Taifun
Lenzburgerin auf den Philippinen: "Ich lerne zu schätzen, was wir in der Schweiz alles haben"

«Haiyan» ist der stärkste Taifun, der je auf die Philippinen traf. Die Lenzburgerin Phoebe Cueni verbringt ihren Sprachaufenthalt in der Stadt Tibiao auf der Insel Panay und berichtet, wie sie die Naturkatastrophe hautnah erlebt hat.

Sarah Künzli
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Phoebe Cueni aus Lenzburg verbringt als Austauschschülerin ein Jahr in den Philippinen und erlebte den Taifun Haiyan hautnah: Ihre Bilder
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Phoebe Cueni aus Lenzburg verbringt als Austauschschülerin ein Jahr in den Philippinen und erlebte den Taifun Haiyan hautnah: Ihre Bilder

ho/Phoebe Cueni

«Es ist unglaublich, wie gewaltsam und grausam zerstörerisch die Natur sein kann - ohne die kleinste Rücksicht», schreibt Phoebe Cueni.

Die Lenzburgerin befindet sich ein knappes Jahr im Rahmen eines Jugendaustausches in Tibiao auf der Insel Panay und hat Taifun Haiyan hautnah miterlebt.

Am 8. November fegte der Taifun mit einer Spitzenwindgeschwindigkeit von rund 270 km/h über Tibiao.

Schon an den Vortagen hätten die Bewohner Vorbereitungen getroffen, da sie wussten was auf sie zukommt, schildert sie.

«Schulen wurden geschlossen, reife Früchte noch gepflückt, die Fenster abgedeckt und alles, was noch lose war befestigt.» Dann habe die ganze Stadt gewartet.

Um 13 Uhr begann es zu stürmen. Nach zwei Stunden habe sie gedacht, es sei vorüber.

Doch es war erst der Anfang: «Die Windrichtung drehte sich um 180 Grad. Zusammen mit dem Regen peitschte der Taifun weitere drei Stunden noch stärker gegen die Häuser, entwurzelte Bäume, hob Dächer ab und zerstörte teilweise ganze Häuser», beschreibt Phoebe Cueni die Situation.

«Tibiao sah richtig leergeräumt aus»

Sie war in der Zwischenzeit damit beschäftigt, Wasser, das ins Haus eindrang, aufzuwischen. «Mir wurde etwas mulmig, weil ich wusste, dass es viele Leute gab, die in diesem Moment um ihr Leben bangten, während ich etwas Wasser aufwischte.» Nach der vierten Stunde habe sie mit ihrer Gastfamilie gebetet.

Am nächsten Morgen habe sie das Ausmass des Taifuns gesehen. «Tibiao sah richtig leergeräumt aus. Viele Bäume waren fast kahl, Häuser und Gebäude verwüstet und die Leute, die vorher schon arm waren, haben jetzt praktisch gar nichts mehr, weder Geld noch Essen noch ein richtiges Dach über dem Kopf», schreibt sie ganz mitgenommen. Sie sei in diesem Moment einfach nur sprachlos gewesen.

170 000 Franken Spenden für die Taifun-Opfer

Der Aargauer Regierungsrat hat für die Opfer des Taifuns Hai-yan auf den Philippinen 150 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds gesprochen. Der Betrag wird der Glückskette überwiesen, die gestern Montag einen nationalen Sammeltag durchführte. Auch die Reformierte Landeskirche engagiert sich: Sie hat 20 000 Franken aus dem Soforthilfefonds ans Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (Heks) überwiesen. (az)

Glück im Unglück

In Tibiao löste der Taifun keine Flutwelle aus. Die Stadt hätte trotz Schäden grosses Glück gehabt, schreibt Phoebe Cueni.

«Wir hatten kaum Verletzte und vor allem keine Toten.» Nun sei Geld das dringendste was die Stadt brauche, damit die Leute mit Essen versorgt werden können.

Trotz all dem Schrecklichen, das Phoebe Cueni in den Philippinen erlebt hat, schätzt sie die Zeit ihrer Aufenthaltes.

«Ich lerne zu schätzen, was wir in der Schweiz alles haben. Trotz der Zustände, würde ich nicht früher nach Hause kommen wollen. Die Philippinen sind meine zweite Heimat geworden.»