Niederlenz
Letzter Meilenstein im Jahrhundertprojekt

Glückliches Ende nach sechs Jahrzehnten: Die sanierte Kantonsstrasse wird am Wochenende mit einem offiziellen Festakt eingeweiht. Der erste Planungskredit für das riesige Projekt war im Jahr 1957 genehmigt worden. Ein Hauptziel war die gestalterische Aufwertung des Dorfplatzes.

Ruth Steiner
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Dorfplatz 2012: vorher – nachher: Der Regionalbus beansprucht mit einer Haltestelle grosse Teile des Dorfplatzes. Die Linde serbelt.
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Sanierung Kantonsstrasse in Niederlenz: vorher und nachher
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression vorher (Oktober 2012)
Sanierung Kantonsstrasse: Bildimpression nachher (Juni 2016)

Dorfplatz 2012: vorher – nachher: Der Regionalbus beansprucht mit einer Haltestelle grosse Teile des Dorfplatzes. Die Linde serbelt.

zVg

«Der neue Dorfplatz? – Jesses nei, öppe de gar nüt schöns», sagts, steigt ins Auto und braust davon. Vor die Kamera jedoch wollen jene, denen das neue Dorfzentrum nicht gefällt, partout nicht.

Im Grossen und Ganzen überwiegen die positiven Stimmen in der Bevölkerung. Hier ist man froh, ist die Zeit, wo Rotlichter und lange nach Abgas stinkende Autokolonnen das Niederlenzer Dorfbild prägten, nach 3,5 Jahren nun endlich zu Ende ist.

13 Millionen Franken ...

... hat die Sanierung von Kantonsstrasse und Aabach gekostet. Davon muss Niederlenz 7 Millionen Franken selber tragen. Die Erneuerung des Dorfplatzes kam auf 530 000 Franken zu stehen. Der Betrag wurde von der Ortsbürgergemeinde berappt. (str)

«Die gestalterische Aufwertung des Ortszentrums war eines der Hauptziele des Projekts. Das ist vollumfänglich gelungen», reiht sich der zuständige Gemeinderat Thomas Hofstetter zu jenen, welche Gefallen finden am grosszügig und offen daherkommenden Dorfzentrum. Der Platz soll künftig für Veranstaltungen genutzt werden, zum Beispiel am 18. Dezember für den 1. Niederlenzer Weihnachtsmarkt.

Ein «Jahrhundertwerk»

Der Dorfplatz ist jedoch nur ein Mosaikstein im riesigen Gesamtprojekt mit der Sanierung der Hauptstrasse. Seiner Grösse und vor allem auch seiner schier unendlich langen Planungszeit wegen wurde es auch als «Jahrhundertwerk» betitelt.

Programm: Einweihung Kantonsstrasse

Samstag, 18. Juni
ab 17 Uhr auf dem Dorfplatz: Grilladen und Oldie-Sound mit DJ Jimmy

Sonntag, 19. Juni
Offizielle Einweihung der Kantonsstrasse zwischen Dorfrainbrücke und Brücke Mühlestrasse

- 9 bis 10.30 Uhr: Führungen im Abschnitt, wo der Deckbelag eingebaut wird

- 11 bis 11.30 Uhr: Offizieller Festakt auf der Kantonsstrasse mit Regierungsrat Stephan Attiger, Fahrzeugparade, Tambouren

- 11.30 bis 12.15 Uhr: Apéro für alle Fest-Besucher auf der Kantonsstrasse

- 12.15 bis 14 Uhr: Wurst und Brot für die Bevölkerung beim Festzelt Dorfplatz

Bei zweifelhaftem Wetter wird die Kantonsstrasse nur kurze Zeit für den offiziellen Festakt gesperrt. Bei Regen finden die gesamten Einweihungsfestivitäten im Festzelt statt. Infos ab Freitagabend über Tel. 1600 oder www.niederlenz.ch (str)

Am 8.Juli 1957 wurde an der Gemeindeversammlung ein erster Planungskredit von 70 000 Franken für eine Hauptstrassensanierung genehmigt. «Anschliessend war das Projekt unzählige Male überarbeitet und immer wieder auf die lange Bank geschoben worden», erinnerte Thomas Hofstetter beim Baubeginn am 24. Oktober 2012. Das ist alles Schnee von gestern. Und am kommenden Wochenende wird es in Niederlenz zum grossen Aufatmen kommen, wenn am Sonntag das nun vollendete Werk feierlich eingeweiht wird.
Rund sechs Jahrzehnte nach dem ersten Gemeindeversammlungsbeschluss zum Vorhaben. Beim offiziellen Festakt mit dabei ist Regierungsrat Stephan Attiger. Umrahmt wird die Feier – eine weitere Veranstaltung im Rahmen der 725-Jahr-Niederlenz-Festivitäten – mit einer kleinen Fahrzeugparade und mit Trommelwirbeln der Lenzburger Tambouren.

