Beim Eintreffen der vielen Gäste fielen prompt ein paar Regentropfen. Immerhin: Den reichhaltigen Apéro, serviert von der bewährten Kronenbrigade, konnten die 200 von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) eingeladenen Damen und Herren baumbeschützt geniessen. Zur nationalen und kantonalen Politprominenz gehörte die komplette Aargauer Regierung, Land-Amme Susanne Hochuli inbegriffen. Gut vertreten war die Banken- und Wirtschaftswelt ebenso die Kulturszene.

Reale statt virtuelle Begegnungen

Landammann Hochuli verriet ihre Faszination für die jüdische Mystik und die talmudische Ethik. Die Rednerin plädierte für stärker gelebte Gemeinschaften, von den Vereinen bis zu Parteien, von den Kirchen bis zum Staat. Denn «virtuelle Begegnungen können reale nicht ersetzen», weil der Mensch als ganzes Wesen nur im direkten Kontakt spür- und erlebbar sei. Das persönliche Engagement sei wichtig: «Freizeit, Arbeitskraft, Anteilnahme und Solidarität für die Gemeinschaft zu spenden.»

Gespür für die feinen Töne

«Die Welt ist voller Musik», sagte Schlossherr und AKB-CEO Rudolf Dellenbach - mit einem kritischen Unterton: «Die Freunde im Norden, Süden und Westen und jene von der anderen Seite des Atlantiks wollen uns den Marsch blasen, weil ihre Steuerkassen leer sind.» Überall bedienten sich die Wahlkämpfer der Klaviatur der Gefühle, um in den Herzen der Wähler Anklang zu finden. Berlin und Paris wollten bei der Bewältigung der Eurokrise die erste Geige spielen. Bei so viel Disharmonie im Konzert der Europa- und Weltpolitik wünschte Dellenbach den Besuchern der Lenzburgiade ein gutes Gespür für die feinen Töne.

Die raffinierte Kombination von Klassik und Folk bildet die Schwerpunkte der vierten Lenzburgiade, alle Konzerte mit 450 Plätzen sind ausgebucht. Bei stabilem Wetter könnte es im Schlosshof aber zusätzliche Stühle geben. Rudolf Dellenbach gab die Bühne frei - für die Sängerin Yasmin Levy mit ihrer wunderbaren Stimme und den gefeierten Pianisten Teo Gheorghiu.