Lenzburg
Letzter Wettkampf vor den Weltmeisterschaften

11 Teilnehmer messen sich seit Donnerstag am 6-Länder-Cup der Automechaniker, darunter auch ein Seoner.

Markus Christen
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Am Donnerstagmorgen herrscht in der Halle des Gebäudetrakts C der Berufsschule Lenzburg beinahe gespenstische Stille. Hoch konzentriert sind die Automechaniker aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, dem Fürstentum Liechtenstein, dem Südtirol und aus der Schweiz am Arbeiten. Gleichzeitig fechten sie untereinander den Sieg am 6-Länder-Cup aus und kämpfen gegen ihre Landesgenossen um ein Ticket für die WorldSkills, den Weltmeisterschaftswettkampf, in London.

An zehn Posten gilt es, die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Aufgabenstellungen sind äusserst diffizil und vielfältig. Die Teilnehmer müssen verschiedenen Motorenfehlern nachspüren, Achsvermessungen vornehmen, eine Komfort-Elektronik überprüfen, immer wieder Diagnosen erstellen und Lösungswege erstellen. Nur gerade einmal 5 Minuten Zeit bleibt, um sich mit dem gestellten Problem vertraut zu machen. Danach muss in 60 Minuten eine möglichst optimale Arbeit präsentiert werden, um so viele wie möglich der maximal 100 Punkte zu erreichen.

Am Alltag orientiert

«Der Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgaben liegt über dem Niveau der Berufsgrundausbildung und entspricht annähernd den Ansprüchen, die an einen Diagnostiker gestellt werden», erklärt Jürg Fluri vom Autogewerbeverband der Schweiz, der für die Organisation des Cups verantwortlich zeichnet. Man habe sich aber bei den Problemstellungen explizit an Alltagssituationen orientiert und nicht einfach abstrakte Aufgaben konstruiert.

Duell von zwei Seetalern

Unter den Teilnehmern befindet sich auch Marcel Rohr aus Seon, den die az Aargauer Zeitung vor den Schweizer Meisterschaften im letzten Jahr porträtiert hat. Mit dem Erreichen des zweiten Platzes bei jener Schweizer Meisterschaft sicherte er sich die Teilnahme am 6-Länder-Cup. Im Duell mit Flavio Helfenstein aus Hildisrieden LU wird nun entschieden, wer die Schweiz an der WorldSkills im Oktober 2011 in London vertreten darf. Die Entscheidung fällt am Freitagabend, wenn alle Posten absolviert sind.

«Der Unterschied zu den Schweizer Meisterschaften besteht darin, dass man am 6-Länder-Cup 30 Minuten weniger Zeit hat, um eine Aufgabe zu lösen», sagt Rohr, nachdem er die ersten drei Posten absolviert hat. Bis zu diesem Zeitpunkt sei es ihm gut gelaufen.

Ticket nach London

Das Zusammensetzen eines Getriebes habe ihm am meisten Mühe bereitet, da man dies in der Lehre vielleicht einmal gemacht habe. Jeweils zwei Experten schauen den Teilnehmern während der Arbeit über die Schultern und entscheiden, wie viele Punkte sich ein Wettstreiter verdient hat. «Man sieht schon Unterschiede in der Vorgehensweise zwischen den Vertretern verschiedener Länder», sagt der Experte Urs Baumann, «allerdings gibt es immer auch verschiedene Wege, wie eine Aufgabe zu lösen ist.»

Lars Hartmann, auch er ist in diesen zwei Tagen als Experte tätig, hält viel auf die jungen Berufsleute. «Alle geben sich viel Mühe, auch wenn der Zeitfaktor manchmal zu einer Schwierigkeit wird.» Die Nervosität sehe man den Teilnehmern nicht unbedingt an, aber es sei schon zu spüren, dass ein grosser Druck auf ihnen lastet.

Die grösste Schwierigkeit am Wettkampf, das wird von verschiedenen Seiten bestätigt, besteht vielleicht darin, sich jede Stunde auf ein völlig neues Arbeitsthema einstellen zu können. Aber schliesslich geht es ja auch um ein Ticket nach London.