Bauen bei laufendem Verkehr

Viel Grün ist gefällt worden für das Millionenprojekt vor rund 3,5 Jahren. Bäume und Sträucher mussten für die Neugestaltung von Strasse und Aabach weichen.

Nicht unbedingt gerechnet hat Thomas Hofstetter mit den Reaktionen der Niederlenzer Bevölkerung auf den Baumschlag damals. Während andernorts zeter und mordio geschrien wird, wenn im öffentlichen Raum Bäume gefällt werden, fand man in Niederlenz viele lobende Worte. Hell, offen und einfach schön sei es. Die Gebäude rund um den Dorfkern seien nun wieder sichtbar. «Das Dorfzentrum ist wieder wahrnehmbar.»

Wie gefällt Ihnen der neue Dorfplatz von Niederlenz? Mischa Geiser, Software-Entwickler: "Ich wohne noch nicht so lange hier und kannte diesen Ort eigentlich nur als Baustelle. (Lacht). Deshalb bin ich der Meinung, dass es definitiv besser aussieht als vorher. Ein offener Platz mit Sitzgelegenheiten."
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Wie gefällt Ihnen der neue Dorfplatz von Niederlenz? Peter Stadelmann, Betriebsleiter: "Als Treffpunkt hätte der Platz etwas mehr Farbe vertragen, beispielsweise mit blühendem Saisonflor. Man hätte bei der Platzsanierung direkt eine automatische Giessvorrichtung einbauen können."
Wie gefällt Ihnen der neue Dorfplatz von Niederlenz? Gabriela Heider, Schneiderin: "Noch ist es sehr kahl hier, ich hoffe, dass es noch ein bisschen grünt mit der Zeit. Mir gefällt der Spielplatz für die Kinder besonders gut. Der Platz ist gross genug, dass man dort einen Markt durchführen könnte."
Wie gefällt Ihnen der neue Dorfplatz von Niederlenz? André Hauri, Betreiber Spar-Laden: "Der Aufwand hat sich gelohnt. Der grosszügige Platz spornt an, dort Aktivitäten durchzuführen. Wir bekommen mit dem Laden wieder «Luft», doch die drei Jahre haben Spuren in der Kasse hinterlassen."

Wie gefällt Ihnen der neue Dorfplatz von Niederlenz? Mischa Geiser, Software-Entwickler: "Ich wohne noch nicht so lange hier und kannte diesen Ort eigentlich nur als Baustelle. (Lacht). Deshalb bin ich der Meinung, dass es definitiv besser aussieht als vorher. Ein offener Platz mit Sitzgelegenheiten."

Ruth Steiner

Die Hauptstrasse wurde auf einer Länge von 370 Metern erneuert, der Strassenraum mit flankierenden Massnahmen wie Trottoirs, Fussgängerquerungen und der Erweiterung von Liegenschaftsvorplätzen aufgemöbelt. Der Aabachraum wurde neu gestaltet, im mittleren Abschnitt wieder kanalisiert und erhielt drei neue Bachübergänge. «Der neue lärmarme Strassenbelag bringt mit dem hörbar tieferen Geräuschpegel echte neue Qualität ins Dorf», so Hofstetter.

Das ist für Niederlenz nicht unerheblich, brausen doch auf der K248 täglich rund 10 000 Fahrzeuge durch den Ort. Wenig erstaunlich, wenn der Gemeinderat «das Bauen unter Verkehr» als eine der grössten Herausforderungen des Projekts bezeichnet. Hofstetter ist zufrieden: Das Bauvorhaben ist «in jeder Beziehung perfekt gelungen. Während der gesamten Bauzeit passierten keine nennenswerten Unfälle.»

Das Einweihungsfest am Sonntag wird das «Jahrhundertprojekt» abschliessen. Ein Vorhaben mit beeindruckenden Dimensionen: 18 000 Kubikmeter Aushub stehen 22 000 Kubikmeter Kies und Sand, sowie 1500 Kubikmeter Beton gegenüber. 3800 Tonnen Strassenbelag wurden verlegt und 100 Tonnen Granitblöcke gesetzt.

Die Linde und das Bächlihaus (Mitte), heute mit Arzt und Apotheke darin Arme Leute, die ihre Handkarren vor sich herschoben und Ochsen, vor Fuhrwerke mit schweren Lasten gespannt. Berner Herrschaften hoch zu Pferd, zivile und militärische Reiter und Fussgänger. Wer von Bern nach Zürich wollte, passierte den Niederlenzer Dorfplatz. Von Rupperswil herkommend ging es übers Lenzhard nach Niederlenz und weiter in Richtung Othmarsingen. Bis ins 15. Jahrhundert hinein war dies eine wichtige Strassenverbindung. Später wurde sie dann über die Lenzburger Altstadt geführt. Geschichten schrieben der Dorfplatz und die Häuser darum herum auch in jüngerer Zeit immer wieder. Das Bächlihaus, benannt nach seinen Bewohnern, gehört dazu. Schon vor über 80 Jahren, einer Zeit, wo Schleckzeug und Geld dafür rar waren, wirkte die «Handlung am Dorfrain» wie ein Magnet auf die Jugend. In einer Überlieferung erinnert sich Willy Kull-Häsli: «Speziell war dieser Laden, weil er gleich neben der Käserei war. Die Milch musste man dort noch im ‹Kesseli› holen. Viele Kinder bekamen einen Batzen fürs Milchholen. Im Laden wurde dann der Lohn fürs Milchholen in ‹Täfeli› umgesetzt.» Die Flaschenpost Seit Jahrhunderten steht eine Linde auf dem Dorfplatz. Die heutige wurde 1937 gepflanzt. In der Baumgrube befindet sich laut Chronik eine Flaschenpost des Publizisten Oskar Reck mit dieser Botschaft: «In einer wildbewegten Zeit, voll Falschheit, Tücke, Zank und Streit, wo wild die Welt im Chaos tanzt, ward dieser Lindenbaum gepflanzt. Oh, stehe fest, du edles Holz, wachs und gedeihe hier, so manches Jahr so frei und stolz, dem Dorfe um dich zur Zier.» Reck war damals Gymnasiast und wohnte im Dorf. 2 Jahre später brach der 2. Weltkrieg aus. (str)

Die Linde und das Bächlihaus (Mitte), heute mit Arzt und Apotheke darin Arme Leute, die ihre Handkarren vor sich herschoben und Ochsen, vor Fuhrwerke mit schweren Lasten gespannt. Berner Herrschaften hoch zu Pferd, zivile und militärische Reiter und Fussgänger. Wer von Bern nach Zürich wollte, passierte den Niederlenzer Dorfplatz. Von Rupperswil herkommend ging es übers Lenzhard nach Niederlenz und weiter in Richtung Othmarsingen. Bis ins 15. Jahrhundert hinein war dies eine wichtige Strassenverbindung. Später wurde sie dann über die Lenzburger Altstadt geführt. Geschichten schrieben der Dorfplatz und die Häuser darum herum auch in jüngerer Zeit immer wieder. Das Bächlihaus, benannt nach seinen Bewohnern, gehört dazu. Schon vor über 80 Jahren, einer Zeit, wo Schleckzeug und Geld dafür rar waren, wirkte die «Handlung am Dorfrain» wie ein Magnet auf die Jugend. In einer Überlieferung erinnert sich Willy Kull-Häsli: «Speziell war dieser Laden, weil er gleich neben der Käserei war. Die Milch musste man dort noch im ‹Kesseli› holen. Viele Kinder bekamen einen Batzen fürs Milchholen. Im Laden wurde dann der Lohn fürs Milchholen in ‹Täfeli› umgesetzt.» Die Flaschenpost Seit Jahrhunderten steht eine Linde auf dem Dorfplatz. Die heutige wurde 1937 gepflanzt. In der Baumgrube befindet sich laut Chronik eine Flaschenpost des Publizisten Oskar Reck mit dieser Botschaft: «In einer wildbewegten Zeit, voll Falschheit, Tücke, Zank und Streit, wo wild die Welt im Chaos tanzt, ward dieser Lindenbaum gepflanzt. Oh, stehe fest, du edles Holz, wachs und gedeihe hier, so manches Jahr so frei und stolz, dem Dorfe um dich zur Zier.» Reck war damals Gymnasiast und wohnte im Dorf. 2 Jahre später brach der 2. Weltkrieg aus. (str)

Jimmy Jufer