kirchareal.

Das Dorf braucht dringend mehr Kinder

Leutwil hat ein Nachwuchsproblem. Es soll attraktiver für junge Familien werden. Die Gemeinde liegt eher dezentral und ist 11 Kilometer vom Bahnhof Lenzburg entfernt. Ende 2018 waren 764 Einwohner ansässig. Es gab aber nur 45 Primarschul- und 12 Kindergartenkinder. Dank der «Hessematt»-Überbauung soll das Dorf familienfreundlicher werden. Vorgesehen sind auf der Parzelle kleine Mehrfamilienhäuser und der verdichtete Einfamilienhausbau. Parkplätze für die Bewohner sollen möglichst unterirdisch gebaut werden.

Mindestens 25 Prozent der Fläche des Gebietes «Hessematt» sind als öffentlicher Grünraum vorgesehen. Angedacht ist die Offenlegung des Kommetbaches, also die Schaffung einer ökologischen Ausgleichs- und Erholungsfläche. Der Bachbereich soll abgesehen von chaussierten Fusswegen, Werkleitungen und Sitzbänken von allen Bauten freigehalten und mit naturnaher Vegetation gestaltet werden.

Am 22. November Thema an der Gemeindeversammlung

Der Dorfkern in Leutwil soll nicht nur verdichtet werden, es bestehen auch Ideen ganz generell zur Verschönerung des Dorfes. Unter anderem bestehen Ideen, die Dorfeingänge aus Richtung Dürrenäsch und Boniswil attraktiver zu gestalten.

Ob die Lüpuer die neue Bau- und Nutzungsordnung absegnen werden, ist zurzeit offen. Sie liegt bis zum 2. Oktober öffentlich auf. Von der BNO betroffene Grundbesitzeigentümer können Einwendung machen. Über die neue Bau- und Nutzungsordnung abgestimmt wird an der Gemeindeversammlung vom 22. November.

Anja Suter

